So schlägt ein gesundes Herz

Von unserer dtd-Korrespondentin Paula Schmidt

(dtd). Herzinfarkt zählt zu den häufigsten Todesarten in Deutschland und anderen Industrienationen: Rund 280.000 Menschen sind hierzulande pro Jahr betroffen – das sagt das Statistische Bundesamt. Es gilt also, aktiv zu werden, und Herz- sowie Kreislauferkrankungen im Alltag vorzubeugen. Daran erinnert auch der Welt-Herz-Tag am 29. September.

Männer packt der Schmerz meist direkt in der Brust, im Rücken oder im Oberarm. Frauen dagegen haben bei einem Herzinfarkt häufig diffusere Symptome. Sie fühlen sich schwach, leiden unter Übelkeit, Erbrechen und an einem im Körper ausstrahlenden Ziehen oder Stechen. Diese Anzeichen werden häufig als psychosomatische Beschwerden fehlgedeutet – und Infarkte bleiben nicht selten unerkannt.

Besonders gefährlich für die „Pumpe“ des Körpers: das metabolische Syndrom, auch das tödliche Quartett genannt. Dahinter steht die Summe der Risikofaktoren Bluthochdruck, Übergewicht, hohe Cholesterinwerte und Insulin-Resistenz (eine Überproduktion von Insulin durch die Bauchspeicheldrüse, die entsteht, weil die Körperzellen immer schlechter auf dieses Hormon reagieren). Ärzte sehen diese Kombination als große Bedrohung für die Herzkranzgefäße und das Herz-Kreislauf-System insgesamt an.

Symptome und Diagnose

Während ein gesundes Herz pro Minute in etwa fünf Liter Blut in den Kreislauf pumpt, ist diese Menge bei einem insuffizienten Herz deutlich verringert. Zuweilen sind es nur zwei Liter – zu wenig, um diejenigen Bereiche des Körpers genügend zu versorgen, die weit entfernt vom Herzen liegen. Eine Herzinsuffizienz, die schnell zum Infarkt führen kann, ist häufig die Folge einer lange bestehenden Verengung der Herzkranzgefäße, also der koronaren Herzkrankheit sein. Dahinter können aber auch eine Herzmuskelentzündung oder ein erhöhter Blutdruck stecken. Ebenso ist es möglich, dass man unter entzündeten Herzklappen, chronischer Bronchitis, Infektionskrankheiten, Vergiftungen oder sogar einem angeborenen Herzfehler leidet. Allgemein nimmt bei einer Herzinsuffizienz die Leistungsfähigkeit ab: Man schafft es nicht mehr, zum Bus zu laufen, weil man zu schnell außer Puste gerät. Auch das Treppensteigen bereitet Mühe. An den Knöcheln und am Schienbein werden Wassereinlagerungen sichtbar: Wenn man mit dem Finger auf diese so genannten Ödeme drückt, bleiben Dellen in der Haut zurück.

Inzwischen stehen zahlreiche, technisch ausgefeilte Methoden zur Diagnose von Herzproblemen zur Verfügung. Mithilfe einer Ultraschall-Untersuchung lässt sich feststellen, ob der Herzmuskel dicker oder dünner geworden ist. Herzklappendefekte können ebenfalls auf diese Weise erkannt werden. Ob der Patient schon unbemerkt einen Herzinfarkt erlitten hat, zeigt ein Elektrokardiogramm (EKG). Dieses gibt auch Hinweise auf die Belastbarkeit des Untersuchten. Eine spezielle Form der Computertomografie („Herz-CT“) ermöglicht es darüber hinaus, den Zustand der Gefäße auf schonende Weise zu ermitteln. Gute Ergebnisse liefert auch die Carotis-Untersuchung, die viele Internisten anbieten. Hierbei wird mittels Ultraschall die Durchlässigkeit der Halsschlagadern geprüft. Finden sich dort Ablagerungen oder gar Verschlüsse, sieht es in anderen Abschnitten unseres Blutgefäßsystems meist ähnlich aus. Checks mithilfe von Kathetern und Röntgenaufnahmen bringen häufig letzte Klarheit über die Ursache der gesundheitlichen Schwierigkeiten. Doch was lässt sich dagegen tun?

