Ringvorlesungen der Universität des Saarlandes in der 20. Kalenderwoche

1. Literaturwissenschaftliche Ringvorlesung „Narren, Clowns, Spaßmacher“:
Montag, 13. Mai, 19 Uhr: Vom „Lazarillo de Tormes“ zum „Braven Soldaten Schwejk“. Der spanische Schelmenroman und die Figur des Antihelden
(Prof. Hans-Jörg Neuschäfer, Romanische Philologie und Literaturwissenschaft)

„Schelmenroman“ ist die deutsche Bezeichnung für spanisch „Novela Picaresca“. Der Pícaro ist aber etwas anderes als ein Till Eulenspiegel. Konzipiert als Gegenfigur zu den Heldenfiguren der frühneuzeitlichen Erzählliteratur, kommt der Pícaro aus den sozialen Niederungen. Mit Chuzpe und Verschlagenheit will er sich einen Platz an der Sonne erkämpfen. Von Anfang an zeichnet ihn anarchische Respektlosigkeit gegen die ‚Werte‘ einer Ständegesellschaft aus, der er nicht angehört. Gewalt verabscheut er zwar, aber die Gesetze bricht er ständig, was er auf zweideutige Art zu rechtfertigen sucht. Seit dem anonymen „Lazarillo de Tormes“ (1554), der von der Inquisition verboten wurde, hat sich die Novela Picaresca zu einer europäischen Literaturgattung sozialer Aufmüpfigkeit entwickelt, die noch im 20. Jahrhundert herausragende Texte hervorgebracht hat: Thomas Manns „Felix Krull“ und Jaroslav Haseks „Schwejk“.

Detailliertes Programm:

Veranstaltungsort: Festsaal des Rathauses St. Johann, Rathausplatz 1, 66111 Saarbrücken
Kontakt: Dr. Katharina Meiser, k.meiser@mx.uni-saarland.de, Tel.: 0681 302-4511
und Prof. Dr. Sikander Singh, s.singh@sulb.uni-saarland.de, Tel.: 0681 302-3327

2. Ringvorlesung „50 Jahre Informatik an der Saar-Uni“:
Dienstag, 14. Mai, 18.30 Uhr: „Falsche Lohnsteuer, stinkende Diesel, abstürzende Flugzeuge – Die Saarbrücker Informatik in Zeiten verantwortungsloser Software“
(Prof. Holger Hermanns, Informatik)

In den letzten 50 Jahren hat uns die Informatik – vor allem in Form von Software – in sehr moderne Zeiten katapultiert. Bald da: Autonome Fahrzeuge, die uns wie von Geisterhand von A nach B bringen. Software sei Dank. Jetzt schon da: Lohnsteuerbescheinigungen, die verspätet oder falsch sind. Software sei Dank. Dieselautos, die nur manchmal so sauber sind, wie sie eigentlich sein könnten. Und Flugzeuge, die wie von Geisterhand abstürzen. Software sei Dank? – Software ist verantwortungslos – im eigentlichen Wortsinn. Eine Software kann generell keine Verantwortung für die Effekte tragen, die ihr Einsatz hervorruft. Diese Verantwortung liegt beim Hersteller der Software oder beim Auftraggeber. Dort liegt in der Regel auch das geistige Eigentum für die Software – Programmierer sei Dank! Beides zusammen ist für den Normalverbraucher keine glückliche Fügung. In seinem Vortrag beleuchtet Informatik-Professor Holger Hermanns anhand einiger haarsträubender Fälle die grundlegenden Probleme von Softwareproduktion und deren Einsatz. Er diskutiert, welche besonderen Facetten die Saarbrücker Informatikforschung dabei geprägt hat – sowohl historisch betrachtet, als auch im Kontext aktueller Forschung an verständlichen Softwaresystemen.

Holger Hermanns ist Professor für Informatik an der Universität des Saarlandes und hat den Lehrstuhl für Verlässliche Systeme und Software inne. Er ist zudem Sprecher des Sonderforschungsbereiches 248 für verständliche Softwaresysteme. Zuvor war er unter anderem an der Universität Erlangen-Nürnberg und an der Universität Twente in den Niederlanden tätig. Er bezeichnet sich selbst als einen „Verfechter einer proaktiven algorithmischen Rechenschaftspflicht“ und erhielt bereits den niederländischen „Vernieuwingsimpuls“, den deutschen „Preis des Fakultätentages Informatik“. 2016 zeichnete der europäische Forschungsrat (ERC) sein Projekt „Power to the People. Verified“ mit dem Forschungspreis „ERC Advanced Grant“ und 2,4 Millionen Euro aus.

Alle Termine:

Veranstaltungsort: Filmhaus Saarbrücken, Mainzer Straße 8
Kontakt: Gordon Bolduan, Kompetenzzentrum Informatik Saarland,
E-Mail: bolduan@mmci.uni-saarland.de, Tel.: 0681 302-70741

3. Ringvorlesung „Bio-Logisch!“
Mittwoch, 15. Mai, 18.30 Uhr: „Neue Einsatzmöglichkeiten für Hefen: von der Impfstoff- Forschung bis zur Tumor-Therapie“
(Privatdozent Dr. Frank Breinig, Molekular- und Zellbiologie)

Bereits seit Jahrtausenden werden mithilfe der Bäckerhefe Saccharomyces cerevisiae Bier, Brot, Kuchen oder Wein produziert. Daneben haben Hefen seit langem auch Eingang in Biotechnologie, Pharmazie und Medizin gefunden und hier besonders bei der Produktion von biomedizinisch relevanten Substanzen an Bedeutung gewonnen. Die Einsatzmöglichkeiten einzelliger Pilze sind damit aber noch nicht ausgeschöpft: In diesem Zusammenhang beschäftigt sich der Vortrag mit Hefezellen als innovatives Transportsystem für verschiedene Substanzen in bestimmte humane Zelltypen. Die potenzielle Anwendung der „Hefe-Vehikel“ bei der Entwicklung neuer Impfstoffe sowie der Tumor-Therapie werden diskutiert.

Privatdozent Dr. Frank Breinig habilitierte 2017 an der Saar-Uni im Fach Mikrobiologie und leitet im Rahmen einer Vertretungsprofessur die Abteilung „Molekular und Zellbiologie“. Gemeinsam mit seinem Team erforscht er den Einsatz gentechnisch veränderter Hefezellen an der Schnittstelle zwischen Mikrobiologie und Immunologie. Er erhielt unter anderem den Promotionspreis der „Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie“ (2003) und den „Dr. Eduard Martin-Preis“ der Universität des Saarlandes (2004).

Detailliertes Vortragsprogramm:

Ein Foto zum Download finden Sie unter:

Kontakt:
Universität des Saarlandes
Zentrum für Human- und Molekularbiologie
Tel.: 06841 16-26184
E-Mail: zhmb@zhmb.uni-saarland.de

und
Landeshauptstadt Saarbrücken
Kulturamt / Abt. Film und Wissenschaft
Christel Drawer
Tel.: 0681 93674-13
E-Mail: christel.drawer@saarbruecken.de

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