Schlafapnoesyndrom – Fragebogen hilft Teufelskreis aus Schlafproblemen, Übergewicht, Diabetes und Bluthochdruck zu erkennen

In der weltweit größten, monozentrischen Studie zum Schlafapnoesyndrom (dem krankhaften Schnarchen) beleuchtet Prof. Dr. Hans-Willi Maria Breuer, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin im Knappschaftskrankenhaus Sulzbach, den Zusammenhang von Übergewicht, Diabetes und Bluthochdruck. Das Ergebnis der Studie zeigt auf, dass bei Vorliegen eines Schlafapnoesyndroms auf das gleichzeitige Vorliegen eines Diabetes und einer Hypertonie geachtet werden muss. Diese Forderung findet sich auch in den neuesten Empfehlungen der Fachgesellschaften.

In den westlichen Industrieländern sind fast 30% der Bevölkerung von Schlafstörungen betroffen. Bei etwa der Hälfte der Betroffenen handelt es sich um schwerere, d.h. chronifizierte und behandlungsbedürftige Schlafstörungen. Das Schlafapnoesyndrom ist dabei die häufigste organisch begründete, schlafbezogene Atmungsstörung. Schätzungen gehen davon aus, dass derzeit in Deutschland rund 5% der Erwachsenen ein Schlafapnoesyndrom mit typischen Beschwerden aufweisen. In einer extrem umfassenden Studie wurden von Prof. Breuer zahlreiche neue Erkenntnisse zu den Zusammenhängen zwischen dem Schlafapnoesyndrom, Bluthochdruck, Diabetes und dem metabolischen Syndrom erarbeitet.

Zusammenhänge zwischen den Krankheiten entlarvt
Prof. Dr. Breuer untersuchte in einer monozentrischen Studie (1 Arzt, der alleine alle Patienten untersucht) rund 2.500 Patienten. Dabei zeigten sich eindeutige Zusammenhänge zwischen den verschiedenen Erkrankungen: Unter anderem wurden zwei übergewichtige Versuchsgruppen gebildet, die beide einen BMI von ca. 29 kg/m2 und einen Bauchumfang von etwa 100 cm hatten (“Übergewichtige“). Die erste Gruppe zeichnete sich zusätzlich durch das Vorliegen eines Schlafapnoesyndroms aus. In 22 % der Fälle hatten die Betroffenen einen Diabetes sowie einen grenzwertigen Bluthochdruck (140/81 mmHg). Bei der zweiten Gruppe, die nicht unter einem Schlafapnoesyndrom litt, hatten lediglich 16 % einen Diabetes. Der Blutdruck betrug bei ihnen 138/80 mmHg. Es ergibt sich, dass Patienten, die ein Schlafapnoesyndrom haben auch gehäuft an Diabetes oder Bluthochdruck erkranken. Je übergewichtiger die Menschen sind, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit. Darüber hinaus zeigt die Studie, dass der Bauchumfang für das Auftreten eines obstruktiven Schlafapnoesyndroms wesentlich relevanter ist als der einfache Body-Mass-Index. “Patienten, die aufgrund ihres Schlafapnoesyndroms in Behandlung waren, wurden zusehends dicker. Das war für mich eine erschreckende Beobachtung“, erklärt Prof. Breuer und ergänzt: “Trotz erfolgreicher Behandlung des Schlafapnoesyndroms nahmen sie zu. Hier muss sicherlich zukünftig stärker auf Lebensstiländerungen (Kalorienreduktion, mehr Bewegung usw.) geachtet werden.“

Screening-Index hilft Schlafkrankheiten festzustellen
Im Rahmen seiner Studie entwickelte Prof. Breuer einen eigenen Screening-Index, mit dessen Hilfe Schlafkrankheiten erkannt und gewichtet werden können. Mit Hilfe dieses Fragenbogens überprüft der Chefarzt der Inneren Medizin, ob ein obstruktives  Schlafapnoesyndrom (eine Verengung im Rachenraum führt zu Atemaussetzern) vorliegt. Im Vergleich zu dem international anerkannten Standardfragebogen “Epworth Schläfrigkeitsskala“ zeigte sich der neu entwickelte Carolus-Schlaf-Score als wesentlich vorteilhafter. Neben detaillierten Fragen zu der Art der Schlafstörungen gewichtet und wertet er die Antworten unterschiedlich. Er fokussiert sich stärker auf die Symptome, die bei einem Schlafapnoesyndrom auftreten.

Der von Prof. Breuer entwickelte Screening-Bogen hat sich in der Praxis bewährt. “Wir setzen ihn mittlerweile auch bei uns im Knappschaftskrankenhaus gezielt ein“, erklärt Prof. Breuer. &bdquoWir möchten damit das obstruktive Schlafapnoesyndrom so schnell wie möglich entlarven. Des Weiteren betrachten wir die Zusammenhänge zu Diabetes und Bluthochdruck, die damit eng verknüpft sind. Im Sinne der Prävention von weiteren Krankheiten versuchen wir, unsere Patienten auf die Zusammenhänge zu sensibilisieren und sie rechtzeitig vor weiteren Erkrankungen zu bewahren.“

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