Sehbehindertentag am 6. Juni 2016: Warum sind Kontraste wichtig?

„Ich sehe oft nur noch den Himmel und meine Füße“, berichtet Prof. Dr. Heribert Meffert, Initiator und Kuratoriumsvorsitzender des AMD-Netz. „Wenn eine Treppe aus grauen Stufen vor mir liegt, kann ich die einzelnen Stufen kaum erkennen, die Treppe erscheint wie eine Fläche.“ Der 79-jährige emeritierte Marketing-Professor leidet seit vielen Jahren an einer AMD und hat bereits erhebliche Seheinschränkungen. Wie ihm geht es vielen Menschen, die an einer AMD erkrankt sind. Die Erkrankung hat zwei mögliche Verlaufsformen und kann im Endstadium einen massiven Sehverlust verursachen. Sind die Netzhautzellen unter der Makula, der Stelle des schärfsten Sehens, geschädigt, können Betroffene je nach Stadium der Erkrankung Gesichter und Buchstaben schlechter erkennen. Auch wenn das periphere Sehen außerhalb der Mitte des Sehfeldes zumeist erhalten bleibt, ist zudem die Orientierung, vor allem in unbekanntem Raum, erschwert.

Kontraste können dabei helfen, verschiedene Gegenstände voneinander zu unterscheiden und Flächen kenntlicher zu machen. Ein weißer Teller hebt sich von einem dunklen Tischset erheblich besser ab als von einer weißen Tischdecke. Für die Wahrnehmung von Objekten ist der Leuchtdichtekontrast ausschlaggebend, also ob sich die Helligkeit einer Oberfläche von der Helligkeit einer anderen Oberfläche unterscheidet. Das gleiche Prinzip gilt sowohl für die häusliche Umgebung als auch für den öffentlichen Raum. „Bei der Orientierung in der baulichen und digitalen Umwelt ist für fast alle Menschen die visuelle Gestaltung von entscheidender Bedeutung, vor allem in Hinblick auf Kontrast, Helligkeit, Farbe und Form“, betont Elke Lehning-Fricke, Leitung des Arbeitskreis Mobilität von PRO RETINA.

„Die Gesellschaft muss sich auf den Weg zur inklusiven Gestaltung der Umwelt machen“, fordert DBSV-Präsidentin Renate Reymann. Kontraste sind ein essentieller Baustein der Barrierefreiheit und Voraussetzung für Mobilität und Selbstständigkeit. Zum „Tag der Sehbehinderten“ greift der DBSV deshalb das Thema „Kontraste“ auf und startet die Aktion „Stufenmarkierungen machen Treppen sicherer“. In vielen Städten und Gemeinden wird auf fehlende Stufenmarkierungen aufmerksam gemacht. Bei den Berufsgruppen, die für die Gestaltung des öffentlichen Raums verantwortlich sind, soll damit das Bewusstsein für die Bedeutung von Kontrasten verstärkt werden. „Insbesondere im öffentlichen Raum sollte verstärkt darauf geachtet werden, Gefahrenstellen wie Treppenstufen barrierefrei zu gestalten. Kontrastreiche Markierungen helfen, die einzelnen Stufen zu unterscheiden und so Fehltritte und Stürze zu vermeiden“, rät DOG-Präsident Professor Dr. med. Horst Helbig.

Der DBSV informiert unter www.sehbehindertentag.de über kontrastreiche Gestaltung und stellt eine neue Fachbroschüre zum Thema sowie eine Kontrastbestimmungstafel vor. PRO RETINA bietet eine Broschüre „Barrierefrei – und jeder weiß, wo es lang geht“ zum Download an. Unterstützung bei der Alltagsbewältigung mit einem Sehverlust können verschiedene Versorger wie Beratungsstellen der Selbsthilfe, Rehabilitationslehrer oder auf Low-Vision spezialisierte Augenoptiker bieten. Mit optischen und elektronischen Hilfsmitteln, Rehabilitationsschulungen und individueller Beratung kann ein Sehverlust ganz oder teilweise ausgeglichen und damit die Selbstständigkeit der Betroffenen erhalten oder verbessert werden. Das AMD-Netz informiert über die Erkrankung AMD sowie die zahlreichen Hilfsmöglichkeiten und stellt in einem Versorgungsatlas Adressen von Versorgern im lokalen Umfeld bereit: www.amd-netz.de/versorgungsatlas.

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