Studie an der Hochschule Fresenius zur ambulanten spezialfachärztlichen Versorgung

Schockdiagnose: Multiple Sklerose. Sind Erkrankungen besonders schwerwiegend, so steigt das Bedürfnis bei Patienten nach einer modernen und kompetenten medizinischen Beratung und Behandlung. Neurologe, Hausarzt, Nuklearmediziner, Radiologe: Welche Fachärzte müssen konsultiert werden? Muss immer ein Facharzt hinzugezogen werden oder reicht die Expertise des jeweiligen Hausarztes? Wie findet der Informationsaustausch zwischen den Ärzten statt? Um die Betreuung und Behandlung der Patienten mit schwer therapierbaren Krankheiten zu verbessern, hat der Gesetzgeber 2014 die „Ambulant spezialfachärztliche Versorgung“ eingeführt. Unter bestimmten Bedingungen können daran niedergelassene Ärzte und Krankenhäuser teilnehmen, die sich ohne einen Gesellschaftervertrag zu Ärzteteams zusammenschließen. Dadurch können sich die Fachärzte untereinander besser abstimmen. Die Krankenkassen belohnen die Ärzte für den damit einhergehenden Mehraufwand auch monetär durch die Möglichkeit einer extrabudgetären Vergütung. Eine theoretische Win-Win-Situation für Arzt und Patient. Doch wie viele Ärzte schließen sich tatsächlich zu solchen Teams zusammen?

Studierende des Studiengangs Medien- & Kommunikationsmanagement der Hochschule Fresenius, Fachbereich Wirtschaft & Medien in München, haben dazu in Kooperation mit Ecovis zweihundert im Freistaat Bayern niedergelassene Fachärzte zu dem Thema befragt. Ziel der Studie war es herauszufinden, inwieweit Ärzte das Versorgungsangebot überhaupt umsetzen.

Unter der Leitung von Benjamin Ruhlmann, Rechtsanwalt für Medizinrecht bei Ecovis in München und Lehrbeauftragter für Gesundheitsökonomie an der Hochschule Fresenius, hat das Projektteam auf der Grundlage der Befragung eine umfassende Chancen-Risiken-Analyse erarbeitet und konkrete Handlungsempfehlungen ausgesprochen. Diese können nunmehr auch in der Beratung von Ärzten umgesetzt werden. Die Ergebnisse der Studie wurden Ende Juni erstmalig an der Hochschule Fresenius in München präsentiert, eine weitergehende Veröffentlichung ist geplant. Die Zahlen sprechen für sich: Obwohl bereits die Hälfte aller Befragten von der ASV gehört haben, wird das Angebot nahezu nicht genutzt. Als Gründe hierfür geben die Berufsträger unter anderem an, dass sie sich nicht gut genug informiert fühlen, der bürokratische Aufwand zu hoch und das Wissen über Teambildungsmaßnahmen zu gering sei. Die Studierenden empfehlen daher, die Bekanntheit der ASV z.B. durch Vorträge auf Kongressen oder die Einbindung in die Facharztausbildung zu erhöhen, die Bürokratie zu vereinfachen und Ärzten Schulungen anzubieten. „Hier sind insbesondere die gesetzlichen Krankenkassen gefordert, um effizientere Versorgungsstrukturen im Rahmen der Wirtschaftlichkeit zu gewährleisten“, schlussfolgert Ruhlmann.

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