Stroke Unit des Dresdner Uniklinikums als überregionale Einrichtung zertifiziert

Mit dem überregionalen Schlaganfallnetzwerk SOS-NET und dem Nachsorgeprojekt „SOS-Care – Hilfe nach Schlaganfall“ bietet das Universitätsklinikum eine umfassende Palette an Versorgungsangeboten, die bundesweit beispielgebend ist. Ein besonderes Augenmerk der Zertifizierung liegt auf der Zusammenarbeit der Neurologen mit den Experten des Instituts für Neuroradiologie: Sie können in bestimmten Fällen das den Schlaganfall auslösenden Blutgerinnsel mit einem Katheter aus dem Gehirn entfernen. Diese sogenannte mechanische Thrombektomie ist nach aktueller Studienlage die Methode der Wahl für die Behandlung von Schlaganfallpatienten mit akutem Verschluss eines großen hirnversorgenden Gefäßes. Im Uniklinikum arbeiten sechs auf diese Therapie spezialisierte Neuroradiologen, so dass die Anforderungen an eine überregionale Stroke Unit sogar übertroffen werden.

„Die enge und vorbehaltlose Zusammenarbeit von Neurologen, Internisten, Neurochirurgen, Gefäßchirurgen und Neuroradiologen ist ein entscheidender Vorteil der Schlaganfall-Einheit. Ohne diese Interdisziplinarität ist eine optimale Versorgung der Schlaganfallpatienten nicht möglich. Umso wichtiger ist es, die Qualität dieser Zusammenarbeit und die dafür etablierten Strukturen von unabhängigen Experten zertifizieren zu lassen“, sagt Prof. Michael Albrecht, Medizinischer Vorstand des Uniklinikums. „Die erfolgreiche Zertifizierung bestätigt uns, dass sich die Arbeitsabläufe und Strukturen der Versorgung von Schlaganfallpatienten in unserer Klinik auf dem qualitativ höchsten Level bewegen. Erst auf dieser Basis können die beiden wegweisenden SOS-Projekte der Akutversorgung sowie der Nachsorge volle Wirkung entwickeln“, sagt Prof. Heinz Reichmann, Direktor der Klinik für Neurologie. „Es ist unser Ziel, den Schlaganfallpatienten eine rasche Diagnostik zu bieten, um die optimale Therapie festlegen zu können. Während des Aufenthalts in der Stroke Unit, die in der Regel ein bis drei Tage dauert, wird der Patient intensiv überwacht, um möglichst frühzeitig eine Verschlechterung des Zustandes zu erkennen und Komplikationen zu vermeiden. Dazu wird der Patient mit Monitoren überwacht und regelmäßig körperlich untersucht“, erklärt PD Dr. Volker Pütz, Oberarzt und Leiter der Stroke Unit die Arbeit der Spezialstation.

Die intensive Überwachung auf der Schlaganfall-Spezialstation umfasst die Kontrolle der neurologischen Ausfallerscheinungen des Patienten und die kontinuierliche Überwachung der Vitalfunktionen mit einem Monitor. Dazu gehören Herz- und Atemfrequenz, Sauerstoffsättigung und Blutdruck. Hinzu kommen regelmäßige Kontrollen von Blutzucker und Temperatur. Die Palette zusätzlicher Untersuchungen umfasst die Ultraschalldiagnostik der hirnversorgenden Gefäße und des Herzens, eine Überwachung und Analyse des Herzrhythmus, um Herzrhythmusstörungen als Ursache des Hirninfarktes zu erfassen, eine Kernspintomografie des Gehirns, sowie gegebenenfalls eine Hirnkatheteruntersuchung und erweiterte Laboruntersuchungen.

Darüber hinaus betreut erfahrenes und speziell ausgebildetes Pflegepersonal der Stroke Unit die Patienten. Das Team ist für die Krankenbeobachtung verantwortlich, pflegt die Patienten nach speziellen Konzepten und beginnt die ersten frührehabilitativen Maßnahmen. Für eine schnelle Rückkehr in den Alltag schult ein fachlich spezialisiertes Team aus Logopäden, Physio- und Ergotherapeuten zeitnah die Alltagskompetenzen des Patienten durch eine befundgerechte Behandlung. Zur Organisation der Rehabilitation stehen zudem der Sozialdienst und speziell ausgebildete Case-Manger des Klinikums zur Verfügung.

Immer mehr Patienten der Region werden ins Uniklinikum verlegt
Das vor zehn Jahren etablierte SOS-NET – Schlaganfallversorgung Ost-Sachsen Netzwerk – stellt die telemedizinische Beratung für Schlaganfallpatienten in der Region Ostsachsen sicher. Rund um die Uhr können Ärzte der insgesamt 13 angeschlossenen ostsächsischen Krankenhäuser Rat bei den Schlaganfallspezialisten der Klinik für Neurologie einholen. Dazu kommunizieren die Ärzte mit dem Patienten über eine Webcam. Sie beurteilen den klinischen Befund und beurteilen die CT- oder MRT-Aufnahmen des Gehirns, um die optimale Therapie der Patienten abzustimmen. Die Nachfrage dieser Konsile ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich angestiegen. 2015 waren es 822 Patienten – 151 Mal wurden daraufhin Patienten ins Universitätsklinikum verlegt, damit sie hier eine spezifische Therapie erhalten. Im vergangenen Jahr zählten die Dresdner Spezialisten 912 Konsile mit 200 Verlegungen. Ein Grund für die steigenden Zahlen ist die Zunahme von Thrombektomien: Während die Lyse, die Auflösung eines den Schlaganfall auslösenden Blutgerinnsels durch ein Medikament, in der Regel im Krankenhaus vor Ort vorgenommen wird, bleibt der Kathetereingriff im Gehirn den darauf spezialisierten Neuroradiologen vorbehalten. 2015 wurde im Uniklinikum bei 79 Patienten dieser Eingriff vorgenommen; im vergangenen Jahr konnten 117 Patienten akut mittels mechanischer Thrombektomie behandelt werden.

Schlaganfall-Versorgung ist in Deutschland mittlerweile flächendeckend
In der Bundesrepublik steht ein dichtes Netz von spezialisierten Schlaganfall-Stationen für die Versorgung der Patienten zur Verfügung. Die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) und die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe haben inzwischen bundesweit 300 Einrichtungen zertifiziert. Darunter sind gut ein Drittel überregionale Stroke Units. Damit ist die Versorgung damit nahezu flächendeckend gewährleistet.

Kontakte für Journalisten
Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden
Klinik für Neurologie / Stroke Unit Klinik für Neurologie /SOS-Net/SOS-Care
Leiter: PD Dr. med. Volker Pütz Leiterin: Dr. Jessica Barlinn
Telefon: 0351 / 458 35 65 0351 / 458 1 85 15
E-Mail: volker.puetz@uniklinikum-dresden.de jessica.barlinn@uniklinikum-dresden.de

Scroll to Top