Seit 20 Jahren versorgt Dresdner Uniklinikum Patienten mit Cochlea-Implantaten

Mit dem CI absolvierte der damals als erstes Kind versorgte Junge eine ganz normale Schullaufbahn und studiert heute Medizin. Als Dank und Anerkennung für die Leistungen der Dresdner CI-Experten spenden die Eltern des Patienten dem Sächsischen Cochlea Implantat Zentrum einen Flügel, um die Musiktherapie für die Patienten weiter auszubauen. Das Instrument wird am heutigen Dienstag (3. Dezember) in einer kleinen Feierstunde überreicht.

„Die Entwicklung des Sächsischen Cochlea Implantat Zentrums ist ein Spiegelbild für die visionäre Kraft und die erfolgreiche Strategie der Dresdner Hochschulmedizin. Indem frühzeitig auf innovative Methoden der Hochleistungsmedizin gesetzt wurde, etablierte sich dieses an die HNO-Klinik angegliederte Zentrum als eines der größten seiner Art in Deutschland. Dabei entwickelte es praxisnah Therapieverfahren weiter und setzt Akzente in der Forschung“, sagt Prof. Michael Albrecht, Medizinischer Vorstand des Universitätsklinikums. Die Zahlen sprechen für sich: Waren es am Anfang jährlich jeweils bis zu zehn Patienten, die operiert und therapiert wurden, sind es 2012 mittlerweile 136 Implantationen. Auslöser für die positive Entwicklung waren erfahrende Operateure, das therapeutische Konzept des Zentrums, das mittlerweile über ein eigenes Gebäude verfügt, sowie die Ausweitung der Indikation: Etwa zwei Drittel der heute versorgten Patienten sind erwachsen und leiden unter einer erworbenen hochgradigen Schwerhörigkeit.

Implantat regt direkt den Hörnerv an
Das Cochlea Implantat ist für Patienten geeignet, deren Hörnerv intakt ist, die aber aufgrund anderer Probleme nichts oder extrem schlecht hören. Ihnen hilft das in Teilen implantierte Gerät, das Geräusche und Töne in elektrische Signale umwandelt, die über eine Elektrode den Hörnerv stimulieren. „Mit dem Einsetzen der Prothese ist es jedoch nicht getan“, betont Prof. Dirk Mürbe, ärztlicher Leiter des Sächsischen Cochlea Implantat Zentrums Dresden (SCIC) und der Abteilung Phoniatrie und Audiologie: „Die Patienten müssen das Hören neu lernen – das ist ein höchst komplexer Prozess, der viel Geduld und Einfühlungsvermögen erfordert.“

Mittlerweile wurden am Dresdner Uniklinikum 940 Cochlea Implantationen vorgenommen. Sächsischer CI-Pionier war der 1993 nach Dresden berufene Prof. Karl-Bernd Hüttenbrink. Als versierter Mittelohrchirurg hatte er bereits in Münster ersten Patienten eine solche Hörprothese implantiert. Nur wenige Monate nach Übernahme der Uni-HNO-Klinik ging er in Dresden die ersten OPs dieser Art an. Sein zweiter sächsischer Patient und damit das erste im Freistaat versorgte Kind war am 7. Dezember Konstantin Heckschen. In dieser Zeit standen nach der Implantation die technischen Fragen im Mittelpunkt. Der Ingenieur, der nach der erfolgreichen OP das Gerät aktivierte und aufwändig den Bedürfnissen und Notwendigkeiten des Patienten entsprechend einstellte, stand im Mittelpunkt der Rehabilitation.

Im Laufe der letzten 20 Jahre rückten weitere Aspekte in den Fokus einer optimalen Versorgung der Patienten: Um ihn eine bestmögliche Inklusion – die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben – zu ermöglichen, bedarf es einer individuell geplanten Rehabilitation. „Dazu erarbeitete das SCIC in den vergangenen Jahren neue Reha-Konzepte. Das 25-köpfige, aus Ärzten, Sprach- und Musiktherapeuten, Logopäden und Technikern bestehende Team des Zentrums stimmt sich bei jedem Patienten zu einer jeweilig individuell konzipierten Reha ab“, erklärt Bernd Hartmann, Therapeutischer Leiter des SCIC, das täglich 16 bis 18 Patienten betreut. Kinder durchlaufen eine insgesamt 60 Reha-Tage umfassende Therapie, Für erwachsene Patienten, die vor ihrer Schwerhörigkeit sprechen konnten, verkürzt sich die Zeit.

Gespendeter Flügel fördert das Gefühl für Sprachrhythmus und -gefühl
Dadurch dass der Schall auf elektronischem Weg zu einem Nervenimpuls umgewandelt wird, entsteht ein völlig anderer Höreindruck. Damit CI-Träger dennoch die Sprache ihres Gegenübers in ihrer Komplexität verstehen können, müssen sie ein ganz besonderes Gefühl für die natürliche Melodik der gesprochenen Sprache entwickeln. Hier spielt die Musiktherapie eine entscheidende Rolle. Gerade bei den jüngsten Patienten, die erstmals das Sprechen lernen – viele bekommen das Implantat zwischen dem ersten und dem zweiten Lebensjahr –, ist die Musik ein wichtiges Medium. „Wie die Melodie ist auch der Rhythmus ein wichtiges Element der Sprache. Um den jüngsten Patienten die Aufnahme von feinsten Klangstrukturen zu ermöglichen, werden wir sie künftig auf den Flügel legen. Hier können sie den Rhythmus am ganzen Körper spüren“, erklärt Prof. Mürbe. Dank der Spende von Karin und Heribert Heckschen konnte nun ein Instrument für das SCIC angeschafft werden, der ein betagtes Klavier im Musiktherapieraum ersetzt. Ein weiterer Vorteil des größeren Instruments, von dem alle Altersgruppen profitieren: Der Therapeut spielt den Patienten zugewandt und kann sie so besser beobachten und spontaner auf sie reagieren.

Kontakt
Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden
Klinik und Poliklinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde
Sächsisches Cochlear Implant Centrum Dresden
Prof. Dirk Mürbe
Tel.: 0351 458 70 45 (Sekretariat)
E-Mail: dirk.muerbe@uniklinikum-dresden.de

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