Sichere Diagnose und mögliche Therapien der Alzheimer-Demenz durch Nuklearmedizin

Die Vorstellung, an einer Demenz zu erkranken und damit die geistigen Fähigkeiten und auch die Merkmale der eigenen Persönlichkeit zu verlieren, wird von vielen Menschen als bedrohlicher empfunden als beispielsweise Herz/Kreislauf- oder Tumorerkrankungen. Auch die Parkinson-Erkrankung – als häufigster Vertreter der neurodegenerativen Bewegungsstörungen – führt zu vielfältigen fortschreitenden Beeinträchtigungen des alltäglichen Lebens und ist bislang nicht ursächlich sondern nur symptomatisch therapierbar. Bei beiden handelt es sich um neurodegenerative Erkrankungen, genauer um solche, die zum Funktionsverlust und Ausfall von Nervenzellen führen. Diese Erkrankungen zählen nicht nur zu den schwerwiegenden, sondern auch zu den schwer diagnostizierbaren und therapierbaren Erkrankungen. Dies liegt unter anderem daran, dass die neurodegenerativen Erkrankungen bereits viele Jahre bis Jahrzehnte vor den ersten fassbaren Symptomen beginnen, sich im Gehirn auszubreiten. Aufgrund von Kompensationsmechanismen des Gehirns läuft dieser Prozess jedoch lange unbemerkt ab, so dass eine Diagnose häufig erst spät erfolgt. Und auch wenn sich schließlich erste Symptome einstellen, ist eine zuverlässige Diagnose der Krankheitsursache oftmals nicht möglich, da ihr Erscheinungsbild variiert und somit keine sicheren Rückschlüsse auf die zugrundeliegenden Veränderungen im Gehirn zulässt.

Neue nuklearmedizinische Verfahren der molekularen Bildgebung können nun dabei helfen, die Veränderungen im Gehirn objektiv zu erfassen und damit die Entwicklung dieser Erkrankungen besser zu verstehen und in einem nächsten Schritt hoffentlich auch erfolgreich zu behandeln.
Als Kernmerkmale der Alzheimer-Erkrankung gelten zwei Formen von krankhaften Eiweißablagerungen im Gehirn: Es finden sich Ablagerungen des sogenannten Amyloid-Eiweißes („Plaques”) im Zellzwischenraum des Gehirns sowie weitere Ablagerungen des sogenannten Tau-Eiweißes (Neurofibrillen oder „Tangles“) in den Nervenzellen. Der genaue Wirkeffekt dieser Eiweißablagerungen ist bisher nicht bekannt. Man geht aber davon aus, dass sie ursächlich mit der Erkrankung in Verbindung stehen und die frühen Formen dieser verklebten Eiweißbruchstücke die Funktion der Synapsen – also der Nervenübertragungsstellen – und damit der Nervenzellen insgesamt beeinträchtigen. Bisher konnte ein sicherer Nachweis dieser krankhaften Eiweißablagerungen im Gehirn nur durch die Analyse von Hirngewebe unter dem Mikroskop erfolgen, so dass eine sichere Diagnose der Erkrankung zu Lebzeiten des Patienten nicht möglich war. Neue nuklearmedizinische, bildgebende Verfahren erlauben nun aber eine Visualisierung der betreffenden Auffälligkeiten im Gehirn auch beim lebenden Menschen. Dies erfolgt mittels der sogenannten Positronen-Emissions-Tomographie (PET). Bei diesem hochempfindlichen Bildgebungsverfahren werden beim Menschen durch den Einsatz sogenannter Tracer – gering radioaktiv markierter Spürsubstanzen – Veränderungen in molekularer Größenordnung sichtbar gemacht. Hierfür wird eine kleine Menge dieser Tracer-Substanz in eine Armvene injiziert. Der Tracer verteilt sich im Körper und verbindet sich dann gezielt mit den krankhaften Eiweißablagerungen im Gehirn. Seine Verteilung kann dann durch die von ihm ausgehende radioaktive Strahlung mittels einer speziellen, hochempfindlichen PET-Kamera dargestellt werden. Für die untersuchte Person ist dies mit keinerlei Schmerzen oder anderen Unannehmlichkeiten verbunden.

Für die neurodegenerativen Erkrankungen sind zahlreiche Tracer entwickelt worden. Es existieren schon heute Tracer zum Nachweis der Amyloid-Ablagerungen, die bereits in der Praxis angewendet werden. Eine Alzheimer-Erkrankung kann damit sehr früh nachgewiesen oder aber auch ausgeschlossen werden, was gerade bei Patienten mit leichten Beeinträchtigungen ihrer geistigen Leistungsfähigkeit eine wichtige Rolle spielt. Ebenso hat dieses Verfahren der Amyloid-Bildgebung eine große Bedeutung im Hinblick auf die Entwicklung neuer Therapieansätze der Alzheimer-Krankheit sowie deren späterer Erfolgskontrolle. Erst seit kurzem sind auch Tracer verfügbar, die eine Bildgebung von Tau-Ablagerungen ermöglichen. Diese Tau-Tracer befinden sich allerdings derzeit noch in der Erprobung und werden bislang noch nicht routinemäßig eingesetzt.

Die neurodegenerativen Erkrankungen bilden ein Schwerpunktthema auf der gemeinsamen Jahrestagung der Deutschen, Österreichischen und Schweizerischen Gesellschaften für Nuklearmedizin. Die Tagung findet vom 26. bis 29. April 2017 in Dresden statt. Die Kombination aus Kongress – für den national und international renommierte Referenten gewonnen werden konnten – und einem interaktiven Fortbildungsprogramm sowie der in Deutschland größten, branchenspezifischen Industrieausstellung bietet eine ideale Plattform für wissenschaftlichen Austausch und Weiterbildung. Damit zählt die NuklearMedizin 2017 zu den international bedeutendsten und größten Tagungen für Nuklearmedizin. In diesem Jahr werden rund 2.000 Teilnehmer – Mediziner, Naturwissenschaftler und medizinisch-technisches Personal – erwartet.

Sämtliche Informationen zur NuklearMedizin 2017 stehen auf der Kongresshomepage zur Verfügung. Hier ist auch die Presseakkreditierung zum Kongress möglich.
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Kontakt:
Deutsche Gesellschaft für Nuklearmedizin e.V.
Pressereferat, Stefanie Neu
Nikolaistraße 29, D-37073 Göttingen
Tel. 0551 / 48857-402, info@nuklearmedizin.de

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