Sechs Jahre „Heidelberger Modell der Musiktherapie bei chronischem Tinnitus“

Im Rahmen von verschiedenen Forschungsstudien wurden zwischen 2004 und 2009 am Viktor Dulger Forschungsinstitut des Deutschen Zentrums für Musiktherapieforschung in Heidelberg über 150 Patienten mit chronischem, tonalem Tinnitus und Tinnitus-Rauschen erfolgreich behandelt. Ziel war, mit Hilfe von bildgebenden (fMRT) und audiometrischen Kontrolluntersuchungen, die Wirksamkeit des Behandlungskonzepts zu überprüfen. Als effektivste Behandlungsform kristallisierte sich die nur fünf Tage andauernde Kompakttherapie heraus. In der neurowissenschaftlichen und HNO-ärztlichen Überprüfung zeigte diese Behandlungsform die besten Resultate – eine weitgehende Normalisierung der Tinnitus-bezogenen Veränderungen im Gehirn mit einer deutlich spürbaren Verbesserung für die Probanden.

Mit Gründung der Tinnitusambulanz am Deutschen Zentrum für Musiktherapieforschung und der Einführung der Kompakttherapie als Regelversorgung 2009 wird das Heidelberger Modell in die Praxis umgesetzt. Seitdem wurden rund 160 Patienten behandelt, von knapp 120 Patienten liegen derzeit Daten über den gesamten Nacherhebungszeitraum (3 Monate) vor.

Die Ergebnisse zeigen die erfolgreiche Umsetzung der Forschungsergebnisse in die Praxis. Die Musiktherapie nach dem Heidelberger Modell ist auch in der Regelversorgung hocheffektiv und sehr effizient. Nach einer Kompakttherapie erreichen mehr als 80 % der Patienten eine zuverlässige Verbesserung der Symptomatik, die auch über die Therapiephase hinaus stabil bleibt. Die hohe Effizienz begründet sich in der Kombination von psychologischen und musikalischen Elementen der Therapie sowie im hohen Qualitätsmanagement. Dazu zählt in den Versorgungstherapien insbesondere die regelmäßige Evaluation der Symptomatik der Patienten durch standardisierte Fragebögen, elektrophysiologische Messungen, tägliche Frequenzmessungen sowie die durchgängige Supervision der Therapeuten. Dadurch kann eine gleichbleibend hohe Therapiequalität auch außerhalb von Forschungstherapien gewährleistet werden. Die unbefriedigende Behandlungssituation von chronischem Tinnitus kann durch die Umsetzung der Forschungsergebnisse in die Praxis wesentlich verbessert werden.

Weitere Forschungsstudien zu den Themen "Tinnitus im Jugendalter" und "Musiktherapie bei akutem Tinnitus" am Viktor Dulger Forschungsinstitut sind in Planung.

Die Tinnitusambulanz bietet laufend Kompakttherapien für Patienten mit tonalem Tinnitus sowie mit Tinnitus-Rauschen an. Weitere Informationen für Patienten sind telefonisch erhältlich unter 06221 – 79 63 101 oder per E-Mail unter tinnitusambulanz@dzm-heidelberg.de.

Abdruck honorarfrei / Belegexemplar erbeten

Weitere Informationen:
Deutsches Zentrum für Musiktherapieforschung (Viktor Dulger Institut) DZM e.V.
Ansprechpartner: Dorothea Weber
Maaßstraße 32/1
69123 Heidelberg
Telefon: +49 (6221) 83 38 60
Telefax: +49 (6221) 83 38 74
E-Mail: dzm@dzm-heidelberg.de
Internet: <www.dzm-heidelberg.de>

Das Deutsche Zentrum für Musiktherapieforschung (Viktor Dulger Institut) DZM e.V. wurde 1995 in Heidelberg gegründet. Heute ist das DZM das größte musiktherapeutische Forschungsinstitut in Europa und vereint Forschung und Praxis unter einem Dach. Das DZM ist als gemeinnützig anerkannt und finanziert sich zum überwiegenden Teil aus Spenden und Forschungsdrittmittel. Am DZM entwickeln und erforschen Musiktherapeuten, Mediziner, Musikwissenschaftler und Psychologen in interdisziplinären Projekten musiktherapeutische und musikmedizinische Konzepte zur Verbesserung der Lebenssituation erkrankter Menschen. Außer dem Forschungsinstitut gehört eine Tinnitusambulanz zum DZM.
(idw, 08/2010)

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