Starke Schmerzmittel: Ärzte sind unsicher

Wissensmangel

Nach den Einsatzgebieten von Opioiden gefragt, nannten fast alle Befragten korrekt Tumorschmerzen. Die Hälfte konnte weitere Diagnosen nennen, bei denen Opioide in Frage kommen. Bis zu 13 Prozent gaben allerdings auch Einsatzgebiete an, bei denen Opioide von Spezialisten eindeutig abgelehnt werden, wie z.B. Kopfschmerzen. Auch bei der Dosierung mangelt es an Wissen. So würden über 40 Prozent ein schnell wirksames Medikament, das bei Bedarf gegeben wird, unterdosieren.

Nebenwirkungen werden überschätzt

Die Nebenwirkungen von Opioiden wurden häufig falsch eingeschätzt. Besonders psychische Abhängigkeit und seltene Nebenwirkungen werden überschätzt. Dies und die wenig bekannten rechtlichen Bedingungen bei der Verordnung von Betäubungsmitteln könnten Gründe dafür sein, dass Ärzte im Zweifel keine Opioide verschreiben, auch wenn das sinnvoll wäre. Andererseits kann die mangelnde Therapiekenntnis im Umgang mit Opioiden aber auch zu einem unkritischen Einsatz der Präparate mit einer Gefährdung des Patienten führen. Die Forscher empfehlen daher eine intensivere Ausbildung von Medizinstudierenden und Fortbildung von Ärzten. Die DGSS hat gemeinsam mit anderen Fachgesellschaften allen Medizinischen Fakultäten zu diesem Zweck ein Kerncurriculum zur Verfügung gestellt, das die wichtigsten Informationen zur Schmerztherapie in 14 Stunden zusammenfasst und im Querschnittsfach des Studiums gelehrt werden kann.

Titelaufnahme

M. Pflughaupt et.al. Befragung schmerztherapeutisch interessierter Ärzte zum Umgang mit Opioiden. In: Der Schmerz 2010, 24:267-275, DOI: 10.1007/s00482-010-0913-3

Ansprechpartner

Dr. Markus Pflughaupt, Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie und Intensivtherapie, Universitätsklinikum Carl Gustav Carus, Technische Universität Dresden, Fetscherstr. 74, 01307 Dresden, E-Mail: markus.pflughaupt@uniklinikum-dresden.de

Kerncurriculum http://www.dgss.org/index.php?id=103
(idw, 08/2010)

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