Seit zehn Jahren erfolgreich in der Akademisierung der Therapieberufe

Nach Grußworten des Hochschulpräsidenten Botho von Portatius und des Dekans und Vizepräsidenten Professor Dr. Achim Jockwig überbrachte der erste Stadtrat von Idstein, Dr. Herbert Koch, im Auftrag von Bürgermeister Krum die Glückwünsche der Stadt. Koch wies dabei auf die wichtige Rolle der Hochschule bei der Positionierung von Idstein als Gesundheitsstandort in der Region hin und lobte die Kooperation zwischen der Hochschule und der Stadt, die sich beispielsweise in erfolgreichen Projekten wie der Seniorenakademie niederschlage.

Die Studiendekaninnen ließen anschließend die Entwicklungen der Studiengänge Revue passieren. Diplom-Ergotherapeutin Birgit Döringer machte den Anfang und sprach in ihren Ausführungen vom Mut, Therapie zu professionalisieren. Sie erläuterte das unterschiedliche Klientel, das von Ergotherapeuten behandelt wird, und spannte historisch einen weiten Bogen von den ersten Hinweisen auf Pflege von behinderten Menschen durch die Gesellschaft, in der sie lebten, im Zeitalter der Neandertaler über das römische Reich bis hin zum ersten Ausbildungskurs für Beschäftigungstherapeutinnen 1947 und dem Start des ersten Ergotherapie-Studiengangs in Deutschland in Idstein im Wintersemester 1999. Döringer erläuterte, warum die Hochschule Fresenius sich in der Akademisierung engagiert: von Therapeuten würden heute Kompetenzen und fachübergreifende Schlüsselqualifikationen erwartet, die allein durch die Berufsausbildung nicht vermittelt würden. Die Handlungsfähigkeit der ausgebildeten Therapeuten wird im Studium um wissenschaftliche Kompetenzen ergänzt, so dass reflektiertes Handeln und damit eine Vertiefung der Forschungsarbeit möglich ist. Damit erfülle die Hochschule die langjährige Forderung der Berufsverbände. Als besondere Herausforderung und wichtigen Schwerpunkt in der Konzeption des Studiengangs nannte Döringer die Employability der akademisch ausgebildeten Ergotherapeutinnen und –therapeuten, also die Akzeptanz im Arbeitsmarkt. Durch die Ausrichtung der Studieninhalte an internationalen Ausbildungsstandards fördere die Hochschule die Mobilität der Therapeuten und damit auch die Chancen im Arbeitsmarkt, so Döringer. „Zehn Jahre Studiengang Ergotherapie bedeuten zehn Jahre Erfahrung in Kompetenzerwerb und –ausbau, lebenslangem Lernen, Lernweltgestaltung, Selbsterfahrung und Reflektion für ein in Deutschland einzigartiges Profil in der Akademisierung“, zog Birgit Döringer Bilanz. Sie dankte ausdrücklich den zahlreichen Honorardozenten und Partnern aus Kliniken und Praxen.

Norina Lauer schloss sich den Ausführungen Döringers an und ließ die Entwicklung des Bachelor-Studiengangs Logopädie Revue passieren. Zunächst mit tatkräftiger Unterstützung der Hogeschool Utrecht und unter fachkundiger Mitarbeit von renommierten Wissenschaftlern wie Professor Dr. Jürgen Tesak, Professor Dr. Claudia Iven oder Professor Dr. Annette Fox-Boyer wurde das achtsemestrige Programm erfolgreich reakkreditiert. In 2007 erhielt der Bachelor-Studiengang Logopädie die GKV-Vollzulassung – ein wichtiger Meilenstein. Durch den positiven Verlauf bestärkt, eröffnete der Hochschulstandort Hamburg im Jahr 2008 seine Pforten und bot den Studiengang auch in der Hansestadt an. Norina Lauer dankte den vielen Praxisanleitern und Kooperationspartnern aus Praxen, Hochschulen und Kliniken, ohne die die Durchführung des Programms nicht möglich sei.

