Bei Vorhofflimmern Schlaganfall verhindern – Gerinnungshemmer Rivaroxaban bewährt sich in Rocket AF-Studie

Schlaganfälle schädigen das Gehirn, können zu Behinderungen führen und tödlich sein. Menschen, die an Vorhofflimmern leiden, unterliegen einem fünffach erhöhten Risiko für Schlaganfälle – rund ein Drittel der betroffenen Menschen erleidet einen Schlaganfall.

Vorhofflimmern ist eine der häufigsten Herzrhythmusstörungen weltweit – sie betrifft mehr als 2,3 Millionen US-Amerikaner und bis zu 6 Millionen Europäer. Der unregelmäßige Herzschlag von Patienten mit Vorhofflimmern setzt diese einem erhöhten Risiko für die Entstehung von Blutgerinnseln im Herz-Vorhof (Atrium) aus, die ins Gehirn wandern und einen Schlaganfall hervorrufen können.

Gerinnungshemmer Rivaroxaban – ein oraler direkter Faktor-Xa-Inhibitor zur Behandlung von venösen Thromboembolien (VTE)
Rivaroxaban ist ein neuartiger, als Tablette einzunehmender Gerinnungshemmer. Es ist ein oraler, direkter Faktor-Xa-Inhibitor. Mehr als 65.000 Patienten nehmen weltweit an dem klinischen Entwicklungsprogramm für Rivaroxaban teil, in dem das Potenzial dieses Präparats in der Prävention und Therapie eines breiten Spektrums akuter und chronischer thromboembolischer Erkrankungen untersucht werden soll. Dazu gehören unter anderem die Behandlung von venösen Thromboembolien (VTE), die Sekundärprävention nach akutem Koronarsyndrom und die Vorbeugung von VTE bei hospitalisierten Patienten mit internistischen Erkrankungen.

Rivaroxaban als Alternative zum bisherigen Goldstandard in der Gerinnungshemmung mit Warfarin?
„Schlaganfälle aufgrund von Vorhofflimmern haben jedes Jahr weltweit verheerende Auswirkungen auf das Leben von Millionen Menschen und ihren Familien. Gerinnungshemmung mit Warfarin ist wirksam in der Prävention von Schlaganfällen bei Patienten mit Vorhofflimmern und ist seit über einem halben Jahrhundert der Goldstandard. Allerdings ist die klinische Anwendung mit Einschränkungen verbunden,“ sagte Professor Werner Hacke, Ärztlicher Direktor der Neurologischen Universitätsklinik Heidelberg und Mitglied im ROCKET AF Executive Steering Committee.

Schlaganfallprophylaxe bei Patienten mit Vorhofflimmern möglich
„Die ROCKET-AF-Studie hat gezeigt, das einmal-täglich einzunehmendes Rivaroxaban Patienten einen verbesserten Schutz vor Schlaganfällen, eine vereinfachte Anwendung und ein gutes Sicherheitsprofil bieten kann,“ so Professor Werner Hacke.

ROCKET-AF-Studie größte doppelblinde Studie in der Indikation Schlaganfallprophylaxe bei Patienten mit Vorhofflimmern
Mit 14.264 randomisierten Patienten ist ROCKET AF die größte doppelblinde Studie in der Indikation Schlaganfallprophylaxe bei Patienten mit Vorhofflimmern. In der Studie wurde einmal-täglich einzunehmendes Rivaroxaban mit dosis-angepasstem Warfarin verglichen. In der primären Wirksamkeitsanalyse der „On-Treatment Population“ zeigte Rivaroxaban gegenüber Warfarin eine überlegene Wirksamkeit (1,70% vs. 2,15%, p=0,015) und bewirkte somit eine relative Risikoreduktion für Schlaganfälle und systemische Thromboembolien von 21%. In einer zusätzlichen Analyse aller randomisierten Patienten – unabhängig davon, ob sie den vollständigen Therapiezeitraum behandelt wurden oder vorher auf andere Behandlungsoptionen gewechselt hatten – zeigte Rivaroxaban eine mit Warfarin vergleichbare Wirksamkeit (2,12% vs. 2,42%, p<0.001 für Nicht-Unterlegenheit). Dieses Ergebnis weist auf einen Behandlungsnutzen im Vergleich zu Warfarin hin, solange die Patienten Rivaroxaban einnahmen.

Rivaroxaban-Therapie: Weniger hämorrhagische Schlaganfälle – keine erhöhten Blutungsraten – keine Anzeichen für schwere Leberschädigungen
Des Weiteren wurden signifikant weniger hämorrhagische Schlaganfälle – eine besonders schwere Form des Schlaganfalls – in der Rivaroxaban-Gruppe beobachtet (0,26% vs. 0,44% p=0,024). Zudem wurden bei Patienten, die Rivaroxaban einnahmen, numerisch weniger Herzinfarkte (0,91% vs. 1,12%, p=0,121) und eine niedrigere Gesamtsterblichkeit (1,87% vs. 2,21%, p=0,073) beobachtet.

