Stottern – was ist das eigentlich?

(dtd). Wohl jeder hat eine mehr oder weniger genaue Vorstellung davon, was Stottern ist. Schließlich hat sich wohl fast jeder schon mit jemandem unterhalten, der Probleme mit seinem Redefluss hatte. Immer wieder wurden einzelne Silben oder Worte wiederholt oder sehr in die Länge gezogen. Mancher mag den Eindruck gehabt haben, dass der Sprecher zugleich Anlauf nimmt und doch nicht vom Fleck kommt bei seinem Versuch, möglichst klar zu sprechen. Oft ist in solchen Situationen die Anspannung des Stotternden zu spüren. Die Gesichtsmuskulatur scheint sich genauso wie die Atem- und die Sprechmuskulatur zu verkrampfen. Und je unauffälliger jemand sprechen möchte, der stottert, desto stärker beeinträchtigt das Stottern die Unterhaltung.

Die Situation ist für beide Gesprächspartner unangenehm, für denjenigen, der stottert aber ungleich schwieriger zu ertragen. Denn wer stottert, wird auch heute noch viel zu oft stigmatisiert, bemitleidet, bedauert und häufig nicht ernstgenommen. Es vereinfacht die Situation keineswegs, dass die Stotternden genau wissen, was sie sagen wollen, sich aber einfach nicht flüssig artikulieren können. Stotternde Menschen müssen ihr Problem ständig zu Schau tragen – oder schweigen. Und dafür entscheiden sich manche tatsächlich in vielen Situationen. Sie schweigen, lassen die anderen reden und ziehen sich zurück. Es gibt Stotternde, die einen Hass auf sich selbst entwickeln und mit heftigen Minderwertigkeitsgefühlen kämpfen müssen. Diese Folgen ihres Handicaps sind in vielen Fällen viel tragischer als das Stottern selbst.

So individuell wie das Stottern im Einzelfall ist, so unterschiedlich sind auch die Situationen, in denen die Betroffenen beim Sprechen ins Straucheln kommen. Dass Menschen überhaupt stottern, wird meist von verschiedenen Faktoren bestimmt. Versagensängste, Stress und Leistungsdruck spielen oft eine große Rolle. Der Redefluss hängt meist auch von der Kommunikationssituation ab. Manchmal klappt es mit dem Redefluss allerbestens, ein anderes Mal ist stotternden Menschen – schon bevor sie überhaupt anfangen zu sprechen – sonnenklar, dass sie nicht flüssig sprechen werden. Ganz egal, wie intensiv sie es auch versuchen werden.

Was für die Betroffenen schlimm ist, belastet auch die Menschen, die mit ihnen kommunizieren. Heute lacht kaum mehr jemand über das Stottern. Die meisten Kinder lernen schon früh, auch Menschen zu akzeptieren und zu respektieren, die offenbar anders sind. Und so wissen die meisten, dass Lachen, allzu offenkundige Neugier, unsensible Fragen oder auch das Anstarren von Menschen tabu sind. Das bedeutet aber leider nicht, dass Spott und Mitleid ganz aus der Welt verschwunden sind. Denn wie überall können auch in Sachen Stottern schon wenige Menschen, die sich auf menschlicher Ebene nicht wertschätzend zu verhalten wissen, für großes Leid sorgen.

Bei vielen Menschen ist es aber eher die Unsicherheit, die es ihnen unmöglich macht, sich entspannt, positiv und eben wertschätzend zu verhalten, wenn jemand stottert. In diesen Fällen ist es oft am wirkungsvollsten, über seinen Schatten zu springen und das schwierige Thema anzusprechen. Allein dass man über seine Probleme spricht, kann die Situation schon ungemein entspannen und vor allem Vertrauen schaffen.

Das hilft gegen das Stottern
Therapien und ihre Ansätze

(dtd). Es gibt ganz unterschiedliche Ansätze, das Stottern zu bekämpfen. Auch wenn es sehr unwahrscheinlich ist, dass sich das Stottern im Einzelfall vollkommen heilen lässt, so können doch mit einer konsequenten Umsetzung der passenden Therapievorschläge oftmals sehr gute Besserungen erzielt werden. Wichtig ist, dass man sich die Anbieter sehr genau und auch durchaus kritisch anschaut. Denn aus der großen Not möchte manch einer seinen Profit schlagen. Und es wäre fatal, wenn man sein eigenes Wohlergehen oder das eines Kindes in die Hände von Menschen legt, die lediglich ein finanzielles Interesse haben, aber letztlich oftmals gar nicht helfen können. Andererseits gibt es viele seriöse Hilfen, bei denen es einfach nur darauf ankommt, dass ihr Ansatz zu dem jeweiligen Stotterer passen sollte.

Dazu zählt zum Beispiel der Ansatz der Modifikation, also eine Verhaltenstherapie. Bei ihr geht es allerdings nicht darum, das Stottern zu therapieren, sondern die Hemmung des Redeflusses anzunehmen, es im eigenen Leben zu akzeptieren und dann beispielsweise im Rahmen eines Kommunikationstrainings zu modifizieren.

Eine Alternative ist die pragmatische Nutzung von Methoden aus der Gesangs-, Atem- und Stimmtechnik. Dabei wird versucht, eine neue und noch ungewohnte Sprechweise zu erlernen. Ausgangspunkt ist, dass es dem Stotterern oft problemlos möglich ist, sich beispielsweise beim Singen flüssig zu artikulieren. So versucht man, den Betroffenen wie Schauspielern oder Musikschülern Atemtechniken, ausdrucksstarkes Sprechen und Rhetorik nahezubringen. Das Prinzip funktioniert ein wenig so, als würden sich die stotternden Menschen auf einen Auftritt auf einer Bühne vorbereiten. Nur dass diese Bühne eigentlich ihr Leben ist. Andere Therapien konzentrieren sich zum Beispiel auf die Kraft der Gedanken. Wie Sportler werden bei dieser mentalen Methode die Stotterer mit Hilfe von Autosuggestion dahingehend beeinflusst, dass sie durch das Wiederholen von Leitsätzen ihr Lernen leichter auf ein flüssiges Sprechen ausrichten können.

Stottern – die Diagnose
Mehr Jungen als Mädchen betroffen

(dtd). Auch wenn es erstaunlich klingt: Stottern zu diagnostizieren ist nicht immer einfach. Das liegt daran, dass sich wohl fast jeder manchmal beim Sprechen verhaspelt, das eine oder andere Wort nicht flüssig aussprechen kann und auch mal stottert. Doch als Stotterer gelten Menschen erst dann, wenn ihre Sprechprobleme die Kommunikation wirklich stören oder in schlimmen Fällen sogar nahezu verhindern. Bei Kindern zwischen zwei und fünf Jahren kann es zum sogenannten Entwicklungsstottern kommen, das sich wieder „verwächst“. Darauf verlassen kann man sich allerdings nicht, sodass man die Ursache des Stotterns immer klären sollte, damit man nötigenfalls beizeiten eingreifen und dem Kind alle Entwicklungschancen bieten kann. Von den Erwachsenen stottert schließlich nur rund jeder Hundertste. Vier Fünftel davon sind Männer. Frauen sind wesentlich seltener betroffen. Das gilt übrigens auch schon für das Kindesalter, in dem es ebenfalls die Jungen sind, die den größeren Anteil unter den stotternden Kindern ausmachen.

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