Rütteln an einem Dogma: Vom Abschied der Schizophrenie

Doch worüber sich Experten zunehmend verständigen, dem wird in der diagnostischen Praxis noch viel zu wenig Rechnung getragen, mahnt Prof. Tebartz van Elst an – mit gravierenden Folgen für die Behandlung von Patienten. „Ich plädiere daher dringend für eine Reform des Schizophrenie-Konzepts“, fordert der Wissenschaftler. Seine Thesen hat er gerade in einem Fachbuch veröffentlicht.

Am Montag, 27. November 2017, laden er und sein Team zum internationalen Experten-Symposium nach Freiburg. Journalisten sind herzlich eingeladen, um Anmeldung wird gebeten.

Upper Rhine Valley Symposium on Schizophrenia
“Does neuropsychiatry terminate the era of schizophrenia?”
Montag, 27. November 2017, 9 bis 18 Uhr
Haus zur Lieben Hand
Löwenstraße 16, Freiburg im Breisgau

Mit seiner Forderung rüttelt Prof. Tebartz van Elst an einem Jahrzehnte alten Dogma der Schizophreniediagnostik. „Wir kennen zahlreiche verschiedene Ursachen für Krankheiten, die wir als Schizophrenie bezeichnen. Anders ausgedrückt: Schizophrenie ist ein Sammelbegriff für viele verschiedene Krankheiten.“ Die Diagnose der Schizophrenie erfolgt üblicherweise nach dem Klassifikationsschema des Diagnostischen und Statistischen Manual Psychischer Störungen (DSM) der American Psychiatric Association (APA) und der Internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten (ICD) der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Daraus resultieren jedoch zwei Schwierigkeiten. Schizophrenie wird nach wie vor wie eine einzige Erkrankung betrachtet. „Die Diagnose richtet sich zudem überwiegend nach äußeren, psychopathologischen Symptomen. Die ebenso relevanten, neurophysiologischen Ursachen bleiben indes häufig außen vor“, erläutert Prof. Tebartz van Elst.

Das kann nach Meinung des Mediziners zu fatalen Fehldiagnosen und schwerwiegenden Behandlungsfehlern führen, weil aufwändigere, klinische Untersuchungen wie zum Beispiel bildgebende Methoden, Gehirnwasseranalysen oder immunologische Parameter zur Diagnose physiologischer Ursachen nicht oder erst sehr spät erfolgen. Aber auch die Forschung wird behindert, wenn am bisherigen Schizophrenie-Begriff festgehalten wird, ist Prof. Tebartz van Elst überzeugt. „Ich möchte daher nicht nur zur Diskussion stellen, den Begriff der Schizophrenie abzuschaffen, wie es Japan zum Beispiel bereits 2002 getan hat, sondern auch das Konzept dahinter zu erneuern“, sagt er. Gerade hat er seine Thesen in dem Buch „Vom Anfang und Ende der Schizophrenie – Eine neuropsychiatrische Perspektive auf das Schizophrenie-Konzept“ veröffentlicht. Diese Thesen stellt er jetzt auf dem hochkarätig besetzten, englischsprachigen Symposium in Freiburg vor.

Das Symposium wird in Zusammenarbeit mit den Oberrheinischen Universitäten Freiburg, Basel und Straßburg und dem Forschungsnetzwerk „Neuroscience Upper Rhine Network“ organisiert und finanziell gefördert.

Hier finden Sie das vollständige Programm des Symposiums: https://www.neurex.org/events/events-to-come/item/317-the-beginning-and-end-of-schizophrenia-does-neuropsychiatry-terminate-the-era-of-schizophrenia

Anmeldung für Symposiumsteilnehmer:
Renate Scheld
Telefon: 0761 270-65290
renate.scheld@uniklinik-freiburg.de

Kontakt für Presseanfragen
Prof. Dr. Ludger Tebartz van Elst
Stellv. Ärztlicher Direktor
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie
Universitätsklinikum Freiburg
Telefon: 0761 270-66030
tebartzvanelst@uniklinik-freiburg.de

Rezensionsexemplare des Buches „Vom Anfang und Ende der Schizophrenie“
W. Kohlhammer GmbH
Jutta Reich
jutta.reich@kohlhammer.de
www.kohlhammer.de

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