Symposium beim 124. Internistenkongress: Internisten in Diktatur und junger Demokratie

Ergebnisse und eine zum 124. Internistenkongress erscheinende Veröffentlichung stellt DGIM Generalsekretär Professor Dr. med. Dr. h.c. Ulrich R. Fölsch bei der Eröffnungs-Pressekonferenz am 14. April 2018 anlässlich der Jahrestagung der DGIM vor.

2011 hatte sich die DGIM entschlossen, ein Forschungsprojekt auf den Weg zu bringen, um die Rolle von Internisten in der Zeit des Nationalsozialismus aufzuarbeiten – die der Täter und der Opfer. „Dabei ging es von Anfang an nicht darum, einzelne Personen zu brandmarken oder pauschal zu verurteilen. Vielmehr war es die Absicht, das in den eigenen Reihen nur verschwommen erhalten gebliebene historische Wissen schärfer zu konturieren“, erklärt Professor Fölsch aus Kiel das Anliegen der Fachgesellschaft. Wunsch des Vorstands war es, Transparenz herzustellen, um zu klären, wie es passieren konnte, dass sich auch eine Fachgesellschaft wie die DGIM sehr weitgehend einem Unrechtsregime unterworfen hat.

Nachdem die Rolle der DGIM in der NS-Zeit bereits teilweise beleuchtet und diskutiert wurde, thematisiert die aktuelle Veröffentlichung nun im Detail Informationen zur Fachgesellschaft vor und während des zweiten Weltkriegs und den Nachkriegsjahren. Dazu gehören auch die Konflikte in der Aufarbeitung der NS-Zeit durch Mitglieder der DGIM bis zu den 1968er-Jahren. „Im Vorstand der DGIM war es uns ein Anliegen, es nicht bei einem Schlaglicht auf die Kriegsjahre zu belassen, sondern die bei der Fachgesellschaft liegende Verantwortung auch über die Jahrzehnte danach genau zu analysieren, durch Quellenrecherche aufzuarbeiten und für die Öffentlichkeit einsehbar zu belegen“, sagt Professor Dr. med. Cornel Sieber, Vorsitzender der DGIM und Kongresspräsident aus Nürnberg/Regensburg. Gemeinsam mit den Historikern PD Dr. Ralf Forsbach und Professor Dr. Hans-Georg Hofer veröffentlicht die DGIM das Buch „Internisten in Diktatur und junger Demokratie“ anlässlich des 124. Internistenkongresses, in dem die Autoren Erkenntnisse der geschichtswissenschaftlichen Forschungen zusammenfassen und auswerten. Am 14. April 2018 wird im Rahmen des Internistenkongresses dazu auch ein Symposium mit dem Titel „Die DGIM in NS-Zeit und junger Demokratie“ stattfinden.

Konkret wirksame Konsequenzen aus Erkenntnissen über ihre Historie hat die DGIM bereits in den vergangenen Jahren gezogen: Nach den ersten Forschungsarbeiten wurde die höchste Auszeichnung der Fachgesellschaft umbenannt. Sie trägt seitdem nicht mehr den Namen des ebenfalls in das NS-Regime verstrickten Gustav von Bergmann, sondern den des jüdischen Internisten Leopold Lichtwitz. Als Bekenntnis zu ihrer historischen Verantwortung verabschiedete der Vorstand zudem eine Erklärung, in der sie betont, wie verletzlich die Errungenschaften freiheitlicher Gesellschaften sind und wie wichtig das permanente Ringen um Toleranz, Offenheit und Rechtsstaatlichkeit ist. Die jetzt aufgearbeitete DGIM-Historie zeigt, wie schon Jahre vor dem Nationalsozialismus eine Verschiebung der „Grundeinstellungen“ gegenüber Juden in der Bevölkerung stattgefunden hat, so dass der Boden für die Machtergreifung der Nazis zunächst kaum merklich bereitet wurde. Entscheidend sei, so Professor Fölsch: „Am Ende müssen wir uns alle die Frage stellen, was passiert wäre, wenn wir in der damaligen Zeit gelebt hätten. Hätten wir uns durch die jahrelange ‚feine Verschiebung unserer Grundeinstellung‘ genauso verhalten wie die in dem jetzt erschienenen Buch beschriebenen Täter und Mitläufer? Hätten wir Widerstand geleistet – in welcher Form auch immer – womöglich auch unter dem Risiko massivster Repressalien der bestehenden Diktatur?“ Die Auseinandersetzung der DGIM mit der eigenen Historie solle auch heute dazu anregen, das persönliche und gesamtgesellschaftliche Handeln immer wieder aufs Neue kritisch daraufhin zu prüfen.

