Zentralinstitut für Seelische Gesundheit (ZI): Besserer Schutz für Stalking-Opfer

Das Phänomen Stalking ist häufiger als man denkt. Etwa 12% aller Menschen sind mindestens einmal im Leben davon betroffen. Seit Stalking als eigener Straftatbestand in das Strafgesetzbuch aufgenommen wurde, konnten in den letzten Jahren deutliche Fortschritte für Stalking-Opfer erzielt werden. Erfreulicherweise hat das Wissen über Stalking in der Allgemeinbevölkerung – besonders bei Polizei, Justiz sowie medizinischen/psychosozialen Anlaufstellen – zugenommen. Dennoch ist die Situation für viele Stalking-Opfer nach wie vor unbefriedigend.

Nach dem Opferentschädigungsgesetz (OEG) könnten Stalking-Opfer eine finanzielle Entschädigung für die in der Regel erheblichen psychotraumatischen Beeinträchtigungen durch das mit Stalking verbundene chronische Stresserleben beantragen. Bisher werden diese Anträge meist abgelehnt, weil es zu keiner körperlichen Verletzung gekommen ist. Dies könnte sich allerdings ändern, falls der Nachweis körperlicher Stressmarker bei Stalking-Opfern gelingt.

Dieses Ziel verfolgt eine neue Studie des Forschungsbereichs Stalking an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, die durch die Opferschutzorganisation „Weisser Ring“ gefördert wird. Das in vielen Studien subjektiv geschilderte chronische Stresserleben soll wissenschaftlich, in objektiv messbaren – sogenannten Markern“ – nachgewiesen werden. D.h. die körperlichen Regulationsmechanismen, die im Zusammenhang mit Stressverarbeitung stehen, sind im Vergleich zur gesunden Normalbevölkerung gestört. Sollte dies gelingen, hätten die Stalking-Opfer eine Chance, aufgrund fundierter wissenschaftlicher Daten den Nachweis einer Schädigung, die den Tatbestand der körperlichen Verletzung erfüllt, führen zu können. Der Forschungsbereich Stalking unter der Leitung von Professor Harald Dressing forscht seit Jahren nicht nur über Stalking, sondern bietet den Opfern auch Beratung und therapeutische Hilfe an.

In der Studie, die jetzt startet, besteht für Stalking-Opfer ebenfalls das Angebot einer kostenlosen, umfassenden und professionellen Beratung bezüglich ihrer individuellen Stalking-Situation. Die Untersuchungen an zwei Terminen am ZI beinhalten Speichelproben und eine Messung der Herzratenvariabilität und sind mit einem Zeitaufwand von ca. 90 Minuten verbunden. Außerdem werden in Fragebögen die Auswirkungen von Stalking auf die Gesundheit und die Lebensqualität der Betroffenen untersucht.
 
Teilnehmen können Frauen, die mindestens 18 Jahre alt und derzeit von Stalking betroffen sind. Neben einer kostenlosen professionellen Beratung der individuellen Stalking-Situation erhalten sie eine Aufwandsentschädigung von 30 Euro. Die Teilnehmerinnen werden nicht nur mit konkreter und professioneller Hilfe bezüglich ihrer eigenen Stalkingproblematik unterstützt, sondern sie helfen mit, die Situation anderer von Stalking betroffenen Menschen zu verbessern.
 
Kontaktaufnahme im Forschungsbereich Stalking (Leitung: Prof. Dr. Harald Dreßing) sind per Telefon oder E-Mail möglich. Als Ansprechpartnerin steht Diplompsychologin Christine Gallas (Tel.: 0621 / 1703-2957, E-Mail: stalking@zi-mannheim.de) zur Verfügung.

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