Rheuma – Welche Formen von Rheuma gibt es?

Rheuma ist keine eigenständige Krankheit. Viele verschiedene Erkrankungen des Bewegungsapparates werden zu den rheumatischen Erkrankungen gerechnet. Rheuma dient dabei als Sammelbegriff für Krankheiten, die Gelenke, Knochen, Sehnen, Muskeln, Bindegewebe und manchmal sogar innere Organe betreffen können. Ihre Gemeinsamkeit: chronische Entzündungen durch Störungen des Immunsystems.

Wer ist von Rheuma betroffen?
Rheumatische Erkrankungen können in allen Altersgruppen – vom Kind bis zum älteren Menschen – auftreten. Schätzungsweise 15 Prozent der Bevölkerung in Deutschland sind mindestens einmal im Jahr wegen rheumatischer Beschwerden in ärztlicher Behandlung, und zwar 1 Prozent wegen einer entzündlich-rheumatischen Krankheit, 5 Prozent wegen Rückenschmerzen und je 3 Prozent wegen Arthrosen, weichteilrheumatischer Beschwerden oder unklarer Schmerzsyndrome des Bewegungsapparates. Frauen sind rund dreimal häufiger betroffen als Männer.

Welche Formen von Rheuma gibt es?
Bei Rheuma handelt es sich um eine Gruppe von Krankheiten, der mehr als 100 einzelne Krankheitsbilder zugerechnet werden. Die wichtigsten sind:

Entzündliche rheumatische Erkrankungen

  • Rheumatoide Arthritis: Entzündung und fortschreitende Zerstörung vor allem der kleinen Gelenke, zum Beispiel chronische Polyarthritis (CP)
  • Spondylarthropathien: Bevorzugter Befall des Achsenskeletts, zum Beispiel Morbus Bechterew, Psoriasisarthritis
  • Immunvaskulitis: Schwere Erkrankung mit Befall von mehreren Organen, der Gefäße und des Bindegewebes, zum Beispiel Lupus erythematodes, Sklerodermie, Arteriitis temporalis

Nicht-entzündliche rheumatische Erkrankungen
Nicht-entzündliche Veränderungen der Gelenke durch Degeneration (Verschleiß) von Knorpelgewebe: Hüft-Kniegelenkarthrose

Welche Symptome sind typisch für Rheuma?
Anfangs entwickelt sich die Krankheit meist ohne besonders hinweisende Symptome. Nächtliches Schwitzen, Abgeschlagenheit, brüchige und glanzlose Nägel und eventuell erhöhte Körpertemperatur können erste Hinweise sein. Im weiteren Krankheitsverlauf stellen sich dann die speziellen Symptome ein.

Typische Symptome zum Beispiel der rheumatoiden Arthritis sind meist symmetrisch auftretende, nächtliche und morgendliche Schmerzen der Fingergelenke sowie eine Morgensteifigkeit dieser Gelenke, die über 15 Minuten anhält. In der Folge kann es zum Befall weiterer Gelenke, zu Gelenksverformungen und seltener zu Organbeteiligungen etwa von Augen, Speichel- und Tränendrüsen, Haut, Herz oder Lunge kommen.

Welche Ursachen hat Rheuma?
Auch wenn die Ursachen von Rheuma noch immer nicht endgültig geklärt sind, hat jede Form ihre spezifische Ausprägung.

Entzündlich-rheumatische Erkrankungen
Entzündungen der Gelenke entstehen häufig durch eine Fehlreaktion des Immunsystems. Bei bestehender erblicher Vorbelastung kommt es durch unbekannte Faktoren zum Auslösen der Autoimmunreaktionen.

Nicht-Entzündliche, degenerative rheumatische Erkrankungen
Erkrankungen, die durch einen Gelenkverschleiß entstehen, gehören zu den degenerativen rheumatischen Erkrankungen. Auslösende Faktoren sind beispielsweise Fehl- oder Überbelastung, vorausgegangene Verletzungen, Bewegungsmangel und Übergewicht. Individuelle Voraussetzungen wie eine angeborene Veranlagung werden im Expertenkreis diskutiert.

Welche Risikofaktoren gibt es für die Entstehung von Rheuma?
Folgende Risikofaktoren begünstigen die Entstehung von Rheuma:

  • Genetische Faktoren
  • Fehlstellungen
  • Übergewicht
  • Stoffwechselstörungen
  • Mangelnde Bewegung
  • Alter

Wie wird die Diagnose Rheuma gestellt?
Wer unter anhaltenden Gelenkproblemen leidet, sollte einen Arzt aufsuchen. Die Diagnose wird anhand von Krankengeschichte, körperlicher Untersuchung, Laboruntersuchungen sowie Röntgenaufnahmen von Händen und Füßen oder einer Gelenkspiegelung gestellt.

