Schnelle Hilfe für Schlaganfallpatienten

Je schneller ein Schlaganfallpatient medizinisch versorgt wird, umso größer ist die Chance, dass keine schwerwiegende Behinderung zurückbleibt. Nicht in allen niedersächsischen Kliniken ist rund um die Uhr ein Neurologe zur Schlaganfallbehandlung vor Ort. Damit auch Patienten, die in kleineren Städten und deren Umgebung leben, zeitnah optimal behandelt werden können, wurde an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) das MHH-Teleneurologie-Netzwerk gegründet, das die neurologische Expertise zur Verfügung stellt. Daran angeschlossen sind die Helios Kliniken in Hildesheim, Salzgitter, Gifhorn und Northeim sowie das Sana-Klinikum in Hameln-Pyrmont.

„Es ist eine Kernaufgabe der Universitätsmedizin, spezifische Therapien aus dem Zentrum in die Fläche zu bringen. Netzwerkbildung wie beispielsweise mithilfe des etablierten Verfahrens der Teleneurologie ist hierfür ein geeignetes Mittel“, erläutert Dr. Andreas Tecklenburg, Vizepräsident der MHH und zuständig für das Ressort Krankenversorgung. Durch die Vernetzung per Videokommunikation stellt die MHH mit den beteiligten Krankenhäusern die Akutversorgung von Schlaganfallpatienten und anderen neurologischen Notfällen sicher – an allen Wochentagen rund um die Uhr. „Unsere Kooperation ermöglicht eine heimatnahe Krankenhausbehandlung von Schlaganfallpatienten. Im Bedarfsfall stellt sie aber auch die Indikation für eine rasche Verlegung in ein neurologisches Zentrum“, sagt Privatdozent (PD) Dr. Hans Worthmann, Oberarzt an der MHH-Klinik für Neurologie und Koordinator des Netzwerks.

In Niedersachsen erlitten 2014 fast 25.000 Menschen einen Schlaganfall. In den meisten Fällen entsteht er, weil sich ein Blutgefäß im Gehirn verschließt, beispielsweise durch ein verschlepptes Blutgerinnsel oder aufgrund einer Gefäßverkalkung, auch Arteriosklerose genannt. Bestimmte Hirnbereiche werden nicht mehr genügend durchblutet. Die Nervenzellen im Gehirn werden nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt und beginnen innerhalb weniger Minuten abzusterben. Bleibende Schäden wie Probleme beim Sprechen, Lähmungen von Gliedmaßen oder Sehstörungen drohen. „Doch die mangelversorgten Bereiche können noch gerettet werden, wenn der Patient schnell die richtige Therapie erhält“, erklärt PD Dr. Worthmann.

Hier setzt das MHH-Teleneurologie Netzwerk an. Die Ärzte der Kliniken in Hildesheim, Salzgitter, Gifhorn, Northeim und Hameln-Pyrmont können sich bei einem Verdacht auf Schlaganfall zu jeder Tages- und Nachtzeit per Videokommunikation mit den Kollegen der MHH-Klinik für Neurologie in Hannover in Verbindung setzen und den Fall während eines Telekonsils gemeinsam beurteilen. Dabei ist es beispielsweise auch möglich, computertomographische Bilder zu begutachten, anhand derer die bestmögliche Behandlungsmethode ausgewählt werden kann.

Um die Durchblutung des betroffenen Gehirnbereichs so schnell wie möglich wiederherzustellen, wird häufig die sogenannte systemische Thrombolyse durchgeführt, bei der ein Blutgerinnsel-auflösendes Mittel über die Vene verabreicht wird. Diese Therapie sollte innerhalb von viereinhalb Stunden nach Auftreten der ersten Schlaganfallsymptome erfolgen. Die systemische Thrombolyse können die Ärzte direkt in den Kooperationskliniken vornehmen.

Bei bestimmten Formen des Schlaganfalls kommt eine andere, neuere Behandlungsmethode, die mechanische Thrombektomie, infrage. Dabei wird das Blutgerinnsel mithilfe eines speziellen Katheters direkt aus dem verschlossenen Blutgefäß entfernt. „Die Thrombektomie ist eine hocheffektive Methode. Die MHH gehört zu den wenigen überregionalen Schlaganfallzentren, in denen diese Behandlung jederzeit durchgeführt werden kann“, sagt Professorin Dr. Karin Weißenborn, Leiterin der Stroke-Unit sowie der Teleneurologie der MHH. Auch diese Methode muss schnell, und zwar innerhalb von sechs Stunden nach Auftreten der ersten Symptome, angewendet werden. Kommen die Experten während des gemeinsamen Telekonsils zu dem Schluss, dass ein Patient auf diese Art therapiert werden muss, wird er schnellstmöglich aus dem Kooperationsklinikum in die MHH oder in ein anderes neurointerventionelles Zentrum transportiert – über Land oder sogar per Rettungshubschrauber.

In der MHH-Klinik für Neurologie werden ca. 1.200 Schlaganfallpatienten pro Jahr versorgt, in den Kooperationskliniken jeweils rund 300 pro Jahr. Die vier Helios Kliniken in Hildesheim, Salzgitter, Gifhorn und Northeim gehören seit Mitte des Jahres zum MHH-Teleneurologie-Netzwerk. „Das Netzwerk unterstützt nicht nur bei der Akutbehandlung des Schlaganfalls, sondern erhöht insgesamt die Versorgungsqualität für Schlaganfallpatienten. Der jederzeit mögliche fachliche Austausch stellt für Patienten und Ärzte einen großen Gewinn dar“, stellt Dr. Elisabeth Reinsberg, Oberärztin und Leiterin des interdisziplinären Schwerpunkts Neurologie in der Klinik für Kardiologie, Angiologie und Intensivmedizin in Hildesheim fest. Seit August ist auch das Sana-Klinikum Hameln mit dabei. „Auch andere neurologische Notfälle wie Hirnhautentzündungen oder schwere Krampfanfälle können über das Netzwerk vorgestellt werden und erweitern hierdurch unser Behandlungsspektrum in der Akutversorgung“, ergänzt Dr. Wolfgang Müller, Ärztlicher Leiter der Zentralen Notaufnahme in Hameln.

Zur Qualitätssicherung werden alle Telekonsile und alle Behandlungsschritte der Schlaganfallpatienten, von der Aufnahme bis zur Entlassung, dokumentiert und ausgewertet. Darüber hinaus macht der persönliche Kontakt und Austausch einen wichtigen Baustein des Netzwerks aus: Hierzu gehören regelmäßige Fortbildungen und Trainings für Ärzte, Pflegende und Therapeuten in den Kooperationskliniken.

Sie können das Foto im Zusammenhang mit dieser Presseinformation kostenlos verwenden, wenn Sie als Quelle „MHH/Kaiser“ angeben.

Weitere Informationen über das MHH-Teleneurologie-Netzwerk erhalten Sie bei PD Dr. Hans Worthmann, Klinik für Neurologie, Telefon (0511) 532-2393, teleneurologie@mh-hannover.de.

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