– Bei Abdruck Beleg erbeten –

Terminhinweis:

Symposium: Die DGIM in NS-Zeit und junger Demokratie. Zur Geschichte der Fachgesellschaft 1933–1970
Vorsitz: U.-R. Fölsch (Kiel), H.-G. Hofer (Münster)
Termin: 14 April 2018, 10:00 bis 11:30 Uhr, Saal 23
Ort: Congress Center Rosengarten
Anschrift: Rosengartenplatz 2, 68161 Mannheim

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Übersicht über die Pressekonferenzen beim 124. Internistenkongress

Vorab-Pressekonferenz der
Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin e. V. (DGIM)

Termin: Donnerstag, 12. April 2018, 11.00 bis 12.00 Uhr
Ort: Dorint Kongress Hotel Mannheim (Richard Strauss)
Anschrift: Friedrichsring 6, 68161 Mannheim

Vorläufige Themen und Referenten:

Ausblick auf den 124. Internistenkongress
Professor Dr. med. Cornel C. Sieber
Vorsitzender der DGIM 2017/2018, Chefarzt der Klinik für Allgemeine Innere Medizin und Geriatrie am Krankenhaus Barmherzige Brüder Regensburg, Direktor Institut für Biomedizin des Alterns, Universität Erlangen-Nürnberg

HIV – vom Todesurteil zur chronischen Krankheit:
Was heute in der Behandlung entscheidend ist
Professor Dr. med. Gerd Fätkenheuer
Leiter der Infektiologie, Klinik I für Innere Medizin, der Universitätsklinik Köln, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie, Leiter der Task Force Infektiologie der DGIM

Nahrung als Medizin: Was alte Menschen stärkt – und was ihnen schadet
Professor Dr. med. Jürgen M. Bauer
Präsident der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie e.V. (DGG), Lehrstuhlinhaber an der Universität Heidelberg, Ärztlicher Direktor des Agaplesion Bethanien Krankenhaus Heidelberg

Verwirrtheit als Begleiterscheinung des Alters? Was noch dahinterstecken kann
Professor Dr. med. Martin Wehling
Direktor des Instituts für Klinische Pharmakologie der Medizinischen Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg

Moderation: Anne-Katrin Döbler, Pressestelle der DGIM

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Eröffnungs-Pressekonferenz der
Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin e. V. (DGIM)

Termin: Samstag, 14. April 2018, 12.45 bis 13.45 Uhr
Ort: Dorint Kongress Hotel Mannheim (Johann Sebastian Bach)
Anschrift: Friedrichsring 6, 68161 Mannheim

Vorläufige Themen und Referenten:

„Inflamm-Aging“ – Ist das Alter eine Entzündung?
Professor Dr. med. Cornel C. Sieber
Vorsitzender der DGIM 2017/2018, Chefarzt der Klinik für Allgemeine Innere Medizin und Geriatrie am Krankenhaus Barmherzige Brüder Regensburg, Direktor Institut für Biomedizin des Alterns, Universität Erlangen-Nürnberg

Internisten in Diktatur und junger Demokratie: Die DGIM von 1933 bis 1970
Professor Dr. med. Ulrich R. Fölsch
Generalsekretär der DGIM aus Kiel

Medizin für und mit alten Menschen: Haben Internisten ausreichend „Handwerkszeug“ dafür?
Privatdozentin Dr. med. Katrin Singler
Kongressteam der DGIM 2018, Oberärztin der Klinik für Innere Medizin 2, Schwerpunkt Geriatrie, Klinik der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität Nürnberg

