Saunieren – aber richtig

Gesundheit: Gerade jetzt, wenn die Tage kürzer und kälter werden, haben Saunen und Dampfbäder wieder Hochsaison. Jung und alt zieht es in Bäder und Thermen, um Erholung vom Alltagsstress zu finden und etwas für die Gesundheit zu tun. Denn ein Besuch in der „Schwitzkammer“ ist nicht nur entspannend, sondern besitzt auch noch das extra Gesundheits-Plus. „Es ist bewiesen, dass regelmäßiges Saunieren das Immunsystem stärkt und Erkältungen vorbeugt“, bestätigt Dr. Constanze Kriebel-Goldmann, beratende Medizinexpertin der BKK Essanelle: „Auch die entspannende Wirkung der Sauna hat positive Auswirkungen auf den Körper. So kann der regelmäßige Sauna-Besuch eine Möglichkeit zur Vorbeugung alltagsbedingter Stresssymptome sein.“

Doch nur wer richtig sauniert, kann die volle Wirkung des Schwitzens ausschöpfen. „Wir haben festgestellt, dass die Mehrzahl der Sauna-Gänger leider wichtige Aspekte des Saunierens nicht berücksichtigt und dadurch die positiven Effekte auf die Gesundheit reduziert werden. Je größer die Thermen, je vielfältiger die Möglichkeiten des Saunierens und Badens, desto größer ist auch das Risiko, Fehler zu begehen“, weiß die Sauna-Expertin Martina Frenzel, Chefredakteurin des Wellnessmagazins „heiss+kalt“. Die BKK Essanelle und Frenzel räumen daher mit den sieben häufigsten Sauna-Irrtümern auf:

(1) Je heißer, desto besser
Falsch: Die Immunabwehr wird durch exzessives Schwitzen gestärkt.

Schwitzen ist zwar wichtig, die Immunabwehr wird jedoch erst durch die richtige und ausreichende Abkühlung gestärkt. Wer also nur lauwarm abduscht oder gleich nach dem Abduschen ins wohlig-warme Becken springt, schwächt die so genannte „abhärtende“ Wirkung. Um einen positiven gesundheitlichen Effekt zu erzielen, muss die Abkühlung durch Frischluft und Kaltwasser stark genug sein. Umgekehrt sind heiße Aufgüsse zwar ein angenehmer Hitze-Kick, sind aber nicht unbedingt ein Gesundheits-Plus.

(2) Nach der Sauna entspannt ein Whirlpool
Falsch: Nach der Sauna ist es sinnvoll, einen Whirlpool oder ein heißes Solebecken zu besuchen.

Nach dem Saunagang sollte unbedingt ausreichend abgekühlt werden, bevor die nächste Wärme-Anwendung besucht wird. Nur so wird die Immunabwehr gestärkt. Den wenigsten ist bewusst: Auch bei Whirlpool oder warmem Thermalwasser handelt es sich um Wärme-Anwendungen, die ebenso wie die Sauna die Körpertemperatur erhöhen. Wer zwischendurch nicht ausreichend abkühlt, belastet den Kreislauf oft zu stark und reduziert die positiven Effekte. Auch bei hohen Außentemperaturen im Sommer sollte man diese immer währende Sauna-Regel berücksichtigen.

(3) Feuchtwarme Bäder erzielen bessere Effekte
Falsch: In der feuchtwarmen „Bio-Sauna“ oder im „Sanarium“ schwitzt man besser als in der Sauna.

Sowohl „Bio-Sauna“ als auch „Sanarium“ sind feuchtwarme Bäder. Die Temperatur beträgt im Gegensatz zur Sauna lediglich zirka 45° bis 60°C, die Luftfeuchtigkeit hingegen hohe cirka 40 bis 60%. Im Vergleich zur klassischen Sauna schwitzt der Körper hier jedoch nicht besser oder mehr. Denn was bei diesen Anwendungen auf der Haut spürbar wird, ist nicht der Schweiß, sondern ein Feuchtigkeitsfilm, der sich durch die hohe Luftfeuchtigkeit bildet und auf der Haut absetzt.

(4) Saunieren trocknet die Haut aus
Falsch: Die trockene Sauna trocknet die Haut aus, während im Dampfbad die Haut mit Feuchtigkeit versorgt wird.

Auch die Sauna verstärkt die Durchblutung und sorgt so für eine bessere Versorgung der Haut mit Feuchtigkeit. Eine Studie der Dermatologischen Klinik in Jena hat ergeben: Regelmäßiges Sauna-Schwitzen „trainiert“ die Haut und trocknet danach sogar weniger aus. Der hauteigene Säureschutzmantel wird gestärkt und so verhindert, dass beim Schwitzen zu viele Mineralstoffe verloren gehen. Regelmäßiges Saunieren erhöht bewiesenermaßen die Wasserspeicherkapazität der Haut und hält sie feucht. Auch bei Akne-Erkrankungen kann der Gang in die Sauna helfen. Denn der auf der Haut entstandene Talg kann besser abfließen.

(5) Nach der Sauna sind Pflegeprodukte nötig
Falsch: Nach der Sauna sollte man sich noch mit Duschgel abduschen, um den Schweiß abzuwaschen.

Der pH-Wert wird durch das Saunieren so gut wie nie gestört. Außerdem wird die Haut porentief gereinigt. Duschgel und Seifen können diesen Vorgang der natürlichen Reinigung stören. Nicht umsonst, war das Schwitzbad ursprünglich auch ein Reinigungs-Bad. Falls der Saunagänger nicht auf Pflegeprodukte nach der Sauna verzichten möchte, sollte zu einem pH-hautneutralen Produkt (leicht sauren pH-Wert 5,5) gegriffen werden, um den Säureschutzmantel nicht sofort wieder zu zerstören.

(6) Nicht jeder kann in der Sauna schwitzen
Falsch: Es gibt Menschen, die schwitzen einfach nicht gut und sind für die Sauna nicht geeignet.

Regelmäßiges Saunieren trainiert auch das Schwitzen. Nach mindestens drei bis sechs Saunabesuchen (1-mal pro Woche) stellt sich bei den meisten Menschen ein solcher Effekt ein. Dabei sollte man nicht unbedingt ins feuchtwarme Bad wie zum Beispiel die Bio-Sauna gehen. Auch Anfänger können sofort die trockene Sauna besuchen. Wem es zu heiß ist, der sollte sich auf die unterste Bank setzen. Die Schweißproduktion wird bereits nach kürzester Zeit aktiviert. Häufig merkt man dies zunächst nicht, weil der Schweiß in den ersten Minuten direkt verdunstet und er erst später in Tropfen auf der Haut verbleibt.

(7) Nach dem Schwitzen im Kneippschen Fußbad abkühlen
Falsch: Nach der Sauna sollte man ein Kneippsches Fußbad mit heißem und kaltem Wasser im Wechsel nehmen.

Kneippsche Fußbäder mit einem Wechsel heiß-kalt können im Winter zwar vor Erkältungen schützen und gegen kalte Beine und Füße helfen, sind aber in Kombination mit Sauna-Gängen nicht geeignet. Nach der Sauna sollte nur ein lauwarmes Fußbad, das die Wärme aus dem Körper zieht, in jedem Fall aber außerdem ein kalter Ganzkörper-Guss zur Abkühlung genommen werden. Leider verleiten viele Bäder ihre Gäste zu diesem Fehler, indem sie ein heiß-kaltes Kneippsches Fußtretbecken direkt vor der Sauna aufbauen. (humannews 12/2009)

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