Schnellere Hilfe für Schwerverletzte – Regionale Traumanetzwerke zertifiziert

Bei Schwerverletzten kommt es auf jede Minute an. In Südbaden und am Bodensee haben sich insgesamt zwölf unfallchirurgische Kliniken in den regionalen Traumanetzwerken Oberrhein und Schwarzwald-Bodensee zusammengeschlossen, um Unfallopfern schneller helfen zu können.Beide Netzwerke wurden jetzt von der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) nach strengen Qualitätsmaßstäben überprüft, beurteilt und zertifiziert. Am heutigen Mittwoch, den 24. November, nahmen Vertreter beider Netzwerke in einer feierlichen Zeremonie die Zertifizierungsurkunden entgegen.

Bereits im Jahr 2007 hat die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie eine Initiative gestartet und bundesweit zur Gründung regionaler Traumanetzwerke aufgerufen: Unfallchirurgische Kliniken, Rettungsdienste und weitere Einrichtungen sollen sich vernetzen, um wertvolle Zeit bei der Versorgung von Patientinnen und Patienten zu sparen. Eine einheitliche Kommunikation und klar definierte Versorgungsstandards stehen dabei besonders im Vordergrund. Kliniken, die zu einem Traumanetzwerk gehören, stimmen sich aufeinander ab und spezialisieren sich dabei auf bestimmte Arten von Verletzungen, außerdem kooperieren sie in Ausbildung und Qualitätssicherung eng miteinander.

Bei der Versorgung Schwerverletzter regeln festgelegte und standardisierte Abläufe die Zusammenarbeit von Notärztinnen und -ärzten, Rettungsleitstellen und den Kliniken: „Bei einem Unfall kann schon der Notarzt bei der Erstversorgung des Unfallpatienten wegweisende Entscheidungen treffen“, erklärt Professor Dr. med. Norbert Südkamp, Geschäftsführender Direktor des Department Orthopädie und Traumatologie am Universitätsklinikum Freiburg. Bereits vom Rettungswagen aus könnten Notärztinnen und -ärzte die Diagnose an das Krankenhaus übermitteln. Dadurch könne schon frühzeitig – und nicht erst in der Notaufnahme – über die weitere Behandlung entschieden werden: „Die Chancen für die Betroffenen, mit möglichst geringen dauerhaften Problemen zu überleben, werden deutlich besser.“

„Mit dem Traumanetzwerk können wir erreichen, dass jeder Patient sofort in die für ihn passende Klinik gebracht werden kann, um keine unnötige Zeit zu verlieren“, sagt Dr. med. Friedrich Thielemann, Ärztlicher Leiter der Klinik für Unfall- und Wiederherstellungschirurgie am Schwarzwald-Baar-Klinikum. „Durch die Etablierung der regionalen Traumanetzwerke auf der Basis streng definierter Kriterien und einer unabhängigen Überprüfung der Einhaltung dieser Kriterien im Rahmen eines Auditierungsprozesses wird nicht zuletzt die Überlebenschance und das Outcome der Verletzten erhöht.“ Das Versorgungsgebiet der beiden benachbarten regionalen Traumanetzwerke erstreckt sich von der Ortenau im Norden bis an die Schweizer Grenze im Süden und im Westen von der Französischen Grenze bis an den Bodensee im Osten. Die große Ausdehnung und landschaftliche Beschaffenheit des Versorgungsgebietes erfordert klare Organisationsstrukturen und Handlungsabläufe, um eine lückenlose Schwerverletztenversorgung gewährleisten zu können. In Deutschland gibt es inzwischen 58 regionale Traumanetzwerke mit 856 teilnehmenden unfallchirurgischen Kliniken, davon sind bislang sieben Traumanetzwerke zertifiziert worden.

Kontakt:
Dr. med. Thorsten Hammer, Oberarzt
Department für Orthopädie und Traumatologie
Universitätsklinikum Freiburg
Tel.: 0761 270-2401
E-Mail: thorsten.hammer@uniklinik-freiburg.de

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