Nach den beiden Studiendekaninnen kamen auch Absolventinnen der beiden Studienrichtungen zu Wort, die in ihren sehr persönlichen Beiträgen die Gründe für ihre Entscheidung für das Studium darlegten und über ihre Erfahrungen im Beruf berichteten. Sowohl Nancy Fischer, Diplom-Ergotherapeutin, als auch Stefanie Bauer, Absolventin des Studiengangs Logopädie, unterstrichen, dass ihnen gerade das Hinterfragen des eigenen Handelns während des Studiums wichtig war und ihnen die Forschung in ihrem Beruf nun viele spannende Möglichkeiten eröffne.

Professor Dr. Annette Fox-Boyer, die am Aufbau des Studiengangs Logopädie in Hamburg maßgeblich beteiligt war und dort auch stellvertretende Studiendekanin ist, stellte in ihrem Fachvortrag die Vorteile der Akademisierung der Therapieberufe dar, betrachtete sie aber auch durchaus kritisch innerhalb der etablierten deutschen Bildungslandschaft. So nannte sie die entstehenden Unterschiede innerhalb der Berufsgruppe der Therapeuten durch die akademischen Abschlüsse und die Befürchtungen einer Benachteiligung der ausgebildeten Therapeuten als wichtige Punkte, die bei der parallelen Verfolgung beider Ausbildungswege zu beachten seien. Insgesamt betrachtet die Wissenschaftlerin die Akademisierung aber als wichtigen und notwendigen Schritt bei der Weiterentwicklung der therapeutischen Berufe: "Es geht um mehr als nur Wettbewerbsfähigkeit mit unseren Nachbarländern", so Fox-Boyer. "Es geht neben der Erweiterung unseres Berufsbildes in Forschung, Lehre und Prävention auch um die Chance auf mehr Entscheidungshoheit, wenn die therapeutischen Handlungen wissenschaftlich belegt werden."

Die Jubiläumsveranstaltung wurde durch mehrere Auftritte des hochschuleigenen Studierenden-Vokalensembles "Choriosus", der mit überraschender Reife Gospels und Unterhaltungsstücke darbot, zwischen den Redebeiträgen aufgelockert. Im Anschluss an den offiziellen Teil luden die Gastgeberinnen zu Sekt, Kaffee und Kuchen ein. Die ehemaligen Absolventinnen und Absolventen der Studiengänge sowie Mitarbeiter und derzeitige Studierende tauschten noch bis in den späten Abend Erfahrungen und Erinnerungen aus.

Das 10-jährige Jubiläum markiert den ersten Abschnitt einer erfolgversprechenden Entwicklung: Als erste und jahrelang einzige Anbieterin von grundständigen Studiengängen in den Therapieberufen in Deutschland hat die Hochschule Fresenius wichtige Pionierarbeit geleistet und Voraussicht bewiesen. In diesem Jahr, zehn Jahre nach dem Start der Studiengänge in Idstein, hat auch der Staat den steigenden Bedarf an akademisch ausgebildeten Therapeuten erkannt und eröffnet eine Modellhochschule. Die Hochschule Fresenius schlägt zusätzlich eine Brücke zu den examinierten Therapeutinnen und Therapeuten: In 2009 wurden berufsbegleitende Bachelor-Studiengänge für Ergotherapeuten, Logopäden und Physiotherapeuten akkreditiert, so dass die Chance eines akademischen Abschlusses jedem offen steht. Mit dem ebenfalls berufsbegleitenden interdisziplinären Masterprogramm Therapiewissenschaft oder dem Master in Gebärdensprachdolmetschen besteht außerdem die Möglichkeit, sich über den Bachelor hinaus an der Hochschule Fresenius wissenschaftlich weiterzubilden.
(idw, 06/2010)

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