Sind Panikattacken verknüpft mit sensibler Körperwahrnehmung?

Menschen, die unter Panikattacken leiden, reagieren sehr empfindlich auf scheinbar bedrohliche Körpersignale wie Veränderungen des Herzschlags. Ob diese Sensibilität auf eine generell gesteigerte Körperwahrnehmung zurückgeht und wie sich das in der Gehirnaktivität widerspiegelt, untersuchen Wissenschaftler der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg aktuell in einer Studie. Dafür werden noch Teilnehmer mit Panikstörung gesucht.

Teilnehmen können Personen, die unter einer Panikstörung leiden, mindestens 18 Jahre alt und Rechtshänder sind. Insgesamt sind zwei jeweils zweieinhalbstündige Untersuchungstermine vorgesehen. Als Untersuchungsmethode wird beim zweiten Termin die funktionelle Magnetresonanztomographie eingesetzt, ein sicheres und nebenwirkungsfreies Verfahren, das ohne belastende Röntgenstrahlung oder andere ionisierende Strahlung auskommt. Während der Untersuchung befinden sich die Probanden mit Kopf und Brust im Tomographen. Der erste Termin dient der Vorbereitung. Teilnehmer erhalten eine Aufwandsentschädigung.

Mehr als eine Million Menschen in Deutschland leiden unter einer Panikstörung. Typische Symptome einer Panikattacke, die Betroffene grundlos aus heiterem Himmel überkommt, sind plötzliches Herzrasen, Schwitzen, Zittern, Atemnot, Schmerzen in der Brust, Übelkeit oder Bauchbeschwerden, Schwindel oder gar die Angst zu sterben.

Ergebnisse könnten in Zukunft Therapie verbessern

„In der täglichen Praxis beobachten wir, dass Patienten mit Panikstörung eine äußerst sensible Körperwahrnehmung besitzen“, erklärt Studienleiter Privatdozent Dr. Hans-Christoph Friederich, Leitender Oberarzt der Klinik für Allgemeine Innere Medizin und Psychosomatik an der Medizinischen Universitätsklinik. „Sie können exakt über Vorgänge aus dem Körperinneren berichten, die von anderen Menschen – falls überhaupt – nur schwer wahrgenommen werden können, und interpretieren diese als bedrohlich oder sogar lebensgefährlich.“ Wissenschaftler gehen davon aus, dass die gesteigerte Wahrnehmungsfähigkeit nicht nur für die Entwicklung, sondern auch für die Aufrechterhaltung einer Panikstörung von großer Bedeutung ist. Wissenschaftliche Belege stehen noch aus.

In der aktuellen Studie an der Klinik für Allgemeine Innere Medizin und Psychosomatik soll daher nun geklärt werden, ob Patienten mit Panikstörungen sich hinsichtlich ihrer Wahrnehmung von Körpersignalen von gesunden Kontrollpersonen unterscheiden. Darüber hinaus wollen die Ärzte mit Hilfe der Kernspintomographie prüfen, welche Bereiche im Gehirn für die gesteigerte Körperwahrnehmung verantwortlich sind. „Unsere Ergebnisse könnten zur Entwicklung neuer pharmakologischer und psychotherapeutischer Behandlungsansätze beitragen“, so Friederich.

Interessenten wenden sich bitte an:
Dipl.-Psych. Christian Roggenhofer
Zentrum für Psychosoziale Medizin
Klinik für Allgemeine Innere Medizin und Psychosomatik
Tel.: 06221 / 56 58 72
Email: chris.roggenhofer@med.uni-heidelberg.de

Weitere Informationen zur Studie:

Weitere Informationen über die Klinik für Allgemeine Innere Medizin und Psychosomatik des Universitätsklinikums Heidelberg:

Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg
Krankenversorgung, Forschung und Lehre von internationalem Rang
Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der größten und renommiertesten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg zählt zu den international bedeutsamen biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung neuer Therapien und ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 11.000 Mitarbeiter und sind aktiv in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 50 Departments, Kliniken und Fachabteilungen mit ca. 2.000 Betten werden jährlich rund 550.000 Patienten ambulant und stationär behandelt. Derzeit studieren ca. 3.600 angehende Ärzte in Heidelberg; das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland.

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Fax: 06221 56-4544
E-Mail: julia.bird@med.uni-heidelberg.de

Diese Pressemitteilung ist auch online verfügbar unter

108 / 2012

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