Streitfall „Personalisierte Medizin“: Bochumer Medizinethiker veröffentlichen kritische Analyse

Großer Aufwand für wenige Patienten

Die Anfänge des Prinzips der Personalisierten Medizin liegen in den 1990er Jahre: Bei bestimmten Erkrankungen, vor allem Krebserkrankungen, lassen sich biologische Marker ausfindig machen, die Rückschlüsse auf die Eigenschaften der Tumorerkrankung und mögliche Angriffspunkte zulassen. Spezielle Medikamente helfen dann, das Tumorwachstum zu bremsen. Das klingt zunächst nur positiv. Doch Kritiker bemängeln, dass unverhältnismäßig große Ressourcen zugunsten weniger Patienten gebunden sind. Ökonomische Interessen der pharmazeutischen Unternehmen führen dazu, dass sich ihr Interesse auf kleine, aber finanziell lukrative Patientengruppen konzentriert.

Ergebnisse aus Forschungsverbund und Tagung

Der Band versammelt Forschungsergebnisse eines vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten und vom Bochumer Institut für Medizinische Ethik und Geschichte der Medizin (Direktor Prof. Dr. med. Dr. phil. Jochen Vollmann) koordinierten interdisziplinären Forschungsverbundes. Ergänzend enthält der Band ausgewählte Beiträge der Jahrestagung der European Association of Centres for Medical Ethics (EACME) zum Thema „Personalisierte Medizin“, die im September 2013 an der Ruhr-Universität stattfand.

48 Wissenschaftler aus mehr als zehn Fächern, interdisziplinäre Analysen

Das Werk “The Ethics of Personalised Medicine. Critical Perspectives“ umfasst ein breites Spektrum von Arbeiten zu normativen wie auch empirischen Aspekten der „Personalisierten Medizin“. Neben Untersuchungen zu den medizinischen Auswirkungen des Ansatzes in der klinischen Praxis, und Beiträgen zur Finanzierung der kostspieligen Entwicklung und Umsetzung enthält es zahlreiche und häufig interdisziplinär durchgeführte Analysen unter Mitwirkung von Fachvertretern aus Medizinethik, Recht, Sozialwissenschaften und angrenzenden Fachgebieten. Den Abschluss des Bandes bilden interdisziplinäre Empfehlungen zu einer normativ wie auch empirisch begründeten Weiterentwicklung der „Personalisieren Medizin“. Der Band stellt somit einen umfassenden Überblick für alle bereit, die sich einen wissenschaftlich fundierten und gleichzeitig kritisch realistischen Überblick über die „Personalisierten Medizin“ verschaffen möchten.

Titelaufnahme

Vollmann J, Sandow V, Wäscher S, Schildmann J (Hg): The Ethics of Personalised Medicine. Critical Perspectives. Ashgate Publisher, 314 S., 97,95 Euro, ISBN 978-1-4724-4796-8

Über die Herausgeber

Prof. Dr. med. Dr. phil. Jochen Vollmann ist Leiter des Instituts für Medizinische Ethik und Geschichte der Medizin der Ruhr-Universität Bochum.
Verena Sandow, M.A., ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Medizinische Ethik und Geschichte der Medizin der Ruhr-Universität Bochum.
Sebastian Wäscher, M.A. ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Medizinische Ethik und Geschichte der Medizin der Ruhr-Universität Bochum.
PD Dr. med. Jan Schildmann, M.A., ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Medizinische Ethik und Geschichte der Medizin der Ruhr-Universität Bochum

Weitere Informationen

Prof. Dr.med. Dr.phil. Jochen Vollmann, Medizinische Ethik und Geschichte der Medizin der Ruhr-Universität Bochum, Malakowturm – Markstr. 258a, 44799 Bochum, E-Mail: jochen.vollmann@rub.de, Tel: ++49(0)234-32-23394, FAX: ++49(0)234-32-14205, http://www.ruhr-uni-bochum.de/malakow/

Scroll to Top