Schützt neuartige Medikamentenkombination Gesichts- und Hörnerv bei Tumoroperationen?

Werden Menschen mit dem Befund "Tumor" konfrontiert, tröstet es sie wenig, dass dieser gutartig sein soll. Der Schrecken sitzt tief. Schließlich kann das ungebremste Wachstum eines Tumors über kurz oder lang zu lebensbedrohlichen Funktionsausfällen bei den Betroffenen führen. Die Entfernung des Tumors kann je nach Art und Lokalisation mit Risiken verbunden sein. Zu derartigen Tumoren gehört das Akustikusneurinom, eine gutartige Geschwulst in der hinteren Schädelgrube, die an den dort verlaufenden Nervensträngen wächst. Dort gefährdet der Tumor das Gehör und die Gesichtsmimik der Betroffenen. Pro Jahr erkrankt in Deutschland einer von 100.000 Erwachsenen an diesem gutartigen Tumor. Auch in diesem Fall gilt: je kleiner der Tumor, desto größer ist die Chance der Chirurgen bei einer Operation Folgeschädigungen an den betroffenen Nerven zu verhindern.

Im Rahmen einer Multicenter-Studie untersuchen Forscher des Universitätsklinikums Halle (Saale) und des Translationszentrums für Regenerative Medizin (TRM) Leipzig, ob sich mit Hilfe einer vorbeugenden medikamentösen Therapie die Funktion der Hör- und Gesichtsnerven bei der operativen Entfernung von Vestibularisschwannomen, die zur Gruppe der Akustikusneurinome gehören, erhalten lässt. Die Neurochirurgen Dr. Christian Scheller und Prof. Dr. Christian Strauss haben eine prophylaktische Medikamentengabe aus dem bereits gut erprobten Wirkstoff Nimodipin und einem Plasmaexpander entwickelt, die am Tag vor der Operation bis sieben Tage danach verabreicht wird. "Wir hoffen damit die Widerstandsfähigkeit des betroffenen Nervengewebes zu erhöhen," erläutert Dr. Christian Scheller. "Im Rahmen einer Pilotstudie konnten wir bereits positive Wirkungen dieser Behandlung auf die Funktions- und Regenerationsfähigkeit der Gesichts- und Hörnerven nachweisen," so Dr. Scheller weiter. Anfang des Jahres wurden die ersten von insgesamt 112 Patienten behandelt. Die Hallenser Mediziner kooperieren für Ihre Studie mit Kolleginnen und Kollegen in fünf weiteren Universitätskliniken in Erlangen, Göttingen, Tübingen, Ulm/Günzburg und Würzburg. 2011 soll die Datenerhebung abgeschlossen werden. "Unser Ziel ist es, diese medikamentöse Prophylaxe bei der Operation von Vestibularisschwannomen als Standardbehandlung begleitend einsetzen zu können, um damit das Risiko für Folgeschädigungen bei den Betroffenen zu verringern," erläutert Dr. Scheller das Studienprojekt.

Über das Universitätsklinikum Halle (Saale):
Im Universitätsklinikum Halle (Saale) sind die modernen medizinischen Krankenversorgungseinrichtungen einer traditionsreichen Universität vereint. In fachlich breit gefächerten Kliniken und Instituten stellt das Universitätsklinikum die medizinische Betreuung der Patienten als einziger Maximalversorger im südlichen Sachsen-Anhalt auf höchstem Niveau sicher. Weit über die Grenzen Halles hinaus vertrauen Patienten auf das Können der etwa 2850 Mitarbeiter und 210 Auszubildenden. Insgesamt lassen sich etwa 37.000 Patienten im Jahr stationär behandeln. Knapp 1100 Betten stehen zur Verfügung.

Über das Translationszentrum für Regenerative Medizin (TRM) der Universität Leipzig:
Das TRM Leipzig unterstützt junge Forschende mit eigenen Vorhaben, die Produkte und Verfahren für Diagnostik und Therapie entwickeln und erfolgreich in die klinische Anwendung bringen wollen. Das Zentrum fördert darüber hinaus gesellschaftswissenschaftliche Fragestellungen in Fächern wie Recht und Ethik, die Rahmenbedingungen der Biomedizin untersuchen. Das TRM Leipzig wurde im Oktober 2006 gegründet und wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung, den Freistaat Sachsen und die Universität Leipzig gefördert.
(idw, 03/2010)

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