Vorbeugen durch ausgewogene Ernährung

Eine gute Herz-Kreislauf-Therapie besteht aus viel Bewegung sowie einer ausgewogenen Ernährung. Setzt man viel frisches Obst und Gemüse auf seinen Speiseplan, so hält man auf diese Weise die Blutbahnen frei. Außerdem sollte man – so gut es geht – auf schnell ins Blut gehende Kohlenhydrate in Form von Weißmehlprodukten oder zuckerhaltigen Getränken verzichten. Beim Kochen am besten Oliven- oder Rapsöl verwenden, und mehr Fisch sowie weniger Fleisch zubereiten. Als Besonderheit gilt bei Herzpatienten außerdem, dass sie ihren Salzverbrauch einschränken und die Flüssigkeitsaufnahme auf zwei Liter am Tag beschränken sollten, um das Herz zu entlasten. Wer kardiologische Probleme hat, raucht und außerdem einige Kilos zu viel wiegt, lebt gefährlich. Eine wirkungsvolle Diät und der Verzicht aufs Nikotin kann die Situation entscheidend verbessern. Ein Glas Rotwein ab und an kann man sich allerdings genehmigen.

Bei der Ernährung gilt es, auch auf die Zubereitung zu achten. Stellt man seinen Herd auf volle Leistung und kocht Lebensmittel übermäßig lange, dann zerstört man auf diese Weise nicht nur wertvolle Vitamine und Nährstoffe. Es bilden sich zusätzlich verstärkt schädliche Verzuckerungsprodukte, die so genannten AGEs – die Advanced Glycation Endproducts. Wissenschaftler haben festgestellt, dass ein Zuviel von AGEs mittel- bis langfristig Herz- und Gefäßkomplikationen begünstigt.

Wie Medikamente & Co. helfen können

Sind diese bereits so weit fortgeschritten, dass ein Mediziner helfen muss, dann ist der Hausarzt die erste Anlaufstelle. Er kann zur weiteren Abklärung des Falls an einen Kardiologen verweisen, der beispielsweise an einer Universitätsklinik oder in einem spezialisierten Krankenhaus arbeitet. Um das Herz zu stärken, ist es wichtig, dass die ärztlichen Experten die Grunderkrankung erkennen und behandeln – zum Beispiel durch eine Einstellung des Blutdrucks, eine Operation der Herzklappen, eine Bypassoperation oder Kathetereingriffe, um schlecht durchblutetes Gewebe wieder zu aktivieren. Bei der Therapie können auch Medikamente eingesetzt werden: So schirmen Betablocker das Herz vor Stresshormonen ab. ACE-Hemmer steigern die Leistungsfähigkeit des Herzens, und Diuretika entwässern den Körper.

Beim Infarkt sofort den Notarzt rufen

Doch selbst Patienten, die in Behandlung sind, können einen Herzinfarkt erleiden. Das geschieht, sobald eine Engstelle in einem Herzkrankgefäß durch einen Blutpfropfen völlig verschlossen wird. Ab diesem Moment wird der dahinterliegende Abschnitt des Herzmuskels nicht mehr durchblutet und droht abzusterben. Deshalb gilt bei einem Infarkt: sofort den Notarzt alarmieren! Denn schon drei Stunden nach dem kompletten Verschluss einer Koronararterie ist mehr als die Hälfte des betroffenen Herzmuskelareals verloren. Aus diesem Grund lautet das Motto: Zeit ist Muskel – will sagen, je eher ein Infarktpatient richtig ärztlich versorgt wird, desto größer ist die Chance, dass der Herzmuskel in weiten Teilen erhalten bleibt. Mit der so genannten Lyse-Therapie kann der Blutpfropfen schnell aufgelöst werden – aber es ist beispielsweise auch möglich, den Verschluss mechanisch aufzudehnen und dann einen Stent (eine Art Röhrchen) einzusetzen, der das Gefäß offenhält.

Scroll to Top