„Sterben dort, wo man zuhause ist“

Augsburg/Berlin/DHPV – Ambulante Hospiz- und Palliativarbeit will ein Sterben zu Hause ermöglichen. Obwohl sich ein überwiegender Anteil der Bevölkerung ein Sterben in der vertrauten Umgebung wünscht, wissen nur die wenigsten Patientinnen und Patienten und die wenigsten ihrer Angehörigen von dieser Möglichkeit. Ob dem Wunsch eines Patienten, zu Hause zu sterben, entsprochen werden kann, hängt nicht zuletzt davon ab, wie die ambulante Hospizarbeit organisiert ist. Je nachdem in welcher Region man stirbt und welche Unterstützung man durch die ambulante Hospiz- und Palliativarbeit erfährt, stirbt man in Deutschland anders. Das ist das Ergebnis der Studie „‚Sterben, dort wo man zuhause ist…’ – Organisation und Praxis von Sterbebegleitungen in der ambulanten Hospizarbeit“, die in Kooperation und mit Unterstützung des Deutschen Hospiz- und PalliativVerbands (DHPV) und der Deutschen Krebshilfe an der Universität Augsburg von einem Team des Soziologen Prof. Dr. Werner Schneider durchgeführt wurde.

„Die meisten Menschen haben leider nur recht diffuse Vorstellungen von dem, was ein Hospiz eigentlich ist und was die Mitarbeiter von ambulanten Palliativdiensten anbieten können“, sagt Schneider, gesellschaftswissenschaftlicher Experte für die Fragen von Sterben und Tod, unter dessen Leitung die Studie erarbeitet wurde. "Hospiz" werde in der Bevölkerung noch allzu oft mit "in Kürze sterben" gleichgesetzt. "Daher", so Schneider, "nehmen Angehörige häufig erst Kontakt mit einem Hospizdienst auf, wenn der Betroffene bereits im Sterben liegt. Dann freilich können sich die Hospiz-Mitarbeiterinnen aber nicht mehr so gut auf die individuellen Bedürfnisse der Betroffenen einstellen."

Der bundesdeutsche Vergleich zeigt deutlich erkennbare Unterschiede in der Betreuung insbesondere zwischen ländlichen und städtischen Regionen. Diese Unterschiede führen dazu, dass die Wahrscheinlichkeit, zu Hause zu sterben, auf dem Land geringer ist als in einer Stadt. Andererseits führt allein das Vorhandensein von stationären Hospiz- und Palliativeinrichtungen zu mehr Hospitalisierung. Schneider: „Die Ergebnisse zeigen deutlich, wie unterschiedlich in Deutschland gestorben wird."

„Wir müssen die ambulante Hospizarbeit dringend weiter ausbauen. Die Mehrzahl der Menschen möchte zu Hause sterben, wir haben aber die Möglichkeiten in diesem Bereich noch längst nicht ausgeschöpft. Bei dem anstehenden weiteren Ausbau der Strukturen für die ambulante Hospiz- und Palliativarbeit muss die Vielfalt an unterschiedlichen Möglichkeiten der allgemeinen und spezialisierten Versorgung berücksichtigt werden. Dabei müssen auch die ehrenamtlichen Dienste und das ehrenamtliche Engagement in Zukunft ihren Stellenwert behalten“, resümiert die Vorsitzende des Deutschen Hospiz- und PalliativVerbands, Dr. Birgit Weihrauch.

Der DHPV und Schneider fordern daher, die Öffentlichkeitsarbeit für die ambulante Sterbebegleitung zu intensivieren, und haben dabei insbesondere Ärztinnen und Ärzte im Blick. Sie gelten als "Türöffner" für die Hospizdienste, da sie Patienten und Angehörige über Hospiz- und Palliativarbeit aufklären und eine Kontaktaufnahme empfehlen können.

Die zentralen Ergebnisse der Studie sind soeben in der Ausgabe 44-2010/2 von "Die Hospiz-Zeitschrift. Fachforum für Palliative Care" erschienen und finden sich zum Download auch im Anhang dieser Pressemitteilung.

Kontakt:

• an der Universität Augsburg:
Prof. Dr. Werner Schneider
Telefon 0821/598-5676
werner.schneider@phil.uni-augsburg.de

• beim DHPV e. V.:
Dr. Julia von Hayek
Telefon 0178/4066041
(idw, 06/2010)

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