Staunen über den Kosmos Gehirn

Ungeheuer komplexe Aufgaben löst das Gehirn anscheinend mühelos. Bei einem Spaziergang zu zweit im Park hält das faszinierende Organ unseren Körper im Gleichgewicht und sorgt dafür, dass er sich fortbewegt. Dabei hilft das visuelle System, aber auch das Gedächtnis, sich auf den Wegen zurechtzufinden und Hindernissen auszuweichen. Gleichzeitig können wir problemlos die Sprache unseres Begleiters hören und verstehen, währenddessen wir eigene Erinnerungen aus dem Gedächtnis aufrufen und angemessen auf die uns gestellten Fragen antworten. „Schon jede einzelne dieser Aufgaben stellt selbst für höchstentwickelte Computer eine ungemeine Herausforderung dar“, schreiben Tobias Bonhoeffer und Peter Gruss im Vorwort des Buches „Zukunft Gehirn“.

In dem 300-seitigen Report legen 18 international führende Hirnforscher, darunter viele Spitzenforscher der Max-Planck-Gesellschaft, ein gemeinsames Werk vor, das die wichtigsten neueren Erkenntnisse ihres Fachgebietes anschaulich und allgemeinverständlich zusammenfasst. Die Autoren schlagen Brücken zwischen Kultur- und Neurowissenschaften, erlauben sich Exkurse in die Geschichte der Hirnforschung und skizzieren Beispiele aus ihrem eigenen Alltagsleben, die die komplexe Funktionsweise des Gehirns erklären. Darüber hinaus wagen sie Prognosen, in welchen Forschungsgebieten demnächst neue Erkenntnisse zu erwarten sind.

So beschreiben Tobias Bonhoeffer vom Max-Planck-Institut für Neurobiologie und Martin Korte von der TU Braunschweig die neurologischen Grundlagen unserer Erinnerung. Wolfram Schultz, Professor für Neurowissenschaften in Cambridge, erzählt fesselnd, wie Belohnung funktioniert und sich im Gehirn manifestiert. Ute Frevert vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung und Tania Singer vom Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften nehmen sich des schwierigen Themas Empathie an. Der Leser lernt die Zusammenhänge zwischen Hirnprozessen und Erleben, Verhalten und Handeln, aber auch die Notwendigkeit des Schlafes verstehen. Er erhält einen Einblick in die Krankheiten des Gehirns und ebenso einen Ausblick auf mögliche Therapieansätze, etwa in der Stammzellforschung.

Immer wieder überraschend ist die große Bedeutung der Forschungsergebnisse für unseren Alltag und die Beziehungen der Menschen untereinander, die die Autoren geschickt in die jeweiligen Kapitel einfließen lassen. Alles wird anschaulich durch bunte Grafiken und Hintergrundinformationen in zusätzlichen Infokästen gestützt. „Zukunft Gehirn“ ist somit ein ambitioniertes Lehrbuch, das die Vorausschau nicht scheut, aber auch ein leicht zu lesender und kurzweiliger Ausflug in eine spannende, sich rasant entwickelnde Disziplin.

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