Robotik in der Pflege: VolkswagenStiftung fördert Forschungsprojekt mit 1,15 Millionen Euro

Der Einsatz von Robotern in der Pflege älterer und kranker Menschen ist in der gesellschaftlichen Diskussion angekommen. Dabei wurden bisher vorwiegend humanoide Roboter betrachtet, die autonom Pflegeaufgaben übernehmen können. Diese Ansätze haben jedoch neue ethische sowie methodische Fragen aufgeworfen: Welche Konsequenzen hat die Automatisierung der Pflege für die Lebensqualität und Würde der Betreuten? Wie können wir Roboterunterstützung adäquat und sorgfältig gestalten? Und welche Herausforderungen ergeben sich daraus für die Robotik-Forschung?

Diesen Fragen möchte sich das Forscherteam unter der Leitung von Prof. Dr. Eva Hornecker, Professorin für Human-Computer Interaction an der Fakultät Medien der Bauhaus-Universität Weimar, in einer disziplinübergreifenden Forschergruppe mit Lehrenden des Produktdesign an der Fakultät Kunst und Gestaltung und Spezialisten der Robotik an der University of Southern Denmark sowie Soziologen der Technischen Universität Chemnitz stellen. Gemeinsam möchten sie eine breite Palette von Konzepten zur Unterstützung der Arbeit des Personals und des emotionalen und körperlichen Wohlbefindens der Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeeinrichtungen entwickeln.

»In unserem Projekt fassen wir das Thema ›Robotik‹ viel pragmatischer und weiter – jenseits des gängigen Bildes von einem kleinen Männchen, das Pflegeaufgaben übernimmt«, beschreibt Eva Hornecker. »Roboter können beispielsweise im Mobiliar oder in anderen Alltagsgegenständen integriert sein. Ein intelligenter Tisch mit robotischen Funktionen könnte sich automatisch anpassen, mich stützen und mir dadurch im Alltag helfen.« In enger Kooperation mit zwei Pflegeinstitutionen, darunter die Diakonie Sozialdienst Thüringen gGmbH in Weimar, werden in einem benutzerorientierten, kreativen Design- und Entwicklungsansatz Roboter mit autonom gesteuerten Freiheitsgraden erforscht, deren Verhalten proaktiv und anpassungsfähig sein soll.

Gestaltet werden neben Form und Funktionalität auch das Verhalten und die Reaktion auf sensorische Eingaben. Innovative Kontrollschemata sollen zukünftig ungeschicktes Verhalten der Roboter vermeiden. Von diesem neuen Ansatz in der Erforschung von Pflegerobotern erhoffen sich die Forscherinnen und Forscher alternative Perspektiven auf Roboter, die menschliche Arbeit nicht ersetzen, sondern unterstützen und eine geteilte Kontrolle (shared control) zwischen Mensch und Roboter ermöglichen.

Breit aufgestelltes interdisziplinäres und internationales Forscherteam

Die gestalterische und praktische Entwicklung von Konzepten und Prototypen in einem Rapid-Prototyping Ansatz ist an der Professur Interaction Design von Prof. Wolfgang Sattler an der Fakultät Kunst und Gestaltung angesiedelt. Die Voraussetzungen und Anforderungen an entstehende Prototypen erarbeiten und systematisieren im Vorfeld die Expertinnen und Experten der Human-Computer Interaction in Zusammenarbeit mit Pflegeinstitutionen. Hierfür kooperiert die Bauhaus-Universität Weimar mit der Diakonie Sozialdienst Thüringen gGmbH in Weimar. Die Kolleginnen und Kollegen des Maersk Mc-Kinney Moller Institute der University of Southern Denmark in Odense in Dänemark sind für Robotiksteuerung und maschinelles Lernen zuständig und unterstützen die Realisierung funktionsfähiger Prototypen. Diese kooperieren vor Ort mit dem »Department of the Elderly and Disabled« der Stadt Odense und deren Pflegeheimen. Dr. Andreas Bischof, Soziologe an der Technischen Universität Chemnitz, begleitet den Entwicklungsprozess und hilft beim Reflektieren der Forschungserkenntnisse.

Über die Förderung der VolkswagenStiftung

Die VolkswagenStiftung fördert das Projekt im Rahmen ihrer Initiative »Künstliche Intelligenz – Ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft von morgen«. In diesem Rahmen sollen interdisziplinäre Gruppen von Gesellschafts- und Technikwissenschaftlern gewürdigt und unterstützt werden, die ausgehend von Gegenwartsdiagnosen neue Sichtweisen und Erkenntnisse mit Blick auf die Zukunftsgestaltung der Gesellschaft wie auch der Technologie ermöglichen.

Der Beginn des Forschungsprojektes ist für April 2019 geplant. Die Förderung in Höhe von insgesamt 1.154.300 Euro wird zu Hälfte an die Bauhaus-Universität Weimar gehen. Mit den Mitteln werden Mitarbeiterstellen sowie Materialien für den Prototypenbau in den Werkstätten der Fakultät Kunst und Gestaltung finanziert.

Für weitere Informationen steht Ihnen die Projektleiterin Dr. Eva Hornecker, Professorin für Human-Computer Interaction, als Ansprechpartnerin zur Verfügung:
Prof. Dr. Ing. Eva Hornecker
E-Mail: eva.hornecker@uni-weimar.de

wissenschaftliche Ansprechpartner:
Prof. Dr. Ing. Eva Hornecker
E-Mail: eva.hornecker@uni-weimar.de

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