Schopenhauer-Jahr 2010: Internationale Tagung zum 150. Todestag in Mainz

Der bedeutende deutsche Philosoph Arthur Schopenhauer ist im September 1860 in Frankfurt gestorben. Aus Anlass seines 150. Todestags organisiert die Schopenhauer-Forschungsstelle an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz in diesem Jahr verschiedene Veranstaltungen, die sich mit Leben und Werk Schopenhauers beschäftigen. Die Schopenhauer-Forschungsstelle ist zusammen mit der Schopenhauer-Gesellschaft in Frankfurt das Zentrum der Schopenhauer-Forschung in Deutschland und weltweit.

Auftakt der Feierlichkeiten zum 150. Todestag ist eine internationale Tagung, die in Kooperation mit dem Institut français Mainz und dem Studium generale der Universität erfolgt: „Schopenhauer und Feuerbach: Beginn einer Philosophie des Leibes“. Die Öffentlichkeit ist zu der Veranstaltung herzlich eingeladen, insbesondere zu dem Eröffnungsvortrag von Prof. Dr. Jean Salem (Paris, Sorbonne), der unter dem Titel „Le matérialisme, le corps“ am 7. Juli 2010 um 19:30 Uhr im Institut français, Schillerstraße 11 in Mainz stattfindet (in französischer Sprache). Ein öffentlicher Abendvortrag von Prof. em. Dr. Alfred Schmidt unter der Überschrift „Von den philosophischen Ärzten des 18. Jahrhunderts zu Feuerbach, Schopenhauer und Nietzsche“ ist am 8. Juli 2010 um 18:15 Uhr im Senatssaal, R 07-232, des Naturwissenschaftlichen Institutsgebäudes, Johann-Joachim-Becher-Weg 21 geplant.

Auf Grundlage von Einsichten philosophierender Ärzte wie etwa Bichat und Cabanis wurde im 18. Jahrhundert das Bild vom Menschen neu entworfen. Der Leib wurde nun auch als philosophische Kategorie bedeutsam, insofern medizinische Erkenntnisse philosophische Reflexionen auf sie erforderten. Schopenhauer, der u. a. auch Medizin und Psychologie in Göttingen studierte, gilt hierzulande als der Erste, der sich der Bedeutung dieses Aspekts modernen Philosophierens bewusst war und der, der menschlichen Physis Rechnung tragend, den Leib als Bindeglied sowohl zur Welt als Wille als auch zur Welt als Vorstellung einstufte. In Schopenhauers Triebnaturalismus finden sich materialistische Einsprengsel, die es neben der idealistischen Grundansicht seiner Philosophie ernst zu nehmen gilt.

Feuerbach formulierte seine existentielle Einsprache gegen Hegel, indem er nach der Rolle von Natur und Mensch innerhalb des katholisch-theologischen und spekulativ-idealistischen Diskurses fragte. „Im Leib sein“ ist für ihn gleichbedeutend mit dem „in der Welt sein“ des Menschen, die Existenz des Menschen hängt an der Sinnlichkeit und an dem, was er die Leiblichkeit des Menschen nennt. Die Frage nach dem Sein aber ist, zumal wenn unser Sein davon berührt wird, „eine Frage auf Tod und Leben“.

Die Vorträge werden zum besseren Verständnis des Einheitlichen und Gegensätzlichen der beiden Leibkonzeptionen von Schopenhauer und Feuerbach beitragen, die in der nachhegelschen Epoche des Denkens insgesamt den Abschied von der idealistischen Subjektphilosophie begründen. Die Hauptveranstaltungen am 8. und 9. Juli finden jeweils ab 10 Uhr im Zentrum Gesellschaftliche Verantwortung der EKHN, Albert-Schweitzer-Straße 113-115 in Mainz statt. Einzelheiten sind dem Programm unter <www.schopenhauer.philosophie.uni-mainz.de/Programm2010.pdf> zu entnehmen.

Vom 21. bis 24. September veranstaltet die Schopenhauer-Gesellschaft e.V. in Kooperation mit dem Archivzentrum der Universitätsbibliothek Frankfurt und mit der Schopenhauer-Forschungsstelle der Universität Mainz den internationalen Kongress „Schopenhauer – Was die Welt bewegt" in Frankfurt.

Weitere Informationen:
Schopenhauer-Forschungsstelle
Philosophisches Seminar
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Tel. +49 6131 39-20259
Fax +49 6131 39-26393
E-Mail: schopenhauer@uni-mainz.de
(idw, 06/2010)

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