Studie: Bei Diabetes-Patienten halten sich Nutzen und Risiko von Aspirin-Prophylaxe in der Waage

Aspirin kann bei Diabetikern, die noch keine kardiovaskuläre Vorerkrankung haben, wirksam Herzinfarkten und Schlaganfällen vorbeugen, aber es kann zu starken Blutungen kommen. Das sind zentrale Ergebnisse der ASCEND-Studie (A Study of Cardiovascular Events iN Diabetes), die auf dem Europäischen Kardiologiekongress in München präsentiert wurde. Zeitgleich wurde die Arbeit auch im New England Journal of Medicine veröffentlicht. Einen Krebs-protektiven Effekt, wie ihn frühere Studien gezeigt hatten, konnte die Untersuchung nicht nachweisen.

Diabetes-Patienten haben generell ein erhöhtes Herz-Kreislauf-Risiko. Aspirin reduziert nachweislich das Risiko eines neuerlichen kardiovaskulären Ereignisses nach einem Herzinfarkt oder Schlaganfall, und wird bei Patienten mit einer kardiovaskulären Vorerkrankung empfohlen. Die Rolle von Aspirin in der Primärprävention – also bei Menschen ohne bestehende Herz-Kreislauferkrankung – hingegen ist bisher weniger eindeutig, weil die Substanz auch mit einem erhöhten Risiko starker Blutungen verbunden ist.

„Wir konnten in der aktuellen Studie klar zeigen, dass Aspirin das Risiko kardiovaskulärer Ereignisse wie Herzinfarkte, Schlaganfälle oder Transitorische Ischämische Attacken (TIA) reduziert, es erhöht aber auch das Blutungsrisiko, insbesondere im Magen-Darm-Trakt“, berichtete in München die Hauptautorin der Studie, Prof. Jane Armitage von der Universität Oxford. „Insofern gibt es also keinen eindeutigen Benefit. Einen Krebs-protektiven Effekt, wie er immer wieder diskutiert wird, konnten wir in dieser Studie nicht nachweisen. Wir werden aber die Studienteilnehmer weiterverfolgen um zu sehen, ob es diesbezüglich langfristig positive Effekte gibt.“

Für die ASCEND-Studie wurden zwischen 2005 und 2011 insgesamt 15.480 Patienten mit Diabetes untersucht, die keine kardiovaskuläre Vorerkrankung aufwiesen. Sie erhielten entweder 100 mg Aspirin täglich oder Placebo. Während einer durchschnittlichen Follow-up-Periode von 7,4 Jahren erlitten 8,5 Prozent der Patienten in der Aspirin-Gruppe ein kardiovaskuläres Ereignis (Herzinfarkt, Schlaganfall oder TIA), in der Placebo-Gruppe waren es 9,6 Prozent: Bei 11 von 1.000 Teilnehmern ließ sich also ein solches Ereignis vermeiden, das entspricht einer relativen Risikoreduktion von 12 Prozent.

Dem gegenüber gab es bei 4,1 Prozent der Studienteilnehmer in der Aspirin-Gruppe schwere Blutungen, und bei 3,2 Prozent in der Placebo-Gruppe: 9 von 1.000 Teilnehmern hatten also eine Aspirin-bedingte schwere Blutung, das entspricht einer relativen Risikozunahme von 29 Prozent. Nutzen und Risiko der Aspirin-Prophylaxe hielten sich also die Waage, wie die Studienautoren betonten.

Informationen zur Finanzierung der Studie: British Heart Foundation, Medical Research Council Population Health Research Unit (MRC-PHRU), Bayer AG, Solvay, Abbott und Mylan

Offenlegung: Die Studie wurde unabhängig von den Sponsoren von der Clinical Trail Service Unit & Epidemiological Studies Unit (CTSU) des Nuffield Department of Population Health, Universität Oxford, entworfen und durchgeführt. Die Studienleiter befolgen die CTSU-Richtlinien und nehmen keine Zahlungen oder Honorare von pharmazeutischen Unternehmen an.

Quellen: ASCEND – A randomized trial of aspirin versus placebo for primary cardiovascular prevention in 15,480 people with diabetes, wurden auf dem ESC-Kongress in folgenden Sitzungen präsentiert:
Pressekonferenz Hot Line – Late Breaking Clinical Trials 2
Hot Line Session
Meet the trialist ASCEND, 27. August 2018, 12 Uhr 40

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