Das durch Rivaroxaban verringerte Schlaganfallrisiko in der ROCKET-AF-Studie ging nicht mit erhöhten Blutungsraten einher. Im primären Sicherheitsendpunkt – die Häufigkeit schwerer und minderschwerer klinisch relevanter Blutungen – war Rivaroxaban mit Warfarin vergleichbar (14,91% vs. 14,52%, p=0,442). Auch schwere Blutungen traten in beiden Studienarmen ähnlich häufig auf (3,60% vs. 3,45%, p=0,576). Hämoglobin-Abfall (2,77% vs. 2,26%, p=0,019) und Transfusionsbedarf (1,65% vs. 1,32%, p=0,044) wurden in der Rivaroxaban-Gruppe zwar häufiger beobachtet, jedoch waren intrakranielle Blutungen (0,49% vs. 0,74%, p=0,019), Organblutungen (0,82% vs. 1,18%, p=0,007) und tödliche Blutungen (0,24% vs. 0,48%, p=0,003) im Vergleich zu Warfarin signifikant seltener.

In der ROCKET-AF-Studie konnte kein Ungleichgewicht im Auftreten von erhöhten Leber-Laborwerten zwischen den Studienarmen festgestellt werden. In der Studie gab es keine Anzeichen für auf Rivaroxaban
Rivaroxaban wurde in der Studie gut vertragen und die Studienabbruchraten aufgrund von Nebenwirkungen waren zwischen den beiden Patientengruppen vergleichbar. Einmal-täglich verabreichtes Rivaroxaban zeigte in der Studie einen verbesserten Schutz vor Schlaganfällen, eine vereinfachte Dosierung und eine gute Verträglichkeit, ohne regelmäßige Laborkontrollen der Blutwerte zu erfordern.

ROCKET AF Studie – RECORD Studie und EINSTEIN-Extension – insgesamt sieben Studien im Entwicklungsprogramm mit Rivaroxaban
ROCKET AF ist die siebte Studie im Entwicklungsprogramm mit Rivaroxaban, die in Folge entweder eine überlegene Wirksamkeit (RECORD1, 2, 3, 4, EINSTEIN-Extension und ROCKET AF) oder Nicht-Unterlegenheit (EINSTEIN-DVT) zeigen konnte. Im RECORD-Programm wurde Rivaroxaban im Vergleich zu Enoxaparin zur Prophylaxe venöser Thromboembolien nach elektiver Hüft- oder Kniegelenkersatz-Operation in mehr als 12.500 Patienten untersucht. In der multinationalen EINSTEIN-DVT-Studie wurde ein neuartiges Behandlungsschema mit Rivaroxaban als Mono-Therapeutikum im Vergleich zur Standardtherapie in der Behandlung akuter, symptomatischer tiefer Venenthrombosen untersucht. In der randomisierten Studie wurden die behandelnden Ärzte und Patienten nicht verblindet, die Bewertung der einzelnen Patientendaten fand jedoch verblindet statt. Die Studie war auf den Nachweis ausgelegt, dass Rivaroxaban der Standardtherapie nicht unterlegen ist (sogenannte Non-Inferiority-Studie). Mehr als 3.400 Patienten mit symptomatischer tiefer Venenthrombose (Deep Vein Thrombosis, DVT), allerdings ohne Anzeichen einer Lungenembolie (Pulmonary Embolism, PE), wurden in die Studie aufgenommen. Die Standardtherapie für DVT, setzt sich zurzeit aus zwei Komponenten zusammen: Anfänglich erhalten die Patienten niedermolekulare Heparine, die mittels einer subkutanen Injektion verabreicht werden, gefolgt von der Gabe eines Vitamin-K-Antagonisten, welcher eine regelmäßige Überwachung des Blutgerinnungswertes INR (englisch: International Normalized Ratio) erfordert. In der EINSTEIN-Extension-Studie wurde die Wirksamkeit und Sicherheit von Rivaroxaban in der Sekundärprophylaxe von wiederkehrenden symptomatischen venösen Thrombosen im Vergleich zu Placebo untersucht. Nach bereits abgeschlossener Behandlung über 6 oder 12 Monate erhielten die Patienten eine Behandlung über weitere 6 oder 12 Monate. An der Studie nahmen rund 1.200 Patienten mit symptomatischer tiefer Venenthrombose oder Lungenembolie teil.

Rivaroxaban  bei Vorhofflimmern – Aussicht auf eine neue Behandlungsoption
„Vorhofflimmern ist weitverbreitet und mit einer hohen Morbidität verbunden. Die Anwendung von Warfarin kann bekanntermaßen schwierig sein. Daher ist es erfreulich, die Aussicht auf eine neue Behandlungsoption zu haben, die in dieser Studie gezeigt hat, dass sie wirksam ist und keine erhöhte Blutungsrate aufweist,“ sagte Dr. Robert M. Califf, Studienleiter und Vice Chancellor for Clinical Research der Duke University.

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