Ständig erreichbar, ständig gestresst?

(djd). Das Mobiltelefon ist aus dem Alltag der meisten Bundesbürger nicht mehr wegzudenken. Viele brauchen das Gefühl ständiger Kommunikationsbereitschaft wie die Luft zum Atmen – sie werden nervös, wenn sie ihr Handy mal zuhause vergessen haben. Andere sehen das Mobiltelefon wegen der dauernden Erreichbarkeit dagegen als Fluch des modernen Menschen an. In ihren Augen ist die individuelle Freiheit stark eingeschränkt, wenn man zu jeder Tages- und Nachtzeit einen Anruf oder eine SMS erhalten kann.

Große Mehrheit sieht’s entspannt

Aber wie denkt die Mehrheit der Bundesbürger aktuell über das Thema ständiger Erreichbarkeit? Das wollte die Stiftung Internetforschung in einer aktuellen Umfrage im Auftrag der Ergo Direkt Versicherungen wissen. Etwa jeder Sechste fühlt sich demnach von häufigen Anrufen gestresst oder in seiner Freizeit eingeschränkt. Unter den 18- bis 29-Jährigen beklagt sich sogar fast jeder Vierte über die Vielzahl an eingehenden Telefonaten. Die große Mehrheit der Deutschen sieht die ständige Erreichbarkeit jedoch nicht als problematisch an. Im Gegenteil, jedem Zweiten gibt es ein Gefühl von Sicherheit, immer und überall angerufen werden zu können. 35 Prozent werten die ständige Erreichbarkeit sogar als einen Ausdruck von Freiheit.

Viele sind rund um die Uhr erreichbar

Mehr als jeder dritte Deutsche ist tatsächlich beruflich wie privat 21 bis 24 Stunden am Tag telefonisch erreichbar, Frauen mit 39 Prozent sogar etwas häufiger als Männer mit 33 Prozent. Selbst bei den über 70-Jährigen nimmt der Umfrage zufolge etwa jeder Dritte 21 Stunden oder länger Anrufe entgegen.

Sogar aus dem Schlaf heraus gehen 22 Prozent der Befragten ans Telefon. Fünf Prozent aller Altersgruppen und 13 Prozent der Jüngeren sehen auch kein Problem darin, beim Duschen zu telefonieren. Nicht einmal ein Toilettengang hält 27 Prozent der 18- bis 29-Jährigen davon ab, eine SMS würden 61 Prozent der unter 30-Jährigen auf dem stillen Örtchen lesen. Tabu scheint das Telefonieren nur noch im Kino, während eines Gottesdienstes oder bei ärztlichen Untersuchungen zu sein.

Ob ein Anruf entgegengenommen wird, hängt auch davon ab, wer anruft. Für Familienmitglieder sind 87 Prozent fast rund um die Uhr erreichbar. Etwa jeder Zweite stört sich nicht daran, wenn Freunde zu später Stunde anrufen. Anders bei Vorgesetzten, Arbeitskollegen oder Kunden: Zwar ist jeder Zehnte auch beruflich rund um die Uhr erreichbar. Die Mehrzahl der Befragten geht jedoch nur während der Arbeitszeit oder ausschließlich tagsüber an den Apparat.

Telefonverbot hinterm Steuer – viele halten sich nicht daran

Auch wenn es strafbar ist: Noch immer sind fast 15 Prozent der Deutschen bereit, beim Autofahren ans Telefon zu gehen – selbst dann, wenn sie keine Freisprechanlage besitzen. Bei den unter 30-Jährigen würden sogar 26 Prozent gleichzeitig fahren und telefonieren. Am Steuer zu sitzen und nebenbei Textnachrichten zu lesen, können sich knapp 16 Prozent aller Deutschen und etwa doppelt so viele unter 30-Jährige vorstellen.

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