Schmerzen im Büro: Was im Körper bei langem Sitzen passiert

So bleibt Ihr Rücken gesund

Neueste Erkenntnisse stellen bisherige Sitz-Empfehlungen auf den Kopf. Gab es bislang zahlreiche Empfehlungen für die diversen Abstützungen des Körpers beim Sitzen durch Arm- und Rückenlehnen, weiß man heute, dass das die unerwünschte Passivität der Wirbelsäule unterstützt. Dem Körper wird über Stunden eine Haltung vorgeschrieben und dabei eigene Muskelaktivitäten unterbunden.

Genau das Gegenteil ist heute als richtig erkannt: Es gibt nicht die richtige Sitzhaltung, sondern es kommt auf einen möglichst häufigen Wechsel der Sitzpositionen an. Mit einem Wort: Die richtige Sitzhaltung ist immer die nächste. Dadurch wird eine einseitige Belastung von Muskeln und Bändern verringert und eine Überbeanspruchung vermieden.

Die Hauptkriterien für ergonomisches Sitzen

Ihr Bürostuhl sollte viel Bewegung ermöglichen und am besten aktiv fördern. Eine Sitzfläche, die sich Ihren Gewichtsverlagerungen anpasst, ist gut. Ein Sitz, der zusätzlich Ihr Gewicht abfedert ist noch besser.

Die Sitzfläche sollte abgerundet sein, damit der Rückfluss des Blutes zum Herzen nicht behindert wird. Der Sitz sollte zudem die richtige Beckenstellung allzeit gewährleisten und es dadurch der Wirbelsäule erleichtern, ihre natürliche Doppel-S-Form einzunehmen. Auch sollte er sich in der Höhe an Ihre Körpergröße anpassen lassen.

Tipp: Auf Rollen kann verzichtet werden, um mehr Anreize zu häufigerem Aufstehen und damit zu erneuter Aktivität zu geben.

Fitness und Gesundheit durch Bewegung?

Unsere Wirbelsäule ist „bewegungsbedürftig“, d. h. sie kann sich nicht nur, sie muss sich bewegen. Wird ihr diese Aktivität fortgesetzt versagt, kommt es zu dauerhaften Schädigungen. Schuld daran ist unsere aufrechte Haltung. Aus einer gleichmäßig brückenförmigen Biegung der Wirbelsäule bei Vierbeinern ist unsere doppel-S-förmig gebogene Wirbelsäule entstanden. Stabilisiert wird diese durch eine Gegenbiegung (Lordose) in der Lendenregion. Der Mensch hat dafür einen hohen Preis bezahlt. Gerade in diesem Bereich treten massive Beschwerden auf, die durch starres und lang andauerndes Sitzen gefördert werden.

Was können Sie gegen die Beschwerden tun?

Bewegungen jeder Art, welche die Rückenmuskeln stärken, die Bandstrukturen der Wirbelsäule festigen und die Bandscheiben abwechselnd be- und entlasten, sind die Voraussetzung für ein langes Gesunderhalten der Wirbelsäule. Dazu bedarf es keines gezielten sportlichen Trainings. Höhenverstellbare Schreibtische können hier eine mögliche Lösung sein.

Der Sitzvorgang sollte häufig unterbrochen werden. Gar nicht so einfach! Telefon und Aktenablage sind in der Regel direkt greifbar. Büroeinrichter sind stolz darauf, dies so arrangiert zu haben. Deshalb ist weder Lust noch Zeit für eine solche Unterbrechung vorhanden.

Bleibt also noch die Frage nach einem Bürostuhl, der die Wirbelsäule möglichst wenig belastet. Wie muss ein solches Sitzmöbel beschaffen sein?

Ein rückengerechter Stuhl macht den täglichen Sitzmarathon erträglich

Was mit der Schule beginnt, setzt sich später im Erwachsenenalter meist fort – der Tagesablauf wird überwiegend von sitzenden Tätigkeiten bestimmt. Der Wandel der Industriegesellschaft in eine Dienstleistungs- und Informationsgesellschaft hat seinen Teil dazu beigetragen, dass wir bis zu zehn Stunden am Tag sitzend verbringen – mit den bekannten Folgen für den Rücken.