Diskussion ums Fernbehandlungsverbot: Kann Telemedizin den Handschlag des Arztes ersetzen?
Professor Dr. med. Friedrich Köhler
Leiter des Zentrums für kardiovaskuläre Telemedizin an der Charité – Universitätsmedizin Berlin

Robotik in der Kranken- und Altenpflege: Aktuelle Entwicklungen, Herausforderungen und Chancen
Professor Dr. med. Elisabeth André
Inhaberin des Lehrstuhls für Multimodale Mensch-Technik-Interaktion am Institut für Informatik der Universität Augsburg

Moderation: Anne-Katrin Döbler, Pressestelle der DGIM

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Mittags-Pressekonferenz der Korporativen Mitglieder der
Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin e. V. (DGIM)

Termin: Sonntag, 15. April 2018, 11.30 bis 12.30 Uhr
Ort: Dorint Kongress Hotel Mannheim, Saal 12 (Johann Sebastian Bach)
Zugang über: Congress Center Rosengarten
Adresse: Rosengartenplatz 2, 68161 Mannheim

„Masern, MRSA, Mikrobiom: Infektionen vorbeugen, bekämpfen und besiegen“

Vorläufige Themen und Referenten:

Antibiotikaentwicklung in Zeiten neuer Infektionen
Prof. Dr. Hans-Georg Sahl, Universitätsklinikum Bonn, Institut für Pharmazeutische Mikrobiologie

Masern-Zahlen in Europa 2017: Was Sie über die unterschätzte Infektion wissen sollten
Prof. Dr. Dr. med. Sabine Wicker, Vorsitzende der Nationalen Verifizierungskommission Masern/Röteln beim Robert Koch-Institut

Infektionen bestmöglich vermeiden und behandeln: Welchen Unterschied die Ausbildung des Arztes macht
Prof. Dr. med. Dr. h. c. Ulrich R. Fölsch, Generalsekretär der DGIM, Kiel

Gesundheitsfaktor Mikrobiom: Modulation durch Präbiotika, Probiotika oder Antibiotika
Prof. Dr. Andreas Stallmach, Universitätsklinikums Jena, Klinik für Innere Medizin IV, Jena

Moderation: Pressestelle der DGIM

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Mittags-Pressekonferenz der
Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin e. V. (DGIM)

Termin: Dienstag, 17. April 2018, 12.30 bis 13.30 Uhr
Ort: Dorint Kongress Hotel Mannheim (Johann Sebastian Bach)
Anschrift: Friedrichsring 6, 68161 Mannheim

Vorläufige Themen und Referenten:

Fazit zum 124. Internistenkongress
Professor Dr. med. Cornel C. Sieber
Vorsitzender der DGIM 2017/2018, Chefarzt der Klinik für Allgemeine Innere Medizin und Geriatrie am Krankenhaus Barmherzige Brüder Regensburg, Direktor Institut für Biomedizin des Alterns, Universität Erlangen-Nürnberg

Gesundheitspolitik im Koalitionsvertrag – Wie sich die DGIM positioniert
Professor Dr. med. Dr. h.c. Ulrich R. Fölsch
Generalsekretär der DGIM aus Kiel

Die „Innere Uhr“: Wie sie uns beeinflusst und wie wir sie beeinflussen können
Professor Dr. rer. nat. Henrik Oster
Direktor des Instituts für Neurobiologie an der Universität Lübeck

Klinik Codex der DGIM: Aktuelle Entwicklung der Initiative
Professor Dr. med. Petra-Maria Schumm-Draeger
Ärztliche Direktorin des Zentrums Innere Medizin / Fünf Höfe, München

125. Internistenkongress: Ausblick und Schwerpunkte
Professor Dr. med. Claus Franz Vogelmeier
Vorsitzender der DGIM 2018/2019, Direktor der Klinik für Innere Medizin mit Schwerpunkt Pneumologie des Universitätsklinikums Gießen/Marburg

Moderation: Pressestelle der DGIM

Pressekontakt für Rückfragen:
Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM)
Pressestelle
Janina Wetzstein
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Tel.: 0711 8931-457
Fax: 0711 8931-167

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