Strategien zur Fachkräfteentwicklung im Therapiesektor

Im gesamten Wirkungsbereich der Physiotherapie entwickelt sich mehr und mehr ein gravierendes Problem des Fachkräftemangels. Schon heute gelingt es in verschiedenen Regionen Deutschlands nicht mehr, die Patientenversorgung adäquat aufrecht zu erhalten. Der 74. BioCon Valley-Treff am 22. September mit dem Titel „Strategien zur Fachkräfteentwicklung im Therapiesektor“ hat zum Ziel, diese Problematik zu diskutieren – und zwar lösungsorientiert.

In der Veranstaltung, die in Kooperation mit dem VDB – Physiotherapieverband, Landesverband Mecklenburg-Vorpommern, und dem BioCon Valley Mecklenburg-Vorpommern e.V. organisiert wird, sollen konkrete Strategien und Lösungsansätze zur Verbesserung der problematischen Fachkräftesituation im Therapiebereich herausgearbeitet werden. Stichworte sind hier: Starker Rückgang der Zahl der Auszubildenden; hohe Ausbildungskosten; geringe Vergütung; Praxissterben im Angesicht steigenden Bedarfs aufgrund des demografischen Wandels; Notwendigkeit einer Vielzahl kostenpflichtiger und zeitintensiver Zertifikatsfortbildungen nach der eigentlichen Ausbildung; zunehmender bürokratischer Aufwand; überkommene Prüfungsordnung und vieles mehr.
Im Detail: In Mecklenburg-Vorpommern gibt es einen massiven Rückgang von Auszubildenden im Bereich der Physiotherapie. Das begründet sich unter anderem in den hohen Ausbildungskosten. Ein Physiotherapieschüler muss seine Ausbildung mit durchschnittlich 300 Euro pro Monat selbst finanzieren. Erschwerend kommt hinzu, dass der dann fertig ausgebildete Therapeut nach bestandenem Staatsexamen nur lediglich die Hälfte seiner möglichen Therapieleistungen abrechnen kann. Für alle anderen Behandlungsverfahren muss er weitere Fortbildungen absolvieren, welche wiederum mit enormen finanziellen Aufwendungen verbunden sind. Nicht zuletzt ist die niedrige Bezahlung ein Grund für die generelle Unattraktivität des Berufs.

Ein zunehmend steigender bürokratischer Aufwand für Dokumentation und Aufklärung trägt weiterhin zu einem abnehmenden Interesse von jungen Menschen an diesem Beruf bei. Bürokratische Erfordernisse werden zudem in der Grundausbildung nicht gelehrt. Dies liegt unter anderem auch daran, dass die aktuell gültige Ausbildungs- und Prüfungsordnung seit nunmehr 27 Jahren nicht mehr angepasst wurde. Hier ist ebenfalls dringender Handlungsbedarf gegeben.

So fehlen allein in Mecklenburg-Vorpommern aktuell schätzungsweise 800 Physiotherapeuten. In den ländlichen Gebieten beträgt die momentane Wartezeit bis zum ersten Behandlungstermin rund vier Monate. Laut den Vorgaben der Krankenkassen muss die Behandlung regulär jedoch innerhalb von 14 Tagen begonnen werden.

Zur umfassenden Diskussion der genannten Problemfelder werden alle Beteiligten –
Leistungsanbieter, Kostenträger, Ausbilder, Politik und Verwaltung – in den 74. BioCon Valley-Treff eingebunden.

Die Veranstaltung 74. BioCon Valley-Treff: „Strategien zur Fachkräfteentwicklung im Therapiesektor“ findet
am 22. September 2017
im Bürgerhaus Güstrow
Sonnenplatz 1, 18273 Güstrow, statt.

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