Salzkuss war gestern!

Die Mukoviszidose (von lateinisch mucus = Schleim, viscidus = zähflüssig, klebrig) gehört zu den häufigsten Erbkrankheiten in Deutschland: Jedes Jahr werden in Deutschland etwa 150 bis 200 Kinder mit der Krankheit geboren. Ein Fehler im Erbgut der Betroffenen verursacht die Bildung zähen Schleimes, der die Lunge verstopft. Auch andere Organe wie Leber und Darm, Schweiß- und Tränendrüsen sind betroffen. Das Kind leidet schon als Säugling unter quälendem Husten. Man kann aber den Gendefekt nutzen, um die Krankheit mittels Gentest sicher zu erkennen. So kann man die Krankheit behandeln, bevor sie vollständig ausbricht. Ein Tropfen Blut reicht aus, um bereits bei Neugeborenen kurz nach der Geburt die Krankheit zu erkennen. In Deutschland möchte man bei einer solchen Suche aber gesunde Kinder, die lediglich Anlageträger für diese Krankheit sind, nicht finden. Der Heidelberger Kinder- und Jugendarzt PD Dr. Olaf Sommerburg hat mit seinem Team umfassend an diesem Testverfahren geforscht, um diese Bedingung zu erfüllen. Zugleich hat er sich dafür eingesetzt, dass neue Test in eine kostenfreie Früherkennungs-Untersuchung eingehen konnte, die heute allen Familien mit Neugeborenen in Deutschland zur Verfügung steht. Zwei Millionen Neugeborene wurden bisher mit der neuen Methode untersucht. Bei zirka 500 von ihnen wurde dadurch die folgenreiche Erbkrankheit gleich in den ersten Lebenstagen erkannt.

„Durch Früherkennung und moderne Behandlung hat die Mukoviszidose einen Teil ihres Schreckens verloren. Viele Betroffene könnten heute bei früher Diagnose und optimaler Behandlung fast ein normales Lebensalter erreichen.”, sagt Dr. Olaf Sommerburg vom Universitätsklinikum Heidelberg. Der Gründer und Vorstand der Stiftung Kindergesundheit Prof. Dr. Berthold Koletzko unterstreicht bei der Preisverleihung: „Genau diese frühe Erkennung ist es, die eine sofortige Hilfe ermöglicht. Ohne diese frühe und genaue Vorsorge durchlebten sowohl Kinder als auch Familien lange und einschneidende Leidenswege. Heute kann die Kinder-und Jugendmedizin schneller und effektiver reagieren.“

Die Preisverleihung fand am 14.09.2019 im Rahmen der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin in München statt.

Zum Meinhard von Pfaundler-Preis für Pädiatrische Prävention:

Mit diesem Preis werden Wissenschaftler ausgezeichnet, die durch ihre Arbeit die Prävention im Kinder- und Jugendalter in Deutschland maßgeblich vorangetrieben haben. Preisträger des Meinhard von Pfaundler-Präventionspreises haben neue Notwendigkeiten zur Gesundheitsförderung erkannt und adäquate Präventionsstrategien mitentwickelt. Sie haben überzeugende wissenschaftliche Beweise dafür vorgelegt, dass die Prävention im frühen Kindesalter zu einem guten Start ins Leben beitragen kann.

Zum Namensgeber:

Prof. Meinhard von Pfaundler war eine außergewöhnliche Persönlichkeit in der Kinder- und Jugendmedizin. Schon mit 34 Jahren übernahm er 1906 die Leitung der Münchner Universitäts-Kinderklinik, die heute als Dr. von Haunerschen Kinderspital Teil der Ludwig Maximilians Universität München ist. Von Pfaundler bestimmte als Forscher und Arzt die Geschicke der Klinik bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1939. Er erbrachte wichtige Beiträge zur Systematisierung und Neuorientierung der deutschen Pädiatrie. Als Hochschullehrer prägte er eine neue Generation von Pädiatern. Er war Mitbegründer der „Zeitschrift für Kinderheilkunde“ und des „Zentralblatts für die gesamte Kinderheilkunde“ sowie Schriftleiter der „Ergebnisse der Inneren Medizin und Kinderheilkunde“. Die Stiftung Kindergesundheit erinnert mit dem Meinhard von Pfaundler Preis für Pädiatrische Prävention an den berühmten Kinderarzt.

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