SysKid: interdisziplinäre Suche nach besseren Strategien gegen chronische Nierenerkrankungen

Chronische Nierenerkrankungen gehören zu den »stillen« Leiden. In Europa sind etwa zehn Prozent der Bevölkerung betroffen. Zumeist ist die Nierenschwäche die Folge von Diabetes und Bluthochdruck. Experten sind sich einig, dass Prävention, Früherkennung und Therapie dieser Erkrankung verbessert werden müssen. Eine wichtige Voraussetzung dafür ist einerseits ein besseres Verständnis der pathologischen Prozesse, die eine chronische Nierenschwäche verursachen. Andererseits gilt es, solche Einsichten in Methoden umzumünzen, die Ärzten neue Optionen für die Diagnostik und Therapie an die Hand geben.

Neue Erkenntnisse über die Krankheitsmechanismen gewinnen und diese zum Nutzen der Patienten in klinische Strategien umsetzen – das wollen jene Forschergruppen leisten, die sich im EU-Forschungsprojekt SysKid zusammengeschlossen haben. »Wir setzen auf die modernen Methoden der Systembiologie und auf die enge Zusammenarbeit von Wissenschaftlern an Universitätskliniken und Forschungsinstituten mit Pharma- und Biotech-Firmen«, sagt Dr. Bernd Mayer, geschäftsführender Partner der F&E-Firma emergentec biodevelopment GmbH, Wien, der das Projekt koordiniert. Auch Patientenorganisationen sind in das Projekt eingebunden.

Aufgrund seines Forschungsansatzes und seiner integrierten Struktur wurde das gerade einmal fünf Monate junge Forschungsprojekt auf einer Veranstaltung der Europäischen Kommission zum 7. Rahmenprogramm der Gesundheitsforschung unlängst als »Erfolgsstory« präsentiert.

Mit Systembiologie komplexe Prozesse entschlüsseln

»Je besser wir die Krankheitsprozesse auf genomischer, molekularer und zellulärer Ebene verstehen«, argumentiert Mayer, »desto eher eröffnen sich auch Ansätze und Angriffspunkte für neue Therapien.«

Unter anderem setzen die Forscher auf jene unter dem Begriff der »Omics« zusammengefassten Forschungsrichtungen: »Genomics«, die Untersuchungen der Erbinformation, »Transkriptomics«, die Untersuchung der derzeit aktivierten Erbinformation, »Proteomics«, die Erforschung der Gesamtheit der Eiweißstoffe und »Metabolomics«, die Untersuchung von Stoffwechselprodukten. Diese Erkenntnisse werden verknüpft mit den Ergebnissen von Untersuchungen an Modellsystemen der Erkrankungen sowie mit den Resultaten klinisch-diagnostischer Untersuchungen von Patienten und epidemiologischen Daten. Die Forscher wollen so ein möglichst vollständiges Bild der komplexen und dynamischen Prozesse auf allen Ebenen der Nieren erhalten. »Das verstehen wir unter Systembiologie«, erklärt Mayer. Es gilt, das System Niere als Ganzes zu verstehen.

»Omics« in der Nephrologie

Im Rahmen des europäischen Nierenkongresses geben SysKid-Forscher in einem Pre-Congress-Symposium am 25. Juni 2010 einen Überblick über den Status der »Omics« in der Nephrologie.

SysKid: Darum geht es

»Wir müssen Patienten mit einem erhöhten Risiko für chronische Nierenerkrankungen zukünftig früher diagnostizieren und behandeln.« So beschreibt Professor Gert Mayer von der Medizinischen Universität Innsbruck eine der großen Herausforderungen der Medizin. »Denn wir wissen inzwischen aufgrund neuer Studien, dass eine Therapie in frühen Stadien das Fortschreiten der Erkrankung zumindest bremsen und den Patienten oft auch die Dialyse oder die Transplantation ersparen kann«, ergänzt Professor Rainer Oberbauer von der Medizinischen Universität Wien. »Wir können es uns angesichts der Zunahme dieser Leiden nicht länger leisten, mit der Behandlung zu warten, bis sich die Patienten im Endstadium befinden«, betont Professor Dick de Zeeuw von der Universität Groningen, »wir brauchen effiziente Programme zur Früherkennung und Frühbehandlung.«

Über SysKid

SysKid ist ein interdisziplinäres Forschungsprojekt: Mediziner, Statistiker, Epidemiologen, Molekularbiologen und Bioinformatiker von Universitätskliniken, Forschungsinstituten und Biotech-Unternehmen arbeiten zusammen. Dem Konsortium gehören 25 Forschergruppen aus 15 Ländern an: Belgien, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Irland, Israel, Italien, Niederlande, Österreich, Polen, Schweiz, Spanien, Ungarn und USA. Das Forschungsprojekt hat eine Laufzeit von fünf Jahren. Es wird von der Europäischen Union mit 11,8 Millionen Euro aus dem Rahmenprogramm 7 (FP7) gefördert, das gesamte Projektvolumen beträgt rund 16 Millionen Euro.

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(idw, 06/2010)

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