Schlafhormon Melatonin – gesundheitliche Bedeutung

Schlaf; Paar schlafend im Bett

Das Schlafhormon Melatonin wird mit dem Einsetzen der Dunkelheit ausgeschüttet und erreicht den höchsten Wert im Blut während des Schlafs. Neben dem Schlaf beeinflusst das Melatonin einen bedeutenden Anteil an Funktionen innerhalb der Zellen und Organe, da es als Taktgeber den Zirkadianen Rhythmus eicht und laut iNutro.com die Expression von 10 % aller Gene in unserem Körper beeinflusst.

Melatonin in der Behandlung von Schlafstörungen und des Jetlags

Melatonin wird von der Zirbeldrüse mit dem einsetzenden Alter immer geringfügiger produziert, und erreicht im Schlaf nicht mehr das Niveau von jungen Menschen. Nahezu die Hälfte der Senioren in Deutschland leiden an Schlafstörungen, die häufig mit dem Einsatz von GABA-Agonisten (Benzodiazepinen) behandelt werden.

In einer Untersuchung zeigten sich Benzodiazepine jedoch eher schädlich für die Schlafqualität, da sie den REM-Schlaf negativ beeinflussen und dadurch auch die Erholsamkeit des Schlafs, was wiederum tagsüber die kognitive Leistung beeinträchtigt [1].

Eine Meta-Analyse von doppelblind placebokontrollierten klinischen Untersuchungen mit annähernd 1700 Teilnehmern verglich die Wirksamkeit von Melatonin Präparaten mit Benzodiazepinen. Obwohl Melatonin nicht so effizient die Einschlafzeit verkürzte und die Schlafzeit nur leicht verlängerte, erhöhte es spürbar die Schlafqualität [2]. Die stark sedierende Wirkung der Benzodiazepine kann Melatonin also nur geringfügig erreichen, dafür aber den Schlaf erholsamer machen.

Einer der Gründe für den fehlenden Einfluss auf die Schlafdauer, könnte die relativ schnelle Freigabe des Wirkstoffs durch die meisten Tabletten sein. Eine langsam freisetzende Formulierung kann eventuell die natürliche Ausschüttung durch die Zirbeldrüse besser imitieren und wird bei Schlafstörungen verschrieben, bei denen die langsame Freisetzung die Schlafdauer deutlicher beeinflusst [3].

Dennoch scheinen die schnell freisetzenden Melatonin Tabletten etwas effektiver bei einem Jetlag zu wirken. Dabei reicht bereits eine Dosis von einem halben Milligramm, obwohl eine höhere Dosis die Schlafqualität bei Jetlag-Geplagten deutlicher verbesserte, als die niedrige Dosierung [4]. Die Einnahme des Melatonins hilft den Schlafrhythmus schneller der neuen Umgebung anzupassen und beschleunigt auch die Wiederherstellung des hormonellen Gleichgewichts, das durch den Jetlag durcheinandergerät.

Melatonin als natürliche Krebsabwehr und als Ergänzung einer Krebstherapie

Epidemiologische Studien zeigen ein gehäuftes Aufkommen von Brustkrebs durch die Industrialisierung und vermehrten Lichtsmog, also die künstliche Beleuchtung während der Nachtphasen, sei es durch die Straßenlichter in Großstädten oder Displays von Smartphones und Tablets vor dem Schlafengehen [5]. Frauen, die in Nachtschichten arbeiten, zeigen genauso ein erhöhtes Aufkommen von Brustkrebs, während blinde Frauen, die kein Licht wahrnehmen können, ein geringeres Erkrankungsrisiko haben [6, 7].

