Sicherheitsmechanismus an modernen Spritzen vermeidet Nadelstichverletzungen und Infektionen

Beim Recapping einer gebrauchten Insulinkanüle infizierte sich Kurt Wenkenbach* (56), ehemaliger Pflegedienstleiter in einem Altenheim, mit Hepatitis B und Hepatitis C. Der kleine Stich kostete ihn seine physische und psychische Gesundheit und letztlich seine Anstellung. Dabei können Nadelstichverletzungen und deren Folgen durch den konsequenten Einsatz sicherer Instrumente minimiert werden.

Kurt Wenkenbach stach sich im Frühjahr 2001 beim Wiederverschließen an der Kanüle einer Insulinspritze, die er einer Diabetespatientin im Pflegeheim verabreicht hatte. Er empfand den Stich nicht als schlimm, da so etwas bei ihm und Kollegen schon öfter vorkam. Pflichtgemäß meldete Kurt W. die Nadelstichverletzung und unterzog sich den vorgeschriebenen Bluttests. Dann bekam er die Diagnose, die alles veränderte: Chronische Hepatitis B und eine akute Hepatitis C.

Als Altenpfleger wusste Kurt Wenkenbach genau, was auf ihn zukam: Abgeschlagenheit, Muskel- und Gelenkschmerzen, Druck im Oberbauch und Übelkeit waren nur einige der Symptome. Mehr Sorgen machten ihm die mögliche Entstehung einer Leberzirrhose oder gar Leberkrebs als Spätfolge.

Die Hepatitis von Kurt W. entwickelte sich wie ein typischer Fall über Jahre hinweg. Im Berufsleben kam Kurt W. zunächst weiterhin gut zurecht und bildete sich sogar zum Pflegedienstleiter weiter. Seine Verantwortung im Heim wuchs. Dann machte sich seine Erkrankung immer häufiger bemerkbar und er wurde weniger belastbar. Ständig war er müde und lustlos und seine Gelenke schmerzten. Der Pflegeheimleitung missfiel dies: Sein Arbeits- und Führungsstil wurden immer wieder kritisiert, Kollegen über ihn ausgefragt, er wurde ständig im Haus versetzt.

Damals stellte Kurt W. einen Antrag auf Berufsunfähigkeit. Dieser wurde jedoch mit der Begründung abgelehnt, die Hepatitis sei nicht zweifelsfrei auf die Infektion durch die Heimbewohnerin zurückzuführen. Kurt W. war verzweifelt. 2007 verschlechterten sich Kurt Wenkenbachs Leberwerte dramatisch. Er entschied sich im darauf folgenden Jahr auf Anraten eines Hepatologen zu einer weiteren Therapie, die schwere Nebenwirkungen, wie Atemnot und nächtliches Herzrasen, mit sich brachte. Auch seine alten Gelenkbeschwerden an der Lenden- und Halswirbelsäule und seine Ischiasschmerzen flammten wieder auf. Er war regelmäßig krank. Daraufhin erhielt Kurt W. von der Heimleitung eine Abmahnung und Drohungen, von seinem Posten entlassen zu werden. Kurt W. war diesem Druck nicht gewachsen. Es gelang ihm noch bis zum Oktober 2009, in dem Pflegeheim zu arbeiten. Danach fiel er in eine Depression.

Zwei Jahre später kam es mithilfe einer Rechtsanwältin seines Arbeitgebers zu einer einvernehmlichen Kündigung. Kurt W. hat sich etwas erholt und ist seit mehr als einem Jahr wenige Stunden pro Woche in einem Büro tätig. Es geht ihm weiterhin streckenweise körperlich und seelisch sehr schlecht. Deshalb entschied er sich dazu, erneut einen Antrag auf Erwerbsunfähigkeit zu stellen. Im November 2012 wurde Kurt W. schließlich eine kleine Berufsunfähigkeitsrente zugesprochen, die ihm zumindest etwas Sicherheit gibt. Jedoch hat Kurt Wenkenbach bis heute nicht verkraftet, dass er aufgrund eines kleinen Stiches seinen Beruf aufgeben musste und sich sein Leben dramatisch änderte.

Leider zählen Nadelstichverletzungen noch immer zu den häufigsten Arbeitsunfällen in Medizin- und Pflegeberufen. Experten schätzen, dass sich jeder Mitarbeiter alle zwei Jahre sticht oder schneidet. So wie im Fall von Kurt Wenkenbach* können de Folgen verheerend sein.

Noch immer werden Nadelstichverletzungen bagatellisiert und nicht gemeldet. Kurt Wenkenbach hatte sich schon mehrmals im Leben an gebrauchten Kanülen verletzt und auch seinen Kollegen sind solche Verletzungen nicht unbekannt. Dabei können Nadelstichverletzungen und deren teils tragische Folgen durch den Einsatz sicherer Instrumente signifikant verringert werden. Die mit einem Sicherheitsmechanismus ausgestatteten Instrumente machen ein ungewolltes Stechen oder Schneiden nach dem Gebrauch nahezu unmöglich. Sie bieten daher den bestmöglichen Schutz und sollten flächendeckend und konsequent eingesetzt werden. Zudem ist auf eine korrekte Entsorgung scharfer und spitzer medizinischer Instrumente zu achten, eine risikobewusste Arbeitsorganisation und eine sichere Arbeitsumgebung zu etablieren sowie auf den Einsatz persönlich wirksamer Schutzmaßnahmen, wie Impfungen und Schutzhandschuhe, zu achten. Auf diese Weise lassen sich Nadelstichverletzungen nachhaltig vermeiden.

Über SAFETY FIRST! Deutschland
Die Initiative SAFETY FIRST! Deutschland hat es sich zur Aufgabe gemacht, auf die Dringlichkeit und Aktualität des Themas Nadelstichverletzungen aufmerksam zu machen und der Öffentlichkeit Strategien zur Vermeidung von Verletzungen durch spitze und scharfe Instrumente und daraus resultierender Infektionen vorzustellen. SAFETY FIRST! wird vom Medizintechnologie-Unternehmen Becton Dickinson unterstützt.

weitere Informationen:
www.nadelstichverletzung.de

Scroll to Top