Seit 1990 entfernt Dresdner Uniklinikum mit der Lipidapherese lebensbedrohliche Fette aus dem Blut

Die im November 1990 an der Medizinischen Klinik und Poliklinik III etablierte Lipidapherese wurde in den vergangenen Jahren kontinuierlich ausgebaut, so dass das aus ärztlichen und pflegerischen Mitarbeitern bestehende Team unter Leitung des Fettstoffwechsel-Experten Prof. Ulrich Julius bis Ende 2010 insgesamt 16.000 dieser Apherese-Behandlungen vorgenommen hat. Damit ist die Lipidapherese der Medizinischen Klinik III die größte universitäre Einrichtung ihrer Art in Deutschland.

Zurzeit betreut das Team von Prof. Julius 63 Patienten mit überhöhten LDL-Cholesterin-Werten. Ohne die Apherese würden sich diese Blutfette und anderes Gewebe an den Blutgefäß-Wänden ablagern. Mit lebensgefährlichen Folgen: Ohne spezielle Therapie leben die Patienten mit dem sehr hohen Risiko, Arterienverschlüsse und Infarkte zu erleiden. Von der Blutwäsche profitieren vor allem Menschen, die an familiärer Hypercholesterinämie leiden. „Bei dieser Erbkrankheit lässt sich der Wert des LDL-Cholesterins weder durch Medikamente noch durch eine angepasste Ernährung effektiv senken“, so Prof. Ulrich Julius.

„Als Krankenhaus der Maximalversorgung hat das Universitätsklinikum diese sehr spezielle, oft lebensrettende Therapie frühzeitig in sein Behandlungsspektrum aufgenommen. Auch künftig stehen wir zu dieser Verantwortung: Die Lipidapherese wird im Sommer in neue Räume einziehen. Der modern ausgestattete Bereich bietet Patienten und Klinikumsmitarbeitern ein deutlich besseres Umfeld“, sagt Prof. Michael Albrecht, Medizinischer Vorstand des Universitätsklinikums.

Insgesamt verfügt die Medizinische Klinik III derzeit über sechs Behandlungsplätze zur Lipidapherese. Damit lässt sich nicht nur LDL-Cholesterin aus dem Blut filtern, sondern auch andere Fette, zum Beispiel Lipoproteina, die Arterienverkalkungen auslösen. Dieselben Geräte können zudem Antikörper aus dem Blut der Patienten entfernen und damit den Ablauf lebensbedrohlicher Erkrankungen positiv beeinflussen. Mit dem modifizierten Verfahren der Rheophorese lassen sich zudem die Blutfließeigenschaften deutlich verbessern. Zum Beispiel bei der Degeneration des Gelben Flecks im Auge, der Macula lutea; beim akuten Hörsturz; bei Unterschenkelgeschwüren und beim akuten diabetischen Fuß. Ursache für diese Erkrankungen ist unter anderem ein stark erhöhter Anteil eines blutgerinnenden Eiweißes, dem Fibrinogen, das sich zum Teil aus dem Blut waschen lässt.

Behandlungsschwerpunkt bleibt jedoch die familiär bedingte Hypercholesterinämie. „Ohne Behandlung endet diese Krankheit meist tödlich, denn die Betroffenen sind Hochrisikopatienten, die schon sehr jung Herzinfarkte erleiden“, so Prof. Julius, der seit 40 Jahren zum Fettstoffwechsel forscht und vor gut 20 Jahren die Lipidapherese in Dresden etablierte. Die Blutwäsche wird in der Regel alle ein bis zwei Wochen vorgenommen und dauert etwa zwei bis drei Stunden je Behandlung. Mit dieser für den Patienten überwiegend sehr gut verträglichen Therapie lässt sich der mittlere LDL-Cholesteringehalt im Blut um mehr als 60 Prozent absenken. Wolfgang Seifert gehört zu Julius’ ersten Lipidapherese-Patienten: Der Diplom-Physiker leidet an der familiären Hypercholesterinämie: Zwei Brüder seines Vaters starben jung an wiederkehrenden Herzinfarkten. Dass der heute 57-Jährige in Führungsposition als IT-Manager eines mittelständischen Unternehmens ein erfüllendes und oft stressiges Arbeitsleben führen kann, verdankt er der Lipidapherese. Seit Beginn der Behandlung fühlt sich der 57-Jährige deutlich besser. Inzwischen muss Seifert nur noch zweimal pro Monat ins Uniklinikum. Die regelmäßige Blutreinigung hält seinen LDL-Cholesterin-Spiegel über einen längeren Zeitraum niedrig. Natürlich unterstützt Wolfgang Seifert die Behandlung durch eine gesunde Lebensweise. Dazu gehört Sport: zweimal pro Woche schwimmt er einen Kilometer.

Im Gegensatz zu Wolfgang Seifert ist Marita Conrad erst seit wenigen Wochen Patientin in der Lipidapherese des Uniklinikums. Vor eineinhalb Jahren erlitt sie mit 47 Jahren einen schweren Herzinfarkt. Sie bekam mehrere Stents, die ihre Blutgefäße durchlässig halten sollen. Auch Marita Conrads Körper produziert zu viel LDL-Cholesterin, das sich medikamentös nicht senken lässt. Für die Krankenschwester, die gerne gesund isst, war dies ein Schock. „Nach dem Herzinfarkt war ich lange Zeit sehr schwach, litt unter starkem Herzrasen“, so die heute 48-Jährige. Dazu kam die Angst vor einem weiteren Infarkt. In ihrem anstrengenden Beruf kann Marita Conrad erst einmal nicht mehr arbeiten. Nach den ersten Lipidapherese-Behandlungen geht es ihr aber schon besser. Das Herzrasen ist weniger geworden, auch die alte Leistungsfähigkeit kehrt langsam zurück. Marita Conrads Wunsch für die Zukunft: „Wieder arbeiten zu können.“

Kontakt
Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden
Medizinische Klinik und Poliklinik III
Prof. Dr. med. Ulrich Julius
Tel.: +49 0351 458 2306
E-Mail: ulrich.julius@uniklinikum-dresden.de

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