Sonderforschungsbereich verlängert: Rund 14 Millionen für die Adipositas-Forschung

Ziel des Sonderforschungsbereichs ist es, ursächliche Mechanismen von Fettleibigkeit (Adipositas) sowie Folgeerkrankungen zu erforschen und neue Therapien zu entwickeln. Dahinter steht ein stark interdisziplinär ausgerichteter Ansatz, an dem sich zahlreiche universitäre Einrichtungen ebenso beteiligen wie externe Forschergruppen. „Die Verlängerung des Sonderforschungsbereichs ist ein wichtiges Signal für die Universität, denn das Thema Zivilisationskrankheiten steht im Mittelpunkt eines unserer Profilbereiche in der Forschung. Ich danke allen beteiligten Wissenschaftlern für ihr immenses Engagement. Wir werden den eingeschlagenen Weg nun konsequent weiterverfolgen und die Sichtbarkeit Leipzigs als Zentrum der Adipositas-Forschung national und international weiter erhöhen“, betont Rektorin Prof. Dr. Beate Schücking.

In den folgenden vier Jahren sollen Mechanismen der Adipositasentstehung gefunden und charakterisiert werden, die als mögliche Zielsysteme zukünftiger Therapien geeignet sind. Sprecher des SFB bleibt der Uni-Mediziner Prof. Dr. Matthias Blüher, Forschungslaborleiter an der Klinik und Poliklinik für Endokrinologie und Nephrologie. „Wir freuen uns sehr, dass wir unsere Forschung in den kommenden vier Jahren weiterführen und intensivieren können. Wir wollen molekulare Mechanismen der Adipositas aufklären, um Betroffenen maßgeschneiderte Therapieangebote in der Zukunft anbieten zu können. In unserem SFB arbeiten hervorragende Grundlagenforscher und Kliniker sehr eng zusammen“, so Blüher. „Besonders wichtig ist uns die Förderung und Ausbildung junger Nachwuchswissenschaftler, die durch ein integriertes Graduiertenkolleg in die Forschungsprojekte eingebunden sind.“

Im Leipziger SFB werden sich die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf drei zentrale Fragenkomplexe konzentrieren:

1.) Überernährung: Untersuchung von Hirnfunktion und Hirnstruktur bei Adipositas, neurokognitive Modelle der Verhaltenssteuerung, Modulation von Appetit, Sättigung und des Belohnungsverhaltens
2.) Fetteinlagerung und -verteilung: Identifizierung von Genen für die Fehlverteilung und Fehlfunktion des Fettgewebes, Identifizierung und funktionellen Charakterisierung Stoffwechsel- und Atherosklerose-relevanter Gene
3.) Fettgewebshormone (Adipokine): Wirkung von Signalen aus dem Fettgewebe, Funktion von Adipokinen und deren Rolle bei der Entstehung von Stoffwechsel- und Herzkreislauf-Erkrankungen vom Kindesalter bis zum Erwachsenen

Bei Adipositas handelt es sich um eine äußerst komplexe Erkrankung, die durch die Wechselwirkung von genetischen, Verhaltens- und Umweltfaktoren entsteht und in den letzten Jahren dramatisch an Häufigkeit in der Bevölkerung zugenommen hat. Bislang nur unzureichend geklärt, wie die unterschiedlichen Faktoren untereinander wirken. So wurden in den vergangenen Jahren zahlreiche Adipositas-Gene identifiziert, deren Funktion aber noch weitgehend unbekannt ist. Adipositas gehört zu den folgenreichen Zivilisationserkrankungen, durch die Erkrankungen wie unter anderem Typ 2 Diabetes, Fettleber, Bluthochdruck, Gelenkleiden, einige Arten von Krebserkrankungen entstehen können.

Die DFG fördert mit den Sonderforschungsbereichen längerfristige und innovative Forschungseinrichtungen an Hochschulen mit dem Ziel der Schwerpunktbildung. Zudem unterstützt sie die langfristige Förderung von Nachwuchswissenschaftlern und die wissenschaftliche und fächerübergreifende Zusammenarbeit.

Im Einzelnen sind folgende Einrichtungen am SFB „Mechanismen der Adipositas“ beteiligt:
Universität Leipzig:

Medizinische Fakultät:
– Institut für Anatomie
– Rudolf-Schönheimer-Institut für Biochemie
– Institut für Medizinische Physik und Biophysik
Integriertes Forschungs- und Behandlungszentrum AdipositasErkrankungen
Leipzig (IFB)
Fakultät für Biowissenschaften, Pharmazie und Psychologie (Institut für
Biochemie)
Fakultät für Chemie und Mineralogie (Institut für Bioanalytische Chemie)
Fakultät für Mathematik und Informatik (Interdisziplinäres Zentrum für
Bioinformatik)

Universitätsklinikum:

Institut für Laboratoriumsmedizin, Klinische Chemie und Molekulare Diagnostik
Klinik und Poliklinik für Endokrinologie und Nephrologie
Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin
Tagesklinik für kognitive Neurologie

Als externe Partner sind eingeschlossen:

Ben-Gurion University of the Negev, Department of Clinical Biochemistry,
Faculty of Health Sciences, Beer-Sheva, Israel
Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften (MPI-CBS), Leipzig
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung, Leipzig

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