Sehforschung: Bremen ist internationales Zentrum der Neurowissenschaften

Allein aus Kanada, den USA, China, Japan und Australien reisen mehr als 200 Experten an. Weitere 500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer kommen aus dem europäischen Ausland. Bremen rückt damit in der Hirnforschung für mehrere Tage in den Fokus der internationalen wissenschaftlichen Öffentlichkeit. Die Organisatoren der weltweit wichtigsten Tagung zur Wahrnehmungsforschung sind Udo Ernst, Cathleen Grimsen und Detlef Wegener vom Zentrum für Kognitionswissenschaft (ZKW) der Universität Bremen. Die Konferenz wird durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und mit Mitteln der europäischen Union gefördert.

Die international renommierte Kognitionswissenschaftlerin Nancy Kanwisher vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) eröffnet die Zusammenkunft am Sonntag mit einem Plenarvortrag über neue Erkenntnisse zur funktionellen Organisation der Sehzentren im Gehirn. In den Folgetagen gibt es 120 weitere Vorträge und fast 600 Posterpräsentationen. Allein 30 wissenschaftliche Beiträge kommen von der Bremer Universität.

Bremen als Tagungsort bewusst gewählt

Einen Höhepunkt stellt in diesem Jahr das Plenarsymposium zur Computational Neuroscience dar, das die interdisziplinäre Vernetzung verschiedener Wissenschaften unterstützen soll. Udo Ernst: „Die Computational Neuroscience ist ein junges Forschungsgebiet und einer der wissenschaftlichen Schwerpunkte der Universität Bremen, in dem wir experimentelle Ansätze mit Methoden der theoretischen Neurophysik zu verbinden suchen“. Als vor zwei Jahren die Konferenz nach Bremen vergeben wurde, hatte die wissenschaftliche Gemeinschaft bei ihrer Entscheidung genau diese Schwerpunktsetzung gelobt.

Erstmals werden in diesem Jahr auch Tutorials im Vorfeld der Konferenz angeboten. „Wir bieten den Teilnehmerinnen und Teilnehmern insgesamt zehn halb- und ganztägige Workshops, in denen internationale Experten neue Wege bei der Analyse komplexer Datensätze aufzeigen“, erläutert Udo Ernst. Mehr als 200 Teilnehmer werden an diesen Kursen teilnehmen.

Ohne Grundlagenforschung keine Fortschritte bei der Therapie neurologischer Erkrankungen

Auf der Tagung werden unter anderem die klinischen Aspekte des Sehens eine große Rolle spielen. So geht es um neue therapeutische Ansätze zur Milderung der Folgen von Schlaganfällen ebenso wie um Änderungen der Sehleistungen, die durch altersbezogene Vorgänge in den Sehgebieten des Gehirns verursacht werden. Die Bremer Organisatoren betonen gleichzeitig die hohe Bedeutung der Grundlagenforschung: „Das Verständnis neurologischer und psychiatrischer Erkrankungen erfordert, dass wir die Art, wie im Gehirn Information erzeugt wird, sehr viel besser verstehen als dies noch heute der Fall ist“, sagt Detlef Wegener. Aus diesem Grund wurde der international renommierte Göttinger Experte Professor Stefan Treue eingeladen, um in einem Plenarvortrag über seine Forschungen zum Zusammenspiel zwischen Wahrnehmung und der Aktivität einzelner Zellen in bestimmten Gebieten des Gehirns zu berichten. Detlef Wegener aus dem Bremer Organisationsteam: „Nur indem wir verstehen, wie komplexe Zellverbände im Gehirn miteinander kommunizieren, lassen sich langfristig die Ursachen bestimmter Erkrankungen erkennen und neue Therapiemöglichkeiten entwickeln.“

Weitere Information:

Universität Bremen
Zentrum für Kognitionswissenschaften
www.zkw.uni-bremen.de

Dr. Udo Ernst, Institut für Theoretische Physik
Telefon: 0421 218–62002
E-Mail: udo@neuro.uni-bremen.de

Dr. Cathleen Grimsen, Institut für Hirnforschung, Human-Neurobiologie
Telefon: 0421-218-63003
E-Mail: cgrimsen@uni-bremen.de

Dr. Detlef Wegener, Institut für Hirnforschung, Theoretische Neurobiologie
Telefon: 0421-218-63007
E-Mail: wegener@brain.uni-bremen.de

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