Spießig war gestern – heute sind Schrebergärten wieder „in“

(mpt-613). Sehr viele Jahre waren sie der Inbegriff von Spießigkeit: Schrebergärten. Mittlerweile sind Kleingartenanlagen jedoch wieder im Trend und besonders junge Menschen erfreuen sich an selbst angebautem Gemüse und Obst. Darüber hinaus schätzen sie das „eigene Stückchen Natur“ in den „Betonwüsten“ der Städte.

Umfrage bestätigt: Schrebergärten machen das Stadtleben „grün“ und gesellig

Eine aktuelle TNS-Emnid-Umfrage der Ergo Direkt Versicherungen ( https://ergodirekt.de/de.html ) bestätigt den positiven Imagewandel der Schrebergärten: Gerade mal elf Prozent der Befragten verbinden Schrebergärten noch mit „Spießigkeit“ – ganze 31 Prozent liebäugeln hingegen sogar mit einem eigenen Garten und dem Anbau ihres eigenen Gemüses. Für 24 Prozent steht ein Schrebergarten insbesondere für ein „grünes Fleckchen“ in der Stadt und 22 Prozent denken bei Schrebergärten vor allem an Geselligkeit. Selbst die 14- bis 29-Jährigen haben ihr stereotypes Bild vom Schrebergarten abgelegt, nur noch jeder Fünfte in dieser Altersklasse assoziiert damit Spießbürgertum.

Der wiederentdeckte Spaß am Säen und Ernten

Deutschland ist seit jeher für seine „Laubenpieper“ bekannt, bundesweit beackern immerhin rund eine Million Menschen ihre Kleingartenparzellen. Das durchschnittliche Alter der Schrebergartenbesitzer liegt derzeit noch bei rund 60 Jahren – seit 2000 sinkt es jedoch: Rund 64 Prozent aller Neuverpachtungen gehen an Personen, die jünger als 55 sind, und rund die Hälfte geht laut einer Studie des Bundesministeriums für Stadtentwicklung an Familien. Der Münchner Kleingartenverband beispielsweise bestätigt, dass die Mehrheit der Neuanmeldungen von jüngeren Menschen kommt und spricht sogar von einem regelrechten Generationswechsel. Da die knappen Flächen sehr begehrt sind, müssen viele Kleingartenvereine – vor allem in westdeutschen Großstädten – Wartelisten führen. In München kann die Wartezeit für einen Schrebergarten je nach Stadtteil sogar bis zu fünf Jahre betragen – und das, obwohl es dort rund 85 Kleingartenanlagen gibt.

Generationswechsel bringt Veränderungen mit sich

Da die heutigen Schrebergartenbesitzer meist etwas lockerer eingestellt sind als ihre Vorgänger, passen sich viele Kleingartenvereine dem Generationswechsel und entschärfen mitunter ihre Regularien. Übernimmt man heute eine Parzelle, muss man im Vergleich zu früher also wesentlich weniger Vorschriften einhalten. Das betrifft vor allem Veränderungen am Garten, die früher meist einen erheblichen bürokratischen Aufwand mit sich brachten, da Anträge und Pläne erst den Vereinsvorständen vorgelegt werden mussten.

Gut für die Gesundheit

Vielen Schrebergartenbesitzern war es gefühlt sicher schon bekannt, nun ist es auch offiziell durch eine holländische Studie von 2011 bestätigt: Das Werkeln im eigenen Schrebergarten ist gut für das Wohlbefinden und hält vor allem gesund. Im Rahmen der Studie wurden Kleingärtner und deren gartenlose Nachbarn befragt – mit dem Ergebnis, dass Kleingärtner vor allem während der Saison einen zusätzlichen Tag mit körperlicher Aktivität verbrachten. Gerade über 60-Jährige schätzten ihre körperliche Verfassung als gesünder ein, wiesen ein niedrigeres Stressniveau auf und hatten weniger Arztbesuche vorzuweisen. Schon 20 Minuten Arbeit im Garten können die Menge an Stresshormonen im Körper drastisch senken und damit die Gesundheit verbessern.

„Guerilla Gardening“ immer beliebter

Ihrer „grünen Lust“ gehen immer mehr junge Menschen auch auf recht unkonventionelle Art und Weise nach: Als „Guerilla-Gärtner“ pflanzen sie nachts heimlich Blumen oder werfen vom Fahrrad aus „Samenbomben“ auf brachliegende Flächen. Obwohl derartige Gärtneraktivitäten eigentlich illegal sind, begrüßen viele Stadtverwaltungen sie sogar – vor allem, wenn die finanziellen Mittel für die eigene Pflege der kommunalen Flächen fehlen. „Guerilla Gardening“ ist in vielen Großstädten daher schon zur trendigen, sozialen Bewegung geworden, bei der sich Gleichgesinnte ein Stück Brachland zur gemeinsamen Bepflanzung und Pflege suchen. Mitunter werden ihnen die entsprechenden Flächen sogar von den Kommunen verpachtet.

Gesucht – gefunden

In fast allen größeren deutschen Städten gibt es Kleingärtnervereine oder -verbände, die bei der Suche nach einer Parzelle helfen können. Oft werden frei stehende Schrebergärten aber auch über Schwarze Bretter sowie in Internetforen oder Tageszeitungen angeboten.

Buchtipp:

Christa Müller: Urban Gardening. Über die Rückkehr der Gärten in die Stadt. oekom Verlag, München 2011 (ISBN-13: 978-3-86581-244-5, Preis: 19,95 Euro).

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