Schwerstverletzte brauchen ganzheitliche körperliche und psychische Betreuung

Was nötig ist, um Traumapatienten optimal zu betreuen, diskutieren Orthopäden und Unfallchirurgen auf dem Deutschen Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU) 2016 vom 25. bis 28. Oktober in Berlin.
Die in Deutschland gute Akutversorgung von Verletzungsopfern muss durch eine ganzheitliche Betreuung erweitert werden, die auch die Psyche umfasst. Weltweit fehlt es an spezialisierten Zentren, in denen Betroffene nach der Akutphase – sowohl physisch als auch psychisch – erfolgreich behandelt werden können.

„Körperliche und psychische Traumata gehen oft Hand in Hand“, erklärt Professor Dr. Anita Ignatius, Direktorin des Instituts für Unfallchirurgische Forschung und Biomechanik am
Universitätsklinikum Ulm. Beide Arten von Traumata haben Einfluss auf die gleichen körperlichen Systeme, wie zum Beispiel Herz-Kreislauf-, Immun- und Hormonsystem. So können körperliche Verletzungen ein seelisches Trauma auslösen. Umgekehrt können psychische Belastungen die Reaktion auf ein körperliches Trauma und den Heilungserfolg beeinflussen. „Um die Zusammenhänge zwischen körperlichen und seelischen Traumata zu verstehen, bedarf es Forschungsansätze, die diese Interaktion untersuchen“, erklärt Ignatius. Dafür müssten Unfallchirurgen und Psychiater transdisziplinär zusammenarbeiten. „Beide Fachrichtungen scheinen derzeit weit voneinander entfernt. Es fehlt an einer gemeinsamen Sprache, Forschungsarbeiten und Strukturen“, ergänzt Professor Dr. med. Jörg Fegert, Ärztlicher Direktor der Kinder- und Jugendpsychiatrie am Universitätsklinikum Ulm.

Um die transdisziplinäre Traumaforschung zu stärken, wurde 2015 an der Universität Ulm das Zentrum für Traumaforschung gegründet. „Damit ist eine international einzigartige Einrichtung entstanden, die physische und psychische Traumata zusammenführt“, sagt Professor Dr. med. Florian Gebhard, Kongress-Präsident des DKOU 2016 und Prodekan der Medizinischen Fakultät. Auch die Deutsche Traumastiftung setzt sich für eine bessere Versorgung von Traumapatienten ein und setzt dabei auf öffentliche Aufklärung und Forschungsförderung. Als erstes großes Projekt bereitet die Stiftung, die parallel zum Zentrum für Traumaforschung gegründet wurde, die Aktion „Kinder-Leben-Schützen-Retten“ vor, die für das Thema Verkehrssicherheit, Unfallverhütung, Gewalt und Integration bei Kindern und Jugendlichen sowie Erziehenden sensibilisieren soll.

Wie groß der Bedarf bei der Traumaversorgung ist, verdeutlichen die hohen Kosten in diesem Bereich: Mehr als 40 Milliarden Euro kosten die Behandlung und Rehabilitation körperlicher Verletzungen pro Jahr. Die Therapie seelischer Traumafolgen erreicht eine ähnliche Größenordnung. „Allein Kindheitstraumata wie sexueller Missbrauch oder körperliche Misshandlung sind in Deutschland so häufig wie Volkskrankheiten, zum Beispiel Diabetes Typ 2“, so Fegert. Wie es um die aktuelle Traumaversorgung bestellt ist und welche Schritte nötig wären, erklären Experten auf einer Pressekonferenz im Rahmen des DKOU 2016 am 27. Oktober 2016.

Terminhinweise:
Vorab-Pressekonferenz anlässlich des DKOU 2016
Deutsche Traumastiftung: „Kinder – Leben – Schützen – Retten“
Prof. Dr. med. Florian Gebhard
Dienstag, 18. Oktober 2016, 11.00 bis 12.00 Uhr
Haus der Bundespressekonferenz, Berlin (Raum I+II)

Kongress-Pressekonferenz des DKOU 2016
Mehr als ein Notfall: Der Mensch im Mittelpunkt der Traumaforschung
Prof. Dr. Anita Ignatius, Prof. Dr. med. Jörg Fegert
Donnerstag, 27. Oktober 2016, 11.00 bis 12.00 Uhr
Messe-Süd, Berlin (Pressezentrum, Raum 411)

Alle Pressekonferenzen im Überblick

Akkreditierung für Journalisten:

O Ich melde mich an für die Vorab-Pressekonferenz am Dienstag, 18. Oktober 2016.

O Ich melde mich an für die Pressekonferenz am Donnerstag, 27. Oktober 2016.

O Ich werde den DKOU 2016 in Berlin besuchen.

O Ich kann leider nicht teilnehmen. Bitte schicken Sie mir im Anschluss das Informationsmaterial für die Presse.

O Ich möchte ein Interview mit ____________________________führen. Bitte stellen Sie einen Kontakt her.

O Bitte informieren Sie mich weiter kontinuierlich über den DKOU.

O Ich möchte keine weiteren Informationen zum DKOU erhalten.

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