Stammzellen und Krebs

Zum dritten Mal trafen Krebs- und Stammzellforscher im Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg vom 3.-5. Oktober aufeinander, um Erkenntnisse aus beiden Gebieten auszutauschen. Rund 400 Experten aus aller Welt diskutierten die Rolle, die Stammzellen bei der Entstehung von Tumoren spielen und wie man diese Erkenntnisse für die Therapie nutzen kann. Unterstützt wird das Symposium unter anderem von der Heinrich-Behr-Stiftung, die bereits zum 6. Mal eine internationale Tagung im Deutschen Krebsforschungszentrum fördert.

"Ich freue mich außerordentlich, dass das Thema Stammzellen und Krebs eine solche Resonanz findet", sagte DKFZ-Vorstandsvorsitzender Professor Otmar D. Wiestler, der selbst an der Organisation der Tagung beteiligt war. "Noch vor vier Jahren war dies ein Feld nur für wenige Spezialisten, mittlerweile hat das Interesse enorm zugenommen!" Otmar Wiestler, der Anfang 2004 die Leitung des DKFZ übernahm, hatte das Thema Stammzellen aus seiner Bonner Zeit mit nach Heidelberg gebracht und die Forschung an Tumorstammzellen im Krebsforschungszentrum neu eingerichtet. Er betont die Gemeinsamkeiten von Krebszellen und Stammzellen: "Beide sind ungeheuer wandelbar und können in unterschiedlichste Richtungen ausreifen. Gene, die Stammzellen regulieren, sind häufig auch an der Entstehung von Tumoren beteiligt, Stammzellen wie Krebszellen bewegen sich im Körper und es mehren sich die Hinweise dafür, dass wahrscheinlich die meisten menschlichen Krebserkrankungen aus Stammzellen des Körpers entstehen."

Viele Tumoren besitzen eine kleine Anzahl unsterblicher Tumorstammzellen, die ständig neuen Nachschub an Krebszellen liefern. Sie sind darüber hinaus vermutlich für die Entstehung der gefürchteten Metastasen verantwortlich und leider relativ unempfindlich gegenüber Chemotherapie und Bestrahlung. Deshalb stehen sie auch im Verdacht, für das Wiederauftreten von Tumoren nach scheinbar erfolgreicher Therapie verantwortlich zu sein. Wissenschaftler um Professor Andreas Trumpp vom Deutschen Krebsforschungszentrum sind daher überzeugt davon, dass eine erfolgreiche Krebstherapie nur gelingen kann, wenn diese "Wurzel des Übels" gezielt ausgemerzt wird. "Wir suchen nach Methoden, die relativ seltenen Tumorstammzellen mit empfindlichen Methoden zu entdecken und anschließend gezielt zu vernichten", beschreibt Trumpp das Ziel seiner Forschungen. Andreas Trumpp ist gleichzeitig Geschäftsführer der HI-STEM gGmbH, des Heidelberger Instituts für Stammzelltechnologie und experimentelle Medizin, das sich das Ziel gesetzt hat, möglichst schnell die Ergebnisse aus der Grundlagenforschung in die klinische Praxis zu überführen.

Zu der Tagung haben die Organisatoren vom Deutschen Krebsforschungszentrum und dem National Cancer Institute der Vereinigten Staaten ganz bewusst Stammzellforscher aus verschiedenen Gebieten eingeladen: So kommt etwa Professor Rudolf Jaenisch vom Massachusetts Institute of Technology, der als Pionier der Reprogrammierung von Körperzellen zu Stammzellen gilt: Sein Interesse gilt vor allem den so genannten "Induzierten Pluripotenten Stammzellen": Sie entstehen in der Kulturschale aus differenzierten Körperzellen – etwa der Haut – durch Zugabe weniger Faktoren, durchschreiten also gewissermaßen rückwärts die Entwicklung, die Wissenschaftler sprechen von "zurückprogrammieren". Diese IPS-Zellen sind ebenso wandlungsfähig wie die umstrittenen Embryonalen Stammzellen und bieten darüber hinaus den Vorteil, dass sie ethisch bedenkenlos vom Patienten selbst gewonnen werden können. So eröffnet die Arbeit mit diesen Zellen die Möglichkeit der "individualisierten Therapie", so lautet auch der Titel des Vortrags von Rudolf Jaenisch, der erst am Montag, den 4.10.2010, das Bundesverdienstkreuz von Bundespräsident Christian Wulf in Berlin überreicht bekam.

Nicht minder prominent hierzulande sind die Stammzellforscher Professor Hans Schöler, der sich als Direktor des Max-Planck-Instituts für molekulare Biomedizin in Münster ebenfalls mit den induzierten pluripotenten Stammzellen beschäftigt, sowie Professor Oliver Brüstle aus Bonn, der sich aus der Erforschung embryonaler Stammzellen des Menschen Therapien für die Multiple Sklerose erhofft.

"Wir sind stolz darauf, die internationale Elite an Krebs-, Stammzell- und Tumorstammzellforschern in Heidelberg zu versammeln", betont Otmar Wiestler. "Und wir sind davon überzeugt, dass die intensive Diskussion zu neuen Impulsen für die Krebsforschung führt, die nicht zuletzt den Krebspatienten zugute kommen wird!"

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Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland und Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren. Mehr als 2.200 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, davon über 1000 Wissenschaftler, erforschen die Mechanismen der Krebsentstehung und arbeiten an der Erfassung von Krebsrisikofaktoren. Sie liefern die Grundlagen für die Entwicklung neuer Ansätze in der Vorbeugung, Diagnose und Therapie von Krebserkrankungen. Daneben klären die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Krebsinformationsdienstes (KID) Betroffene, Angehörige und interessierte Bürger über die Volkskrankheit Krebs auf. Das Zentrum wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert.

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Dr. Stefanie Seltmann
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(idw, 10/2010)

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