Schmerzkongress 2016: Präsident fordert Einführung von Qualitätsindikatoren im Gesundheitswesen

In den letzten zehn Jahren hat sich in Deutschland der Anteil der Bevölkerung mit chronischen Schmerzen nahezu verdoppelt. Davon sind besonders die über 65-Jährigen betroffen. Schon heute berichten etwa 23 Millionen Deutsche (28 Prozent) über chronische Schmerzen. Legt man das Kriterium „Beeinträchtigung durch die Schmerzen“ zugrunde, so leiden sechs Millionen Deutsche an chronischen, beeinträchtigenden Schmerzen, die nicht durch einen Tumor bedingt sind.

Angesichts dieser Zahlen appelliert der Präsident der Schmerzgesellschaft, Professor Dr. med. Michael Schäfer, an die Gesundheitspolitik, einen „Schmerzindikator“ in allen Kliniken verpflichtend einzuführen. „Gute und schlechte Qualität muss endlich systematisch in den Einrichtungen des Gesundheitswesen erhoben werden, und zwar auch zum Thema Schmerz“, fordert Professor Schäfer. Dabei können Gesundheitspolitik, Klinikträger, Krankenkassen und interessierte Einrichtungen auf erfolgreich entwickelte Instrumente zurückgreifen.

Beim Thema postoperative Schmerzen hat beispielsweise das Projekt „Qualitätsverbesserung in der postoperativen Schmerztherapie (QUIPS)“ bewiesen, dass ein Qualitätsvergleich möglich und sinnvoll ist. Entwickelt und durchgeführt wurde es unter Federführung von Professor Dr. med. Winfried Meissner, Leiter der Schmerztherapie am Universitätsklinikum Jena und Präsidiumsmitglied der Deutschen Schmerzgesellschaft e. V..QUIPS ist ein multizentrisches, interdisziplinäres Benchmark-Projekt. Die beteiligten Krankenhäuser erfassen kontinuierlich patientenbezogene Daten bezüglich Schmerzeinschätzung und -intensität sowie ein paar weitere standardisierte Parameter. So können sich teilnehmende Kliniken in Hinblick auf die Qualität ihrer Schmerzversorgung vergleichen und sehen, wo sie beim Thema Schmerz stehen. Erst dieser Vergleich erlaubt es, zu lernen, was die einen noch besser machen können und was bei den anderen vielleicht schon lang „State of the Art“ ist. Dieses qualitätsorientierte Benchmarkingprojekt gibt wichtige Hinweise auf Prozess-, Prozedur- und auch Ergebnisqualität. Allerdings haben sich bisher bei weitem nicht alle Kliniken beteiligt. 217 mitwirkende Krankenhäuser sammelten eine gute Basis von bis heute immerhin 446.967 Datensätze. Professor Schäfer merkt an: „Im Vergleich zur Gesamtheit aller Krankenhäuser in Deutschland – das sind derzeit insgesamt fast 2.000 – wird damit bislang allerdings nur ein recht überschaubarer Prozentsatz erreicht.“

Um zusammen mit niedergelassenen Schmerzexperten und multimodalen Schmerzzentren Qualität zu erfassen, hat die Deutsche Schmerzgesellschaft e. V. in den letzten Jahren ein Register aufgebaut. Mithilfe der „KErnDOkumentation und Qualitätssicherung (KEDOQ-Schmerz)“ ist es möglich, dass sich schmerztherapeutische Einrichtungen, die Patienten mit (chronischen) Schmerzen ambulant, teilstationär oder stationär versorgen, systematisch vergleichen und damit ihre eigene Qualität sichern beziehungsweise fortentwickeln. „KEDOQ-Schmerz“ sollte verpflichtender Bestandteil der Vor-Ort-Versorgung werden, fordert die Deutsche Schmerzgesellschaft e. V.

„Alle Akteure des Gesundheitswesens müssen sich den neuartigen Herausforderungen stellen und umdenken“, betont der Schmerzpräsident. Diesbezüglich weist er erneut auf die von der Deutschen Schmerzgesellschaft e. V. unterstützten Beschlüsse der 88. Gesundheitsministerkonferenz der Länder und des Bundes hin. „Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) sowie der Bundesgesetzgeber bleiben gefordert, diese nunmehr dringend in die Tat umzusetzen“, fordert Schäfer. „Die Schmerzexperten in Deutschland sind bereit – jetzt ist es an der Zeit, in der Gesundheitspolitik sowie bei den Vertragspartnern konsequent umzudenken und die Rahmenbedingungen im Sinne einer klaren Qualitätsorientierung auszugestalten. Die Spreu muss vom Weizen getrennt werden, eine Neuausrichtung ist nötig!“, so Professor Schäfer.

Zum Deutschen Schmerzkongress:
Der jährlich stattfindende Deutsche Schmerzkongress reflektiert die enorme Bedeutung des Symptoms Schmerz in sämtlichen Bereichen der Medizin und das stetige Bemühen der Schmerzexperten, den Schmerz wirksam(er) zu bekämpfen. Das Motto für den Kongress 2016 (UM)DENKEN ERWÜNSCHT regt dazu an, ausgetretene Pfade auch einmal zu verlassen, das eigene Denken und Handeln kritisch zu überdenken, vielleicht sogar in Frage zu stellen und aufgeschlossen zu sein für Neues. Mit rund 60 wissenschaftlichen Symposien, darunter Pflegesymposien und Dutzende Kurse und Seminare, deckt der Schmerzkongress das gesamte Themenspektrum der Schmerzdiagnostik und -therapie ab. Mehr als 2500 Teilnehmer – Mediziner verschiedener Fachgebiete, Psychologen, Pflegende, Physiotherapeuten und andere – werden erwartet.

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Terminhinweise:
Pressekonferenz
anlässlich des Deutschen Schmerzkongresses
der Deutschen Schmerzgesellschaft e. V. und der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft e. V.
vom 19. bis 22. Oktober 2016
Termin: Donnerstag, 20. Oktober 2016, 12:30 bis 13:30 Uhr
Ort: Congress Center Rosengarten Mannheim, Raum: „Christian Cannabich“
Anschrift: Rosengartenplatz 2, 68161 Mannheim

Das komplette Kongressprogramm und weitere Informationen finden Sie im Internet unter

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Ihr Kontakt für Rückfragen:
Kongress-Pressestelle
Deutscher Schmerzkongress 2016
Dagmar Arnold, Juliane Pfeiffer
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Telefon: 0711 8931-380, -693
Telefax: 0711 8931-167
E-Mail:

sowie

Thomas Isenberg
-Geschäftsführer-
Deutsche Schmerzgesellschaft e.V
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