Spanische Fachkräfte für die MHH

Fachkräftemangel in Deutschland, Arbeitslosigkeit in Spanien – da lag es sehr nahe, dass die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) über das Projekt „Bienvenido! Spanische Fachkräfte für Niedersachsen“ junge Menschen von der Iberischen Halbinsel nach Hannover holt. Dr. Ursula von der Leyen, freut sich über die Ankunft der Spanierinnen und Spanier: „In krisengeschüttelten Ländern wie Spanien sind viele Menschen trotz hervorragender Qualifikation auf der Suche nach Arbeit. Für Sie kann der Europäische Arbeitsmarkt zur echten Chance werden. Wir suchen in Deutschland dringend Pflegekräfte. Jeder EU-Bürger, der sich vorstellen kann, sein berufliches Glück in einem anderen Land zu suchen, auch Lust hat, eine neue Sprache und Kultur kennenzulernen, ist uns willkommen“, sagte die Ministerin am Montag (5. August 2013) in der Hochschule. „Hier zeigt sich auch der tiefe Sinn der Europäischen Union. Die Initiative des Bildungswerks der niedersächsischen Wirtschaft setzt genau die richtigen Zeichen, vermittelt Sprachkurse und erleichtert den Einstieg in die berufliche Zukunft in Deutschland.“ Ursula von der Leyen besuchte die 18 Spanierinnen und Spanier aus der Region um Murcia, die seit dem 1. August an der MHH sind.

„Wir haben diese Idee sofort aufgegriffen, denn auch wir sehen mit Sorge den Fachkräftemangel, der im Bereich der Pflege auf uns zukommt“, betonte MHH-Vizepräsident Dr. Andreas Tecklenburg, zuständig für das Ressort Krankenversorgung. „Unser Ziel ist es, den jungen Menschen eine dauerhafte Perspektive hier in Hannover aufzuzeigen.“ Iris Meyenburg-Altwarg, Geschäftsführung Pflege der MHH, war im Frühjahr mit einer Delegation in die spanische Stadt Murcia gereist. „Von den 36 Bewerberinnen und Bewerbern haben wir 18 ausgewählt“, berichtete sie. Die 15 jungen Frauen und drei jungen Männer hatten zunächst in Spanien einen Deutschkursus besucht und sind am Mittwoch nach Hannover gekommen.

15 junge Frauen und drei junge Männer

„Alle haben einen Bachelor-Abschluss in der Krankenpflege, waren in Spanien aber arbeitslos. Wir geben ihnen einen Arbeitsvertrag über zunächst zwei Jahre“, ergänzte Meyenburg-Altwarg. In den ersten Wochen sollen sie ihre Deutschkenntnisse vertiefen und werden bereits punktuell auf den Stationen in den Arbeitsalltag eingeführt. „Nach der bestandenen Deutsch-Prüfung werden wir sie so lange als Pflegehelferinnen und -helfer einsetzen, bis ihre Anträge auf Anerkennung ihres spanischen Abschlusses positiv beschieden sind.“ Ansprechpartnerin für die Spanierinnen und Spanier auf Seiten der MHH ist Carola Freidank, Mentorin im MHH-Bereich Geschäftsführung Pflege.

Bildungswerk organisiert Projekt

Das Bildungswerk der Niedersächsischen Wirtschaft (BNW) hat das Projekt „Bienvenido! Spanische Fachkräfte für Niedersachsen“ organisiert. Es ist ein umfassendes Angebot für Unternehmen und spanische Fachkräfte und beinhaltet nicht nur die Rekrutierung, sondern auch eine intensive sprachliche und interkulturelle Vorbereitung sowohl in Spanien als auch in Niedersachsen, Praktikumsphasen, pädagogische Betreuung und Integrationshilfen. „Wir haben zum einen mit der Anwerbung und in der fünfmonatigen Vorbereitung in Spanien besonderen Wert auf eine anhaltende Motivation zum Erwerb der deutschen Sprache gelegt. Dies ist uns mit dem Intensiv-Sprachtraining, das wir mit Informationen über die deutsche Lebenskultur verbunden haben, gelungen“, sagte Horst Kowalewski, Geschäftsführer des Bildungswerkes der Niedersächsischen Wirtschaft (BNW). „Darüber hinaus haben wir in dieser Phase im Rahmen unserer Kümmerer-Funktion regelmäßig den Kontakt zwischen Schulungsteilnehmern und Mitarbeitern der MHH hergestellt, um sie auf das künftige berufliche Umfeld einzustimmen.“

„Wir fühlen uns wie Pioniere“

Francesco Caramia, Betreuer und Sprachlehrer des BNW, hat die jungen Spanierinnen und Spanier Mitte vergangener Woche in Murcia abgeholt. Die meisten von ihnen sind zwischen 21 und 24 Jahre alt. „Wir sind zufrieden und glücklich, in unserem Beruf arbeiten zu können – noch dazu in einer solchen sehr guten Klinik. Gleichzeitig sind wir natürlich auch traurig darüber, dass es in Spanien so schlechte Arbeitschancen gibt und wir nicht in der Nähe unserer Familien arbeiten können“, sagt die 21-jährige Maria M. Und die 24-jährige Raquel P. ergänzt: „Wir fühlen uns wie Pioniere und wollen auch Vorbilder sein für unsere spanischen Kolleginnen und Kollegen, die eventuell in unsere Fußstapfen treten und auch zum Arbeiten nach Deutschland kommen.“ Das nächste Ziel ist für alle 18 klar: Sie wollen die Deutschprüfung bestehen, um als Pflegekräfte arbeiten zu dürfen.

Weitere Informationen erhalten Sie über die Pressestelle der MHH.

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