Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land?

Essstörungen nehmen seit einiger Zeit deutlich zu. Vor allem Frauen sind davon betroffen und vor allem solche, die mit ihrem eigenen Körper – unabhängig vom tatsächlichen Gewicht – unzufrieden sind. Während aber am eigenen Körper oft nur die Mängel ins Auge stechen, werden bei anderen Frauen besonders die attraktiven Körperpartien betrachtet, was die Unzufriedenheit mit sich selbst nur weiter steigert. Das wirkt sich vermutlich auch auf die Entwicklung einer Essstörung aus, meinen Wissenschaftler am Psychologischen Institut der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU). Eine neue Studie soll nun den Zusammenhang zwischen der Wahrnehmung des eigenen beziehungsweise fremden Körpers im Kontext von Essstörungen aufzeigen. Hierfür werden noch Teilnehmerinnen oder Teilnehmer gesucht.

"Schönheitsideale haben im gesellschaftlichen Leben schon immer eine entscheidende Rolle gespielt. Im 17. Jahrhundert war die weibliche Idealfigur durch breite Hüften, hervorgehobene Rundungen und eine volle Oberweite geprägt", sagt Dr. Maria Kleinstäuber. Ganz anders die Schönheitsvorstellungen der aktuellen nordamerikanischen Kultur: sie haben sich in der jüngeren Zeit zu immer schlankeren bis hin zu mageren Körperfiguren entwickelt, bei denen betonte weibliche Merkmale keine Bedeutung mehr haben. "Vor allem bei Frauen in westlichen Industrienationen scheinen diese modernen Schönheitsideale für Konflikte zu sorgen: Auf der einen Seite steht das Streben nach Schönheit und Erfolg und auf der anderen Seite eine ausgeprägte Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper, der den idealisierten Standards nicht gerecht wird", so Kleinstäuber, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Psychologischen Institut der JGU.

Das Psychologische Institut hat bereits 2003 einen Forschungsschwerpunkt zu Essstörungen eingerichtet, in dem regelmäßig Studien zu den Ursachen und Mechanismen verschiedener Essstörungen sowie wissenschaftliche Untersuchungen zur Wirksamkeit von Psychotherapie durchgeführt werden. Für die neue Studie werden Betroffene gesucht, die häufig Sorgen haben, zu dick zu sein, oder häufig Diäten machen oder fasten, weil sie sich zu dick fühlen, oder die an Essanfällen leiden. Interessenten, die an einer wissenschaftlichen Studie teilnehmen möchten, können sich an das Psychologische Institut der Universität Mainz, Cand.-Psych. Marie Christin Sponheimer unter der E-Mail-Adresse mariechristinmueller@hotmail.com wenden. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden zu zwei Terminen gebeten, um zunächst ein diagnostisches Gespräch zu führen und dann psychologische Fragebögen auszufüllen und an einem Computer die Veränderung von Gesichtern einzuschätzen. Termine können individuell vereinbart werden. Für die Teilnahme, die zwei Stunden dauert, wird eine Aufwandsentschädigung erstattet.
(idw, 10/2010)

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