Schlafenden Tumorzellen auf der Spur: UKE-Wissenschaftlerin bei Krebskongress in Wien ausgezeichnet

Trotz vieler neuer Medikamente können Krebserkrankungen nicht immer erfolgreich behandelt werden. Vor allem, wenn ein Tumor Tochtergeschwülste (Metastasen) an anderer Stelle im Körper abgesiedelt hat, kann ein Großteil der Patienten nicht mehr geheilt werden. Ein möglicher Ansatzpunkt für künftige Therapien sind einzelne Tumorzellen, die sich bei einem Teil der Patienten in einem frühen, noch heilbaren Krankheitsstadium im Knochenmark nachweisen lassen. „Diese Zellen befinden sich in einem `schlafenden´ Zustand, in dem sie sich nicht teilen und deshalb auch eine Chemotherapie überleben können. Jahre später werden sie durch noch weitgehend unbekannte Signale wieder `geweckt´. Sie beginnen sich zu teilen und können so große, lebensbedrohliche Metastasen bilden“, sagt Dr. Ben-Batalla. Deshalb sei es von großer Wichtigkeit, diesen Vorgang besser verstehen zu lernen. „Nur dann können wir Strategien entwickeln, um die schlafenden Tumorzellen abzutöten, bevor sie Organmetastasen bilden.“

Ein von Priv.-Doz. Dr. Dr. Sonja Loges, Institut für Tumorbiologie und II. Medizinische Klinik des UKE, geleitetes internationales Wissenschaftlerteam, zu dem Dr. Ben-Batalla gehört, ist den schlafenden Tumorzellen auf die Spur gekommen. Die Forscher haben entdeckt, dass ein bestimmter Eiweißstoff, das sogenannte „growth arrest-specific gene 6“ (Gas6), die Teilungsfähigkeit der schlafenden Tumorzellen anregt. „In Untersuchungen an verschiedenen Modellsystemen und direkt an Knochenmark von Krebspatienten haben wir herausgefunden, dass Tumoren durch eine Verminderung von Gas6 im Knochenmark ihre metastatischen Zellen in einen Schlafzustand versetzen. Dieser ermöglicht den Zellen, eine Chemotherapie zu überleben“, erläutert Dr. Loges. Gas6 – so die Schlussfolgerung der Wissenschaftler – ist ein möglicher therapeutischer Angriffspunkt, um zu verhindern, dass die schlafenden Zellen aufgeweckt werden. Bis zur Entwicklung eines Medikaments sind jedoch noch umfangreiche weitere Forschungen notwendig.

„Die Auszeichnung ist Beleg für eine sehr gute interdisziplinäre Zusammenarbeit von Klinikern und Grundlagenwissenschaftler sowohl innerhalb des UKE als auch darüber hinaus“, sagt Dr. Loges, die die Forschungsergebnisse in Wien einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt hat. An dem ausgezeichneten Projekt „Primary tumors elicit dormancy of disseminated breast cancer cells in the bone marrow by downregulating Gas6“ sind aus dem UKE das Institut für Tumorbiologie, die Klinik für Gynäkologie, die Klinik für Unfallchirurgie und die II. Medizinische Klinik beteiligt.

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