Sterben 2.0

(djd). Das Internet hat längst alle Bereiche des Lebens durchdrungen, von den meisten Menschen gibt es im Web unzählige Spuren. Für viele werden soziale Netzwerke wie Facebook zu Orten der Selbstdarstellung, über Einträge und die Fotos im Onlinealbum kann man theoretisch die ganze Welt an seinem Leben teilhaben lassen. Aber auch Todesfälle werden inzwischen immer öfter mit Hilfe des Internets bewältigt.

Millionen trauern mittlerweile online

Tod und Trauer haben mittlerweile etliche virtuelle Facetten. Es gibt Dutzende Friedhöfe und Gedenkstätten im Internet, Portale mit Gesprächsforen und Onlineseminare für Trauernde sowie Dienste für digitale Hinterlassenschaften. Eines der größten Trauerportale hierzulande ist beispielsweise http://www.infrieden.de: Hier kann man kostenlos Gedenkseiten anlegen oder für 39 Euro eine „Premium-Gedenkseite“. Je Gedenkseite steht ein Gigabyte Speicherplatz für Texte, Fotos und Videos zur Verfügung. Inzwischen kooperiert das Portal mit mehr als 30 deutschen Zeitungsverlagen. Ein Drittel der Traueranzeigen in deutschen Zeitungen wird hier online gestellt. Im Netz können die Trauernden sich dann nicht nur ins Kondolenzbuch eintragen, sondern auch virtuelle Kerzen entzünden, Lebensstationen und Fotos des Toten hinzufügen. Das virtuelle Gedenken soll auf diese Weise auch bei der realen Trauerverarbeitung helfen. Das nach Angaben des Betreibers meistfrequentierte reine Trauerportal ist mit rund 1,2 Millionen Zugriffen monatlich dagegen die Seite http://www.strassederbesten.de. Weit über 18.000 virtuelle Gräber gibt es hier mittlerweile. Sie lassen sich in einer hügeligen Landschaft platzieren und komplett frei gestalten.

Auch die „klassische“ Trauerkultur befindet sich im Wandel

Aber neben der „neuen“ Trauerkultur im Netz befindet sich auch die „klassische“ Trauerkultur in Deutschland im Wandel – mit regionalen Unterschieden, wie die ausgebildete Theologin und Bestattungsunternehmerin Andrea Maria Haller aus Stuttgart betont. Nach ihren Worten ist die Zahl der traditionellen Erdbestattungen rückläufig, die Feuerbestattung und das Urnengrab gewinnen stark an Bedeutung. Dies gelte besonders für die neuen Bundesländer, während sich in Süddeutschland Erd- und Feuerbestattungen die Waage halten. „Aber auch neue Bestattungsformen wie Baumbestattungen erleben einen starken Zulauf“, so Andrea Maria Haller. Eine TNS-Emnid-Umfrage im Auftrag der Ergo Direkt Versicherungen bestätigt den Trend. Nur noch jeder Dritte wünscht sich ein klassisches Begräbnis mit einem Trauergottesdienst. Ein „zwangloses Zusammentreffen von Familie und Freunden“ würden 37 Prozent der Befragten bevorzugen.

Über eigene Vorstellungen sprechen

„Menschen sind in ihrer Trauer so einzigartig und individuell wie sonst in ihrem Leben auch“, kommentiert Andrea Maria Haller die Umfrageergebnisse. Sie rät dazu, aus dem Tod kein Tabu zu machen, sondern beizeiten mit der Familie über eigene Vorstellungen zu sprechen. „Wichtig ist aber, daran zu denken, dass die Angehörigen mit den eigenen Entscheidungen und Vorgaben leben müssen.“ Bestattungsunternehmen übernehmen nicht nur die Formalien, sondern unterstützen dabei, der Trauerfeier einen persönlichen Bezug zu geben, etwa mit der Lieblingsmusik des Verstorbenen.

Von der Bestattung zum Diamanten

Eine sehr spezielle Form des Andenkens an einen Toten wurde vor etwa neun Jahren in der Schweiz ins Leben gerufen: Die Firma Algordanza stellte aus der Asche der Verstorbenen Erinnerungsdiamanten her. Die Verarbeitung der Asche dauert einige Zeit. Zunächst wird der Verstorbene in Deutschland durch ein lokales Bestattungsunternehmen eingeäschert, danach geht die Urne in ein Labor in der Schweiz. In einem mehrwöchigen Verfahren unter hoher Temperatur und hohem Druck wird die Kremationsasche dort zu einem Rohdiamanten gepresst und dann in Handarbeit zu einem weiß oder bläulich funkelnden Brillanten geschliffen. Größe und Aussehen des Erinnerungsdiamanten können frei gewählt werden. Inzwischen gibt es neben Algordanza auch andere Anbieter für Erinnerungsdiamanten.

Sterbegeldvorsorge in jedem Alter möglich

Bestattungsunternehmen helfen dabei, den letzten Weg nach den eigenen Vorstellungen zu gestalten und kümmern sich um die Formalien. Neben aller Trauer ist ein Todesfall stets auch mit Bürokratie und nicht zuletzt mit Kosten verbunden. Summen von 5.000 Euro kommen dabei schnell zusammen. Vielen ist es wichtig, ihren Angehörigen diese finanzielle Belastung zu ersparen und entsprechend vorzusorgen, etwa mit Hilfe einer Sterbegeldversicherung. „Je früher man sich darum kümmert, desto geringer ist auch der eigene monatliche Aufwand. Denn die Beitragszahlung wird bei einem früheren Eintritt in den Vertrag auf einen längeren Zeitraum aufgeteilt“, erklärt Andrea König-Uber, Versicherungsexpertin bei den Ergo Direkt Versicherungen. Aber auch im Alter ist es noch möglich, eine Sterbegeld-Police abzuschließen. So gibt es bei Ergo Direkt beispielsweise einen Tarif, der bereits nach einjähriger Aufbauzeit im Todesfall die vollen Leistungen erbringt. „Und wenn man bereits zu Lebzeiten eine bezugsberechtigte Person bestimmt, so vereinfacht und beschleunigt dies die Bearbeitung durch den Versicherer im Todesfall“, empfiehlt Andrea König-Uber.

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