Der durchschnittliche Büromensch sitzt während seines Arbeitslebens etwa 80.000 Stunden am Schreibtisch – die Schulzeit, auf oft dürftigen Stühlen, inbegriffen. Und ein Ende des Vielsitzens ist nicht in Sicht. Im Gegenteil: Die Zahl von Sitzarbeitsplätzen nimmt weiter zu. In Deutschland gibt es allein mehr als 24 Millionen Bildschirmarbeitsplätze, die seit dem Jahr 2000 in einer EU-Richtlinie festgelegten Mindestanforderungen unterliegen. Darin wird genau geregelt, wie der Arbeitsplatz mit Tisch und Stuhl, Hardware und anderen Arbeitsmitteln aussehen muss, um Gesundheitsgefährdungen vorzubeugen. Sogar die Arbeitsplatzumgebung wird beschrieben. Dies war angesichts hoher Krankheitszahlen auch dringend notwendig. Arbeitsmediziner und Ergonomen konnten in wissenschaftlichen Untersuchungen nachweisen, dass die Belastung der Rückenmuskulatur und der Bandscheiben entscheidend von der Ergonomie-Qualität des Arbeitsplatzes abhängt. Der Stuhl ist dabei ein zentrales Arbeitsgerät.

Wer falsch sitzt, arbeitet schlecht!

Ungünstige Arbeitshaltungen binden bis zu 40 % der persönlichen Leistung, wenn unphysiologisches Sitzen nicht aktiv korrigiert wird. Bessere Sitzbedingungen könnten diese brachliegende Leistungskapazität freisetzen. Eine Umfrage ergab, dass zum Beispiel 71,8 % der Mitarbeiter/innen an Bildschirmarbeitsplätzen über körperliche Beschwerden klagen. Durch die Auswahl eines geeigneten Sitzmöbels ließe sich hier wirksam vorbeugen.

Der „Aktiv-Sitz“ als perfekte Lösung

Der ideale Stuhl muss ein „dreidimensionales Sitzen“ ermöglichen. Eine feste Verbindung von Stuhlgestell und Stuhlsitzfläche erfüllt diese Bedingung nicht. Ebenso wenig wie Synchronmechanismen. Einzig die Entkoppelung des Sitzes vom Gestell gewährt eine solche Freiheit. Daher gibt es im Handel sogenannte Aktiv-Sitze, welche diese Bedingungen auf ideale Weise erfüllen. Der Körper kann hier auch beim Sitzen reflektorisch über die Muskulatur des Rückens und der Beine – ähnlich wie beim Laufen – im dynamischen Gleichgewicht gehalten werden. Dadurch ergeben sich folgende Vorteile:

  • Durch ständige reflektorische Bewegung wird der muskuläre Halteapparat stabilisiert und gestärkt. Ebenso die antagonistischen Bauchmuskeln.
  • Die Haltung wird verbessert. Außerdem sorgt regelmäßige Bewegung der Wirbelsäule für Durchblutung der Rückenmuskulatur.
  • Vor allem werden so die Bandscheiben entlastet und ernährt. Bei Entlastung wird Gewebsflüssigkeit und mit ihr die notwendigen Nährstoffe eingesogen. Bei Belastung wird ballaststoffhaltige Flüssigkeit herausgepresst.
  • Länger andauernde, einseitige Belastungen unterbleiben, mit dem Erfolg, dass vor allem die besonders schmerzhaften Beeinträchtigungen durch Zugspannungen vermieden werden.
  • Zusätzlich wird durch ständige Bewegung der Wirbelsäule das Gehirn mehr durchblutet, weil die Beanspruchung das Wahrnehmungs- und Bewegungszentrum im Gehirn anregt und somit die Konzentrationsfähigkeit und Leistungsbereitschaft erhöht.
  • Da der Bauchraum nicht ständig eingeengt ist, wird auch die Atmung vertieft und das Kreislaufsystem und die Verdauung gefördert.

Fazit

Schmerzen im Büro kommen vor allem vom ungesunden Sitzen. Der passende Stuhl ist hierbei das zentrale Element, auf das größten Wert gelegt wurde. Mit den hier dargestellten Tipps sollten Sie dazu in der Lage sein, die ideale Sitzposition zu finden und somit den bekannten „Bürokrankheiten“ vorzubeugen.

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