Software mit Augen und Gedanken steuern – Hilfen für Menschen mit Parkinson oder Muskelschwäche

Verschiedene Beeinträchtigungen der Nervenbahnen können zum Kontrollverlust über die Muskulatur führen. Davon betroffen sind Menschen, die unter Parkinson, Muskelschwäche oder Querschnittslähmung leiden. Sie verlieren die Fähigkeit, Software zu bedienen, die Maus, Tastatur oder Touch-Screen verlangen. In einer zunehmend digitalisierten Welt resultieren daraus erhebliche Einschränkungen im privaten, beruflichen und sozialen Leben. Wissenschaftler und Entwickler des Projekts MAMEM wollen den Betroffenen helfen, diese Einschränkungen zu überwinden. Sie haben jetzt begonnen, Technologien zu entwickeln, um Software mittels Augenbewegungen und Gedanken zu steuern.

MAMEM steht für „Multimedia Authoring and Management using your Eyes and Mind“. An dem Projekt sind ein Team um Prof. Dr. Steffen Staab vom Koblenzer Institute for Web Science and Technologies (WeST) der Universität Koblenz-Landau sowie sieben weitere Partner aus Deutschland, Italien, Griechenland, Israel und den Niederlanden beteiligt. Das Projekt ist für eine Dauer von drei Jahren angelegt und wird von der Europäischen Union mit insgesamt 2,7 Millionen Euro gefördert, davon rund 460.000 für die Universität Koblenz-Landau. Es ist zugleich das erste Forschungsprojekt an der Universität, das über das neue Forschungs- und Innovationsprogramm „Horizon 2020“ der EU finanziert wird.

Die Projektpartner wollen existierende Betriebssysteme mit zusätzlichen Möglichkeiten versehen, damit Signale verarbeitet werden können, die von Eye-Trackern, EEG-Geräten oder Bio-Sensoren geliefert werden. Mustererkennungs- und -verfolgungsalgorithmen werden eingesetzt, um diese Signale zu verbinden und in Steuerungen zu übersetzen, so dass eine multimodale Interaktion stattfinden kann. Diese Interaktion umfasst einfache Befehle (z.B. Mausbewegung), mittelkomplexe Befehle (z.B. Klicken einer Box) und komplexe Interaktionen (z.B. Auswahl von Optionen) durch Augen- und Gedankenbefehle. Die Wissenschaftler wollen auch überprüfen, inwiefern die neuen Interaktionsmöglichkeiten einsetzbar sind und den Betroffenen privat, beruflich oder bei sozialen Aktivitäten helfen.

Kontakt:
Prof. Dr. Steffen Staab
Institute for Web Science and Technologies (WeST)
Universität Koblenz-Landau, Campus Koblenz

E-Mail: staab@uni-koblenz.de

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