Strahlentherapie: Patienten mit Krebs im Endstadium benötigen spezielle Behandlungsmuster

Die palliative Strahlentherapie soll für Patienten, die sich im Endstadium der Krebserkrankung befinden, Tumorschmerzen und auch andere Symptome kontrollieren helfen, um so eine annehmbare Lebensqualität zu erreichen, wenn eine Heilung nicht mehr möglich ist. Indem die Anzahl der Krebszellen reduziert wird, kann die Strahlentherapie Schmerzen lindern, Blutungen verhindern und Luftnot mindern. Bei vielen Patienten wird dieses sinnvolle Ziel jedoch nicht erreicht, zeigt die Studie unter der Leitung von Prof. Stephan Gripp, Leitender Oberarzt der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie.

Die Düsseldorfer Wissenschaftler haben die Angemessenheit der palliativen Strahlentherapie zwischen Dezember 2003 bis Juli 2004 an 33 Patienten, die innerhalb von 30 Tagen nach Beginn der Palliativbestrahlung verstorben sind, untersucht. 91 Prozent dieser Patienten erhielten eine Strahlentherapie. Die Hälfte dieser Personen verbrachten 60 Prozent der ihnen verbleibenden Lebenszeit damit; bei nur 58 Prozent dieser Patienten konnte die vollständig Strahlenbehandlung durchgeführt werden.

Der Grund dafür, so Gripp, sei, dass viele Ärzte die Überlebenszeit der Patienten erheblich überschätzten. In der Gruppe der Patienten, die innerhalb eines Monats nach Beginn der Palliativbehandlung verstarb, wurde in einer von fünf Prognosen die Überlebenszeit auf mehr als sechs Monate geschätzt. Die untersuchten Patienten profitierten im Hinblick auf bessere Lebensqualität auch nur zu einem kleineren Teil von der Behandlung. 52 Prozent der Betroffenen klagten trotz Therapie über zunehmende Beschwerden, Linderung oder Schmerzreduktion wurden nur von 25 Prozent der Patienten angegeben.

Die Autoren der Untersuchung schließen daraus, dass die Strahlentherapie in der hier eingesetzten Form den palliativen Zielen nicht angemessen ist. Diese lang andauernde Behandlung bei Patienten mit Krebs mit Endstadium spiegelt anscheinend eher die zu optimistischen Prognosen der Überlebenszeit und unrealistische Einschätzungen der Nebenwirkungen der Bestrahlung wider.

"Radioonkologen ist es bisher nicht gelungen, die genaue Überlebenszeit dieser Patienten zu bestimmen. Daraus resultiert die zu lange Strahlenbehandlung, die oft wegen des Versterbens eines Patienten oder durch Aufgabe der Behandlung durch den Patienten abgebrochen wird", sagt Prof. Dr. Stephan Gripp. Ärzte benötigten bessere Methoden, um die verbleibende Lebenszeit der todkranken Patienten zu prognostizieren. Gripp und Ko-Autoren empfehlen aufgrund der Untersuchungsergebnisse, für die palliative Bestrahlung Kurzzeittherapien einsetzen.

Veröffentlichung: "Palliative radiotherapy tailored to life expectancy in end-stage cancer patients: reality or myth?" Stephan Gripp, Sibylle Mjartan, Edwin Boelke, and Reinhardt Willers. CANCER; Published Online: April 12, 2010 (DOI: 10.1002/cncr. 25112).

Kontakt: Prof. Dr. med. Dipl.-Phys. Stephan Gripp, Leitender Oberarzt, Klinik und Poliklinik für Strahlentherapie und Radioonkologie, Tel.: 0211 / 81-18992, E-mail: Gripp@uni-duesseldorf.de
(idw, 04/2010)

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