Am Beginn der rheumatologischen Diagnostik stehen zunächst die gründliche Anamnese und die körperliche Untersuchung. Damit lässt sich schon oft die Art der Erkrankung eingrenzen.

Für eine genauere Diagnose ist der Nachweis von Antikörpern und genetischen Markern im Blut des Patienten wichtig. Die Schwierigkeiten dabei: Antikörper müssen nicht zwingend mit einer bestimmten Erkrankung einhergehen; manch nachweislich Erkrankter weist keine entsprechenden Antikörper oder genetischen Marker auf.

Die Diagnose sichern, das Stadium einer Erkrankung bestimmen und deren Verlauf kontrollieren kann man mit verschiedenen bildgebenden Verfahren wie Röntgen, Computertomografie, Magnetresonanztomografie oder Szintigrafie.

Wie wird Rheuma behandelt?
Die verschiedenen rheumatischen Erkrankungen haben unterschiedliche Ursachen. Deshalb müssen sie auch unterschiedlich behandelt werden. Um Folgeschäden zu verhindern oder zu verzögern, ist die frühzeitige Diagnosestellung mit Beginn der Behandlung entscheidend. Diese besteht in der Regel aus Medikamenten, begleitenden Maßnahmen und möglicherweise einer Operation.

Viele entzündliche rheumatische Erkrankungen verlaufen in Schüben. Die erhöhte Entzündungsaktivität kann durch Medikamente beeinflusst werden. Auch Kälteanwendungen helfen, die Schmerzen zu reduzieren.

Bewegung ist ebenfalls Basis jeder Rheumatherapie. Die Erkrankten sollten regelmäßig ein individuelles Krankengymnastikprogramm ausführen. Ergotherapie zielt darauf ab, den Betroffenen Arbeitsweisen zu vermitteln, die ihnen den Alltag erleichtern.

Positiv auf viele rheumatische Erkrankungen wirkt sich die Umstellung auf eine Ernährung mit hohem Rohkostanteil aus. Nicht so günstig ist eine fleisch- und fettreiche Ernährung mit viel Zucker und Weißmehlprodukten sowie reichhaltiger Konsum von Alkohol, Kaffee, Tee und Nikotin.

Bei Rheuma sind zwei Arten von Operationen wichtig:[/b] die Entfernung der Gelenkinnenhaut und der Ersatz von Gelenken. Die Entfernung der Gelenkinnenhaut kann vor allem bei der rheumatoiden Arthritis notwendig sein, um die weitere Zerstörung des Gelenks aufzuhalten. Der künstliche Gelenkersatz (Totalendoprothese) ist bei entzündlichen und nicht entzündlichen rheumatischen Erkrankungen erforderlich, um ein schmerzfreies Gehen zu ermöglichen.

Wie ist der Verlauf beim Rheuma?
Rheuma verläuft bei jedem Patienten anders, auch wenn eine identische Diagnose gestellt wird. Anfangs können die Symptome eher unspezifisch sein, so dass die Diagnose Rheuma erst spät gestellt wird.

Die Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises können durch moderne Therapieverfahren meist wirksam behandelt werden. Eine Heilung ist heute noch nicht möglich. Der chronische Verlauf ist vor allem bei den entzündlichen Formen durch Schübe von vermehrter Entzündungsaktivität gekennzeichnet.

Mit den heutigen Medikamenten lässt sich bei vielen Patienten der Verlauf bremsen sowie Entzündung und Schmerzen über lange Zeit gut kontrollieren. Ein Risiko für eine dauerhafte Invalidität besteht aber. Patienten mit schweren Verläufen haben zudem eine verkürzte Lebenserwartung.

Wie ist die Prognose beim Rheuma?
Kinder mit Rheuma haben oft eine bessere Prognose als Erwachsene. Voraussetzung ist, dass sie rechtzeitig zum Experten kommen und intensiv genug behandelt werden. Dann erreichen etwa 50 Prozent ohne Bewegungseinschränkungen das Erwachsenenalter.

Kann man einem Rheuma vorbeugen?
Es gibt keine vorbeugenden Maßnahmen, um eine rheumatoide Arthritis zu verhindern oder aufzuhalten. Wer sich gelenkfreundlich verhalten möchte, sollte sich auf jeden Fall regelmäßig bewegen und dabei alle Gelenke gleichmäßig belasten. Ideale Sportarten dafür sind tägliches Spazierengehen, Schwimmen, Radfahren oder Gymnastik. (03/2010)

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