Sinn für Sinn

(djd). „Genuss ist Selbstfürsorge“, sagt Psychologe und Genussforscher Dr. Rainer Lutz und erklärt: „Wer genießen möchte, muss sich erst einmal ganz bewusst etwas gönnen. Er muss sich um sich selbst kümmern, wie es eine wohlmeinende andere Person tun würde.“ Das klingt einfach, ist es aber für viele Menschen überhaupt nicht. Denn wer in einer Welt lebt, in der es Anerkennung verspricht, in seiner Arbeit aufzugehen, muss erst einmal lernen, auf seine eigenen Bedürfnisse zu hören.

Drei ganz wichtige Faktoren des Genusses sind die Zeit, die Sinnlichkeit und das Maß. Ein wenig Zeit braucht man einfach, wenn man bestimmte Dinge genießen möchte. Der nächste Faktor ist die Sinnlichkeit. Zum Genießen braucht man alle seine Sinne. Etwa wenn man langsam und mit Muße eine Tafel Schokolade öffnet. Erst raschelt zum Beispiel das äußere, meist recht feste Papier. Gleich darauf folgt das Knistern der Metallfolie. Das Auge gleitet jetzt über die glänzende Oberfläche. Die Fingerspitzen spüren ihre Glätte und den leichten Widerstand, wenn Sie ein Stück aus der Tafel herausbrechen. Und dann der Geruchssinn – der Duft der Schokolade weckt Erinnerungen an die Kindheit und an vergangene Genussmomente. Schließlich der Geschmack. Er ist für die meisten Menschen der Höhepunkt der Sinneseindrücke.

Mit allen Sinnen zum Hochgenuss
„Wenn alle Sinne – Hören, Sehen, Tasten, Riechen, Schmecken – beteiligt sind, wird eine Tafel Schokolade zum Hochgenuss“, so Dr. Rainer Lutz. Der dritte wichtige Faktor ist das Maß. Wer unter dem Motto „Je mehr, desto besser“ konsumiert und dabei nicht auf seine Bedürfnisse hört, der konsumiert, kann aber nicht genießen. Der Genießer sagt sich „weniger ist mehr“ und hört auf seine eigenen Bedürfnisse. Dahinter verbirgt sich Wertschätzung gegenüber den Dingen, die man genießen möchte, und auch gegenüber sich selbst.

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