Frauen in Westeuropa erkranken 4-mal so häufig an Brustkrebs als jene in Asien oder Afrika, so dass mitunter die Beeinträchtigung des gesunden Zirkadianen Rhythmus durch die Lebensumstände als ein bedeutender Grund angesehen wird [8]. Allein im Brustgewebe werden mehr als 600 Gene durch den Zirkadianen 24-h Rhythmus und damit auch durch das Melatonin gesteuert. Studien mit einem Brustkrebsmedikament, einem definierten selektiven Estrogenrezeptormodulator, zeigen eine erhöhte Resistenz der Krebszellen, wenn Melatonin entzogen wird, während die Kombination aus dem Estrogenrezeptormodulator und Melatonin Brustkrebszellen effizienter abtötet [9].

Diese Erkenntnisse werden durch mehrere klinische Studien gedeckt, bei denen zusätzlich zur konventionellen Chemotherapie auch Melatonin in einer recht hohen Dosis von durchschnittlich 20 mg täglich verabreicht wurde. Die Patienten sprachen besser auf die Chemotherapie an mit einer höheren Stabilisierung der Erkrankung und geringerer 1-Jahr Mortalität. Zudem traten therapietypische Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen, Thrombozytopenie und Leukopenie deutlich seltener [10].

Melatonin Formulierungen und Dosierung

Melatonin ist als verschreibungspflichtiges Medikament erhältlich in einer langsam freisetzenden Variante und Dosierung von 2 mg pro Tablette. In Deutschland kann Melatonin auch als Nahrungsergänzungsmittel bis zu 5 mg pro Tablette bezogen werden, dabei handelt es sich hauptsächlich um schnell freisetzende Formulierungen.

Melatonin zeigt bereits aber einer Dosis von 0,3 – 0,5 mg eine Wirkung bei Schlafstörungen und Jetlag, wobei ab 2 mg bereits keine bedeutende Steigerung der Wirksamkeit zu erwarten ist. Eine Dosierung von 0,5 – 1 mg erzielt ungefähr eine Melatonin Konzentration im Blut, die bei einer jungen und gesunden Person natürlich vorkommt. Wesentlich höhere Dosisbereiche (ab 2 mg) sind eigentlich für die konventionelle Behandlung von Schlafstörungen nicht notwendig. Die Einnahme von Melatonin Tabletten darf nur vor dem Schlafengehen erfolgen.

 

  1. Auswirkung von Benzodiazepinen auf den REM Schlaf: http://flipper.diff.org/app/items/info/5332.
  2. Ferracioli-Oda, E., A. Qawasmi, and M.H. Bloch, Meta-analysis: melatonin for the treatment of primary sleep disorders. PLoS One, 2013. 8(5): p. e63773.
  3. Wade, A.G., et al., Nightly treatment of primary insomnia with prolonged release melatonin for 6 months: a randomized placebo controlled trial on age and endogenous melatonin as predictors of efficacy and safety. BMC Med, 2010. 8: p. 51.
  4. Suhner, A., et al., Comparative study to determine the optimal melatonin dosage form for the alleviation of jet lag. Chronobiol Int, 1998. 15(6): p. 655-66.
  5. Stevens, R.G., Working against our endogenous circadian clock: Breast cancer and electric lighting in the modern world. Mutat Res, 2009. 680(1-2): p. 106-8.
  6. Benabu, J.C., et al., . Gynecol Obstet Fertil, 2015. 43(12): p. 791-9.
  7. Flynn-Evans, E.E., et al., Total visual blindness is protective against breast cancer. Cancer Causes Control, 2009. 20(9): p. 1753-6.
  8. Blakeman, V., et al., Circadian clocks and breast cancer. Breast Cancer Res, 2016. 18(1): p. 89.
  9. Dauchy, R.T., et al., Circadian and melatonin disruption by exposure to light at night drives intrinsic resistance to tamoxifen therapy in breast cancer. Cancer Res, 2014. 74(15): p. 4099-110.
  10. Seely, D., et al., Melatonin as adjuvant cancer care with and without chemotherapy: a systematic review and meta-analysis of randomized trials. Integr Cancer Ther, 2012. 11(4): p. 293-303.

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