Selbstbestimmt den letzten Weg gehen

(djd). Niemand macht sich gern über das Sterben Gedanken. Das Thema ist stark mit Ängsten besetzt – und wird von vielen kurzerhand totgeschwiegen. Doch ganz ausklammern sollte man das Thema Tod aus seinem Leben nicht. Denn Menschen, die sich mit dem Tod aktiv auseinandersetzen, haben meist weniger Ängste und können sich und ihren Angehörigen schon dadurch helfen, dass jeder weiß, welche Wünsche sie haben. Das ist besonders wichtig, wenn es um Themen wie Organspende und Patientenverfügung geht, um die Beisetzung und um den Nachlass. Die Hinterbliebenen sind bei solchen Themen meist froh über eine eindeutige Orientierung.

Ist eine Patientenverfügung verbindlich?

Gerade das Sterben wirft Fragen auf. Etwa die, wie verbindlich eine Patientenverfügung überhaupt ist. Dr. Markus Schuhmann, Rechtsanwalt in München, erklärt den Zusammenhang: „Im Grundsatz sind die Anordnungen in einer Patientenverfügung verbindlich. Die Angehörigen könnten jedoch vortragen, dass der Patient für genau diese Krankheitssituation eine künstliche Ernährung nicht habe verhindern wollen und deswegen künstlich ernährt werden soll. Der Arzt wird sich zunächst an die Patientenverfügung, aber auch an den mutmaßlichen Willen des Patienten halten. Sollte der Arzt Zweifel an der Anordnung der Patientenverfügung haben, wird er dann ohnehin das Betreuungsgericht einschalten. Bleiben am Ende Zweifel am mutmaßlichen Willen des Patienten und kann dessen Sterbewunsch nicht rechtssicher ermittelt werden, dann hat der Schutz des Lebens letztlich Vorrang.“

Individueller Abschied

Nicht weniger wichtig ist vielen Menschen ihre Beisetzung. Die traditionelle Feuer- oder Erdbestattung mit dem gemeinsamen Essen im Anschluss wünschen sich allerdings längst nicht mehr alle. Andrea Maria Haller vom Stuttgarter Bestattungshaus Haller schlägt Alternativen vor: „Nichts ist schöner, als wenn Freunde, auch unter Tränen, Geschichten vom Verstorbenen erzählen. Trauerfeiern müssen auch nicht auf dem Friedhof stattfinden. Solange Sie die Erlaubnis des Eigentümers haben und kein öffentliches Ärgernis erregen, können Sie die Trauerfeier – sogar mit Sarg – im Garten machen, im Wohnzimmer oder in der Lieblingskneipe des Verstorbenen. Nur für die Beisetzung ist der Friedhof vorgeschrieben.“ Viele Fragen rund um Sterben, Testament und Beisetzung werden auf http://www.myinfo.de/sterben beantwortet.

Das geht ins Geld

Trauerfeiern sind oft teuer. „So ist für eine herkömmliche Erdbestattung mit Kosten für Sarg, Grabstein und Trauerfeier sowie für die Bestattungsgebühren der Friedhöfe je nach Ausführung schnell mit Kosten zwischen 2.500 und weit über 10.000 Euro zu rechnen“, erklärt Michaela Atsch, Münchener Verein Versicherungsgruppe, die mit dem Thema vertraut ist. Sie ergänzt: „Wer seine Hinterbliebenen damit nicht belasten möchte, kann sich für eine Sterbegeldversicherung entscheiden. Die ausgezahlte Versicherungsleistung steht den Begünstigten zur freien Verfügung, wenngleich sie natürlich meist zur Absicherung der Beerdigungskosten abgeschlossen wurde.“ Solch eine Versicherung entlaste die Angehörigen finanziell und ermöglicht es, bereits zu Lebzeiten den eigenen Abschied würdevoll zu gestalten. Nähere Infos dazu gibt es auf http://www.mv-versicherung.de. Für Frauen empfiehlt Michaela Atsch noch einen Spar-Tipp: „Ein Versicherungsabschluss bis 20. Dezember sichert Frauen günstigere Beiträge zur Sterbegeldversicherung. Denn ab dem 21. Dezember verteuern sich für sie aufgrund des sogenannten Unisex-Urteils der Europäischen Union die Versicherungsbeiträge für die Sterbegeldversicherung.“

Das Erbe kann Familien entzweien

Das Erbe ist in vielen Familien ein schwieriges Thema. Wer dafür sorgt, dass er ein eindeutiges Testament hinterlässt, kann den Familienfrieden retten. Doch das ist nicht immer einfach. Schon allein die Pflichtteilsregelungen machen das Erben kompliziert: „Es gibt keine Pflicht, Kinder auch in finanzieller Hinsicht gleich zu behandeln“, erklärt Bernhard Würzle, Fachanwalt für Erbrecht in München. „Allerdings sieht das Gesetz unter bestimmten Voraussetzungen Ausgleichs- und Anrechnungsansprüche sowie Pflichtteils- und Pflichtteilsergänzungsansprüche vor. Diese Ansprüche können dazu führen, dass die übergangenen Abkömmlinge – abhängig vom sonstigen Nachlass – Ansprüche gegen die Erben oder die Beschenkten geltend